19.07.2018 - 17:18 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

US-Botschafter besucht KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Am 9. April 1945 werden im Konzentrationslager Flossenbürg Mitwisser des Attentats auf Adolf Hitler ermordet - darunter Dietrich Bonhoeffer. Zum Gedenken an den Theologen kam US-Botschafter Richard A. Grenell nach Flossenbürg.

Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), in Berln, Richard A. Grenell, war am Donnerstag zu einem privaten Besuch in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Auf den Spuren des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer hat der amerikanische Botschafter in Berlin, Richard A. Grenell, am Donnerstag die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) besucht. Bonhoeffer gilt als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen des vergangenen Jahrhunderts. Er war im Alter von 39 Jahren am 9. April 1945 in Flossenbürg ermordet worden. Der Theologe starb, weil er sich aus seiner christlichen Überzeugung heraus dem totalitären nationalsozialistischen Regime entgegengestellt hatte.

Er sei überwältigt, sagte Grenell nach dem gut zweistündigen Rundgang durch die Gedenkstätte zu unserer Zeitung. Wenig zuvor hatte er tief bewegt in den Resten des Arrestbaus gestanden, in jenem Teil, in dem der evangelische Theologe seine letzte Nacht verbracht hatte. Bonhoeffer fasziniere ihn seit seiner Zeit im College, erzählte der 51-Jährige. Er habe viel von ihm gelernt. Bonhoeffers Umgang mit Glaubenskrisen, dessen beeindruckende Persönlichkeit würden ihn bis heute bewegen und imponieren.

Noch vor seinem offiziellen Amtsantritt am 8. Mai in Berlin hatte Grenell auf Twitter für Bonhoeffers Ideen geworben. Am 4. Februar schrieb er: "An diesem Tag im Jahr 1906 ist der deutsche Pastor und Theologe Dietrich Bonhoeffer geboren worden. Wenn Sie dessen Bücher noch nicht gelesen haben, machen Sie es. Er ist einer der Größten." Einige Wochen zuvor hatte der Diplomat auf Twitter verbreitet, er sei ein "großer Fan" von Bonhoeffer. Ob dies für den amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence auch gilt, müsse man diesen selbst fragen, sagte Grenell. Zuvor hatte der Diplomat von einem ausführlichen Gespräch über Bonhoeffer mit dem zweiten Mann der USA berichtet.

Grenell wird eine enge Verbindung zum Weißen Haus und zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt. Er kennt den derzeitigen Nationalen Sicherheitsberater John R. Bolton aus dessen Zeit als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN) in New York. Grenell war von 2001 bis 2008 Pressesprecher des amerikanischen Botschafters bei den UN. Das war in der Zeit der Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush. Ab dem Jahr 2004 war Grenell zudem stellvertretender Repräsentant seines Landes im UN-Sicherheitsrat.

Der 51-jährige Kommunikations- und Politikberater ist der erste amerikanische Botschafter seit dem Jahr 2005, der die KZ-Gedenkstätte besucht. Vor 13 Jahren war US-Botschafter Edward B. O'Donnell, der Sondergesandte der amerikanischen Regierung für Holocaust-Angelegenheiten, nach Flossenbürg gekommen - ein offizieller Besuch. Grenell war privat in die Gedenkstätte gekommen. Zuvor war er in Regensburg.

Am Platz der Nationen im „Tal des Todes“ der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg verharrte die Besuchergruppe um den US-Botschafter in Berlin, Richard A. Grenell, im Gedenken.

Begleitet wurde der US-Diplomat von seinem Partner sowie von bayerischen und amerikanischen Sicherheitsbeamten. Nötig wäre diese nicht gewesen. Von den Schulklassen aus der Oberpfalz und Oberfranken, die an diesem sonnigen Tag in Flossenbürg waren, hat niemand Grenell angesprochen. Auf dem Rundgang durch die Gedenkstätte begleiteten den Botschafter der Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, der Landtagsabgeordnete Karl Freller (CSU), Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit und Dekan Karlhermann Schötz aus Sulzbach-Rosenberg. Schötz war zuvor viele Jahre evangelischer Pfarrer in Flossenbürg.

Ein Text zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

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