21.05.2020 - 18:45 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entwickelt bundesweite Ausstellung

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Schon seit längerem beschäftigt viele die Frage, wie es ist, ohne Zeitzeugen der Opfer des NS-Terrors zu gedenken. Eine Antwort sind Ausstellungen. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg plant nun eine, die bundesweit gezeigt werden soll.

Ein letzter prüfender Blick, ob alles passt. Seit mehr als einer Woche stehen die beiden Hinweistafeln an der Synagoge in Floß (Kreis Neustadt/WN). Aufgestellt wurden sie von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Seit knapp zwei Wochen ist die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Kreis Neustadt) wieder geöffnet. Nach und nach kehrt Alltag ein. Aber es ist ein anderer Alltag als vor der Corona-bedingten Schließung. So entwickelt die Gedenkstätte zusammen mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine Wanderausstellung zum Schicksal der Menschen, die im Nationalsozialismus als "Asoziale" und "Berufsverbrecher" verfolgt worden sind. Es ist nicht das einzige Projekt zur Erinnerung, das in Flossenbürg seinen Ursprung hat.

Im nächsten Jahr soll die Ausstellung des Münchener Fotografen Rainer Viertlböck "Strukturen der Vernichtung - Die Außenlager des KZ Flossenbürg heute" in Dresden zu sehen sein. Im Zentralwerk. Diese Künstlergenossenschaft residiert im ehemaligen Goehle-Werk, einem Außenlager des KZ Flossenbürg. Dort musste unter anderem die vor wenigen Tagen verstorbene Weidener Jüdin und Zeitzeugin Henny Brenner Zwangsarbeit leisten.

Nachruf auf Henny Brenner

Weiden in der Oberpfalz

Viertlböck verlängert

Bevor Viertlböcks Fotografien ins Elbflorenz umziehen, werden sie noch einmal im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke in Flossenbürg gezeigt. Die Ausstellung soll nach den Pfingstferien wieder öffnen und bis in den September zu sehen sein. Die Ausstellung des israelisch-französische Künstler Shelomo Selinger wurde ebenfalls verlängert, bis August.

Die Entwicklung der Wanderausstellung fördert der Bund mit rund 1,5 Millionen Euro. Dies geht auf einen Beschluss des Bundestag vom Februar zurück, dem ein langjähriges Tauziehen vorausging. Die Ausstellung soll zum Auftakt in Flossenbürg und Berlin zu sehen sein. Von da aus soll sie in mindestens zehn weiteren Orten gezeigt werden. Das Besondere: Dabei soll die Schau jeweils durch lokale Bezüge erweitert werden. Dies bietet die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen. Für Entwicklung und Koordinierung der Ausstellung entsteht in der Gedenkstätte eine wissenschaftliche Stelle, sagte Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit auf Anfrage.

Der Künstler Shelomo Selinger

Flossenbürg

Förderung durch den Bund

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), erklärt: "Das Schicksal der Menschen, die im Nationalsozialismus als ,Asoziale' und ,Berufsverbrecher' verfolgt wurden, blieb viel zu lange unberücksichtigt." Wie gegenwärtig das Thema ist, zeigen auch entsprechende, die NS-Verbrechen verharmlosende Redebeiträge der AfD im Bundestag. Unter dem NS-Regime wurde etwa Alkoholkranke und Wanderarbeiter als "Asoziale" oder Kriminelle als "Berufsverbrecher" geächtet und stigmatisiert sowie inhaftiert und ermordet.

Im Zuge der Wiedereröffnung erneuert die Gedenkstätte Flossenbürg ihre Hinweistafeln, etwa vor dem Arrestbau, wo weiterhin an das Schicksal von Dietrich Bonhoeffer erinnert wird. Neu ist, dass neben dem evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer auch an Armand Mottet erwähnt wird. Dieser war wegen Spionage und Beteiligung am Widerstand zum Tode verurteilt worden und wurde von US-Truppen in Flossenbürg befreit. Zudem werden neue Hinweistafeln aufgestellt. Zwei stehen schon vor der Synagoge in Floß (Kreis Neustadt). Zudem soll eine am Bahnhof des Ortes aufgebaut werden, von dem aus die KZ-Häftlinge nach Flossenbürg laufen mussten.

Museumscafé wieder geöffnet

Ab diesem Montag öffnet auch das Museumscafé wieder. Auch dort gelten wie in den Ausstellungen wegen der Ansteckungsgefahr die bekannten Hygieneauflagen, Abstand haltend und Maske tragen. Die Betreiber des Cafés bitten zudem möglichst um Anmeldung. Auch das zeigt, dass der Alltag ein anderer ist.

Auch vor dem Haupteingang des Bildungszentrums steht seit gut einer Woche eine Hinweistafel auf die frühere Funktion des Gebäudes.
Hintergrund:

Sogenannte "Berufskriminelle" und "Asoziale" in Flossenbürg

Die ersten Häftlinge die ins Konzentrationslager Flossenbürg gebracht werden sind Deutsche. Sie sind Opfer der Verhaftungsaktionen gegen als Menschen die als "Berufskriminelle" und "Asoziale"geächtet werden. Ende des Jahres 1938 kommen die ersten politischen Häftlinge nach Flossenbürg. Erst durch den Kriegsbeginn 1939 entwickelt das Konzentrationslager zu einem Terrorort für Menschen aus allen besetzten Ländern Europas. Im Jahr 1940 wird in den Listen der erste jüdische Häftling registriert.

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