Flossenbürg
05.07.2018 - 10:49 Uhr

Wie kann man denn da wohnen?

Die Masterarbeit über den Flossenbürger Vogelherd liegt jetzt auch in der Bücherei auf.

Schwergewichtiges hatte Bürgermeister Thomas Meiler für Roland Pichl, Werner Richter und Stefan Krapf (von links) mitgebracht. Für sie gab es Ausfertigungen der Masterarbeit von Lena Möller zur Geschichte des Vogelherds. nm
Schwergewichtiges hatte Bürgermeister Thomas Meiler für Roland Pichl, Werner Richter und Stefan Krapf (von links) mitgebracht. Für sie gab es Ausfertigungen der Masterarbeit von Lena Möller zur Geschichte des Vogelherds.

(nm) Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auf 366 Seiten ist die Geschichte der Vogelherd-Siedlung nachzulesen. Unterstützung bei der Master-Arbeit bekam Lena Möller von Roland Pichl, Werner Richter und Stefan Krapf. Die drei Männer freuten sich am Dienstag über Lob.

Vor wenigen Wochen wurden die zwei Bände „Auf Stätten des Leids Heime des Glücks“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Lena Möller gelang es, wichtige Aspekte der Nachkriegsgeschichte von Flossenbürg aufzugreifen und zu behandeln. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Siedlung am Vogelherd, vor allem aber Menschen, die durch den Krieg ihre Heimat verloren.

Die Vertriebenen bekamen auf dem ehemaligen KZ-Gelände ein neues Zuhause, inzwischen in der zweiten oder sogar dritten Generation. Zweigeteilte Reaktionen waren und sind bis zum heutigen Tag die Folge. Einerseits ging es darum, mit den gebauten Häusern ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, andererseits ist immer wieder die Frage zu hören, „Wie kann man denn da wohnen?“

Der ehemaligen Studentin am Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft der Universität Regensburg gelang es, sich mit dem diffizilen und teilweise heiklen Sachverhalt objektiv und auf hohem Niveau auseinanderzusetzen. Möller ging es nicht darum, Wertungen vorzunehmen beziehungsweise in gut oder schlecht zu unterteilen. Sie arbeitete eine Thematik auf, die extreme Anstrengungen erforderte.

Intensive Recherchen in Archiven zählten ebenso dazu, wie die Kontakte zu Behörden und Fachstellen. Finanzielle Unterstützung für das Forschungsvorhaben kam vom Haus des Deutschen Ostens in München. Von unschätzbarem Wert waren Zeitzeugengespräche. Dabei wurde ihr viel Vertrauen entgegengebracht, es gab interessante und offene Begegnungen, und sie bekam persönliche Dokumente zur Verfügung gestellt.

Bürgermeister Thomas Meiler würdigte am Dienstag im Rathaus das bemerkenswerte Engagement von Pichl, Richter und Krapf. Ohne deren Mitarbeit wäre es nur schwer möglich gewesen, den Wunsch der Gemeinde und der Vogelherd-Anwohner Realität werden zu lassen: „Das Werk zeigt die Geschichte und die Entwicklung in all seinen Facetten und all seiner Dramatik auf. Es bewegt die Menschen und schafft gleichzeitig ein wertvolles Zeitzeugnis auf neutraler und wissenschaftlicher Grundlage.“

Den drei Flossenbürgern sei es zu verdanken, dass die Autorin einen persönlichen Zugang zu den Anwohnern bekam und mit Hintergrundwissen versorgt wurde. Die freuten sich über die beiden überreichten Bände: „Ihr könnt in Ruhe nachlesen, worauf ihr zusammen mit Lena Möller stolz sein dürft.“ Ein Exemplar ist in der Gemeindebücherei zu finden. Eine Kurzfassung soll es in Form von Informationstafeln geben, die am Vogelherd einen wichtigen Teil Flossenbürger Geschichte aufzeigen.





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