Frankenrieth bei Waldthurn
15.06.2022 - 09:34 Uhr

Anna Güll aus Frankenrieth verstorben

Selten trifft die Charakterisierung „ein netter Mensch“ so genau zu wie bei Anna Güll aus Frankenrieth. Viele erinnern sich noch gerne daran, als sie als Verkäuferin in der Waldthurner Bäckerei mit den Backwaren auch eine gehörige Portion an Freundlichkeit an die Kundschaft gebracht hat. Güll ist am Donnerstag, 9. Juni, im Alter von 83 Jahren verstorben. Bei der Begräbnismesse in der Pfarrkirche St. Sebastian sagte Pfarrer Norbert Götz, die Verstorbene sei nach langem Leiden gegangen.

„Am großen Frauentag 1938 wurde sie als Frühgeburt mit wenig Überlebenschancen am Beernbauernhof in Frankenrieth geboren und hat sich durchgekämpft“, sagte der Pfarrer. Anna Güll war die Drittjüngste von elf Kindern und ging in Lennesrieth zur Schule, anschließend in die Haushaltsschule in Vohenstrauß. Als ihre Mutter krank wurde, hat sie sich um sie gekümmert, als diese starb, hat Anna im Alter von 24 Jahren die Mutterrolle übernommen. Schließlich zog man vom Ortskern Frankenrieth zum Aussiedlerhof am Dorfrand, auch der Vater wurde krank und Anna pflegte ihn. Die Verstorbene lebte auf dem Hof ihres Bruders Josef und dessen Frau, die kinderlos waren. Für viele Neffen und Nichten war sie Anlaufstelle.

Nach dem Tod des Bruders gaben die Frauen die Landwirtschaft auf und Güll wurde Verkäuferin in der Bäckerei Gollwitzer. Als auch ihre Schwägerin verstarb, war sie alleine auf dem Hof. Gerne beobachtete sie morgens die Vögel und hatte Freude an ihren Blumen sowie am Hund und der Katze. Als sie selbst immer wieder gesundheitliche Tiefschläge erlitt, musste Güll schließlich ins Seniorenheim nach Pleystein. Der Pfarrbrief war ihre heimatliche Informationsquelle, auf die Witze im Krankenbrief hat sie gewartet. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich zusehends. So wie sie gelebt hat, ist sie gegangen – ruhig und bescheiden. Am Friedhof in Lennesrieth fand Anna Güll, die Beern Anne, ihre letzte Ruhe.

 
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