08.05.2019 - 10:13 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Berührendes Konzert für Europa

Der Oberpfälzer Liedermacher Hubert Treml rundete den Europatag der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) mit einem knapp zweistündigen Konzert. Der Titel war mehr als passend.

„D’Sau laoue heit niad aas“, sagt Liedermacher Hubert Treml (links). Er spielt mit Gitarrist Robert Prill im Flossenbürger Museuscafé eher ein nachdenklich stimmenden Konzert.
von FSBProfil

"Mittendrin" überschrieb Treml seinen Auftritt im Museumscafé. Mittendrin in Europa nahe des Mittelpunkts Hildweinsreuth, mittendrin in den letzen Wochen vor der Europawahl, mittendrin im Gelände der KZ-Gedenkstätte. Mit einer „beseelten Kunst, die erheitert und berührt“, mit vielen Liedern, die vorrangig die nachdenklichere Seite des Songwriters zum Ausdruck brachten, und mit Gedanken zur Oberpfalz, zu Flossenbürg, zu seinen Europa-Erlebnissen und philosophierend über unsere Gesellschaft ließ Treml eher ruhige Töne anklingen. Sein Begleiter, Gitarrist Robert Prill, die „wichtige Stütze des Konzerts“, brillierte in vielen Stücken mit rasanten Solo-Einlagen.

Erinnerungen an die Heimat eröffneten bei „Mei Oberpfalz“ den musikalischen Reigen. So richtig befreit sei e heute noch nicht, wenn er nach Flossenbürg komme. „D’Sau laoue heit niad aas“, bekannte er und sang: „Flossenbiarch woar für mi allaweil finsta, dunkel, bleiern und schwar, doch zwisch'n deine Ruinen und Stoina wird’s immer neis Leben assatreibn.“

Danach folgte das Gitarrrenduett „Europa“ von Carlos Santana mit dessen typischem Klang. So richtig weit weg war er noch nicht, der Hubert, doch von einigen Reisen in Europa konnte er schon erzählen und seine kabarettistische Qualität beweisen. Am häufigsten war er in Italien. Da träumt er sich kurz von daheim weg mit „A la Pizzeria da Giovanni woare letztle wieda mit da Anni“ und schwärmt nach „Raggazzo dell’Europa“ von Rocksängerin Gianna Nannini von „Mei Moidl va Europa“.

Eine lustige Fahrt ins Nachbarland, bei der kein Klischee ausgelassen wird, beschreibt er bei „Äi in d’Tschechei … und die Tante Annelies hom ma aa dabei.“ Sie endet beim Schornsteinfeger aus Eger, der „äitza Fliesenleger in Bärnau“ ist. Weil er auch in der Bretagne war, singt Treml dann ein Lied auf Französisch vom Handy, das dort „mon portable“ heißt und ein „Teufelswerk“ (œuvre de diable) ist.

Beim spanisch-oberpfälzischen „Un corazón“ (Ein Herz sucht sich einen Spiegel) bringt er seinen heiseren Partner dazu, mit ihm zweistimmig zu singen. Besinnlich ging es dann in dem für eine 85-jährige Vertriebene geschriebenen Stück „Breslau ist wie ein Kinderlied, das sich durchs Leben ganz alleine schrieb“ und mit Hermann van Veens „Jemand (wird Lieder schreiben)“ weiter. Der Rock ’n’ Roll „Ma mou niad allas, wos ma macha ka, macha“ beendete schließlich den ersten Teil.

Mit „Brouda“ wurde das Konzert fortgesetzt, einem Song über das Mitgefühl des Einzelnen. „Warum immer gegen- statt miteinander, wenn jeder dasselbe Gwiarch hat“, fragte sich Treml, forderte dazu auf, das „Naoudenken“ einzuüben und sang in „I woar nu niad weit fuart“ davon, dass er – anders als die Flüchtlinge, die Bombenlärm und Tod entkamen – zum Glück einen Platz habe, zu dem er zurück kann: daheim.

Er plädierte dafür, der Gesellschaft Werte vorzuleben und laut für sie aufzutreten, auch bei der Europawahl, damit so etwas wie damals in Flossenbürg nicht wieder passieren könne, auch nicht in abgeänderter Form, wofür es in ganz Europa Zeichen gebe.

Leseproben über den 1945 im KZ ermordeten Dietrich Bonhoeffer leiteten über zum nachdenklichen Song „Füar eich (sitze herin)“ und zum vom Publikum mitgesungenen Abschlusslied mit Bonhoeffers Text „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Zwei brillante Musiker Liedermacher Hubert Treml (links) und Gitarrist Robert Prill geben ein heiter-nachdenkliches Konzert zum Europatag der Landvolkbewegung.

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