Das Beste von Baum und Strauch: Heimisches Wildobst naschen

Freihung
31.08.2023 - 09:39 Uhr
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Es wird geerntet, wenn es reif ist. Es hat kurze Lieferwege und ist frisch verfügbar. Die Naturgärtnerin Daniela Dotzler schwört auf regionales Obst aus Feld und Flur. Doch auch im eigenen Garten lässt sich so manche leckere und wertvolle Beere pflanzen.

Heimisches Wildobst oder auch heimisches Superfood bekommt man meist nicht im Verbrauchermarkt. „Wie der Name schon sagt, wächst es draußen auf Feld und Flur oder im naturnahen Garten“, sagt Daniela Dotzler, Besitzerin eines Hortus Bios in Großschönbrunn (Landkreis Amberg-Sulzbach). „Diese Obstsorten haben gegenüber ihren Zuchtformen, auch Hybriden genannt, den Vorteil, dass sie meist wesentlich mehr Inhaltsstoffe wie Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Antioxidantien, Ballaststoffe sowie Enzyme enthalten.“

Daniela Dotzler, Heilpraktikerin, legt großen Wert auf unkontrolliert biologisches Gärtnern und auf ein insektenfreundliches Stückchen Erde. Sie und ihr Mann Christian versorgen sich aus dem eigenen Garten und geben Überschüsse an Interessierte weiter. „Importierte Ware unterliegt zwar strengen Kontrollen“, sagt sie. „Es kommt aber immer wieder vor, dass die Importware Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Form von Herbiziden und Pestiziden enthält.“ Die geltenden Grenzwerte würden einen Richtwert darstellen, „garantieren aber keinen Schutz“.

Superfood aus der Heimat

Neben naturbelassenen Streuobstwiesen gebe es auch hierzulande Obstplantagen, so Daniela Dotzler. Man finde dort Baumsorten wie Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, aber auch Kultursträucher wie Heidelbeeren. Im Garten gut zu kultivieren seien Himbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und Jostabeeren, – eine Kreuzung aus Johannisbeere und Stachelbeere. Allesamt seien sie „heimisches Superfood“.

„Ganz getreu dem Motto ‚Regional ist erste Wahl’ sollten wir unser heimisches Obst mehr schätzen“, sagt Dotzler. „Es wird geerntet, wenn es reif ist. Es hat kurze Lieferwege, ist frisch verfügbar und enthält daher mehr Vitamine als Obst, das schon eine halbe Weltreise hinter sich hat.“ Sie selbst bevorzuge Bio-Ware, „am liebsten aus meinem eigenen Garten oder auf Spaziergängen gesammelte Beeren und Früchte, da hier die Belastung mit Rückständen wohl am geringsten ist“.

Wer das Maximale an gesundheitlichem Nutzen erhalten wolle, sollte sich die wild vorkommenden Obstsorten einmal genauer ansehen, rät die Biogärtnerin. Auf Feld und Flur findet man Felsenbirne, Kornelkirsche, Holunder, Schlehe, Eberesche, Mispel, Weißdorn, Hagebutte und Sanddorn. Bei den Beeren achten die Dotzlers auf Waldheidelbeeren, -brombeeren, -himbeeren und -erdbeeren. Sehr beliebt unter den „neuen Wilden“ seien Filzkirsche, Aronia (Apfelbeere), Elsbeere, weiße und schwarze Maulbeere und auch die Berberitze, sagt die Biogärtnerin. „Sie gedeihen seit langer Zeit in unserer Heimat sehr gut.“

Einkochen und einfrieren

Da heimisches Obst aber nur zu bestimmten Zeiten zur Verfügung stehe, liege das Einkochen und Fermentieren wieder sehr im Trend. So stehe vieles das ganze Jahr über zur Verfügung. Auch Einfrieren sei eine Möglichkeit. Sogenannte Superfoods aus fernen Ländern würden oft unreif geerntet und auf den langen Transportwegen nachreifen, sagt Dotzler. Die meisten Inhaltsstoffe – gerade Vitamine – würden die Früchte aber durch die Ausreifung am Strauch durch die Sonne erhalten. „Im direkten Preisvergleich können die Wilden punkten“, sagt Dotzler. „Allesamt kostenlos!“

Alle „blauen“ Obstsorten enthalten nach ihren Worten als Inhaltsstoffe Anthocyane, Antioxidantien für das Wohlbefinden des Menschen. Gojibeeren und Acaibeeren aus Asien enthielten meist viele Pestizide. Dotzler zieht die heimischen Schwarzbeeren, „also unsere Heidelbeeren aus dem Wald“, den gezüchteten, amerikanischen Heidelbeeren vor. „Unsere Schwarz- oder Heidelbeere enthält viele Anthocyane, Vitamin C und das für das Immunsystem und die Knochen wichtige Vitamin K.“

Vitamin-C-Lieferanten seien Hagebutte und Sanddorn. Wildobst enthalte mehr Bitterstoffe, Ballaststoffe und Enzyme. Diese würden die Darmflora versorgen, die Leber entgiften und seien auch als Entzündungshemmer nützlich, so Dotzler. Äpfel würden das Immunsystem gegen Viren stärken. Sorten wie Klarapfel, Renetten, Goldparmäne, Kaiser Wilhelm oder der sehr lange haltbare Pilot (bis Juni des Folgejahres) sicherten die Versorgung über das gesamte Jahr, so die Naturgärtnerin.

Hofladen und Supermarkt

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung liegen im Trend: „Und was könnte nachhaltiger sein, als in den eigenen Garten zu gehen und sich mit Obst und Beeren zu versorgen.“ Dotzlers Rat: „Gehen Sie raus in die Natur und versorgen Sie sich mit Wildobst. Fragen Sie regionale Bauern oder schauen Sie nach Hofläden im Internet. Fragen Sie im Verbrauchermarkt immer wieder nach regionaler Ware. Hier ist auch der Trend zu erkennen, Anbietern vor Ort eine Vermarktungsplattform zu bieten.“

Die Biogärtnerin bietet regelmäßig Vorträge über die Verarbeitung von Wildobst an. Viele Früchte benötigen zur Reife den ersten Frost. Dann sind sie erntereif und bereit, um daraus für den Winter leckere, gesunde Vorräte anzulegen.

 
 

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