Freudenberg
11.03.2022 - 09:09 Uhr

Neue Freudenberger Kläranlage fast fertig

Das Klärwerk der Gemeinde Freudenberg hat schon 35 Jahre auf dem Buckel. Zeit, dass die Anlage auf Vordermann gebracht wird.

Als die Freudenberger Kläranlage bei Geiselhof im Jahr 1986 in Betrieb genommen wurde, war das Thema Umweltschutz noch recht neu. Die Gemeinde war damals ziemlich stolz auf diese Einrichtung. Mit einer Skulptur, die den Umweltengel zeigte, setzte sie dem Umweltschutzgedanken sogar ein Denkmal. Mehr als 30 Jahre lang sollte die Anlage zuverlässig ihren Dienst tun.

Doch dann herrschte Sanierungsbedarf. "Nachdem im Jahr 2016 auch die Dörfer des Oberlands an das Kanalnetz angeschlossen wurden und somit keine weiteren Ortschaften mehr hinzukommen, begannen die Überlegungen für eine Erneuerung", blickt Bürgermeister Alwin Märkl zurück. Die Arbeiten starteten im April 2020 und sind mittlerweile kurz vor dem Abschluss.

Das neue Rechengebäude ist fertig. Hier werden aus dem Abwasser Grob- und Schmutzstoffe entfernt. Auch ein Sandwäscher ist dabei. "Den hier anfallenden Sand können wir im Bauhof als Baumaterial wiederverwenden", erklärt Technischer Angestellter Andreas Bodensteiner. Aus dem Abwasser wird anschließend gezielt der für Fische giftige Ammonium-Stickstoff entfernt. "Das geschieht im Belebungsbecken", sagt Bodensteiner. Im Zuge der Sanierung wurde ein zweites Becken mit einem Fassungsvermögen von 900 Kubikmetern gebaut.

Auch Phosphat muss aus dem Abwasser entnommen werden. Hierzu dient eine neue chemische Fällmittel-Station. Dem Abwasser wird dabei Eisenchloridsulfat zugesetzt, damit sich das Phosphat löst und absetzt. Auch hier geht es letztendlich um die Rückgewinnung von Rohstoffen: Der Gesetzgeber will, dass das auf diese Weise gesammelte Phosphat wiederverwendet wird. Pro Jahr fallen in der Freudenberger Kläranlage rund 2000 Kubikmeter an Klärschlamm an. Sie werden vor Ort gepresst und danach zur Trocknungsanlage Aichaberg nach Hohenburg transportiert. "Der getrocknete Schlamm wird momentan als zusätzlicher Energieträger in der Zementindustrie mit verbrannt", erläutert Bodensteiner.

Energetisch ist das Klärwerk jetzt auf dem neuesten Stand. Auf den Dächern wurde eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 36 Kilowatt/Peak installiert. Sie deckt rund 30 Prozent des Strombedarfs ab. Das Betriebsgebäude ist mit einem Vollwärmeschutz verkleidet worden. Als "technisches Highlight" bezeichnet Bodensteiner die Heizung. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe entzieht Wärme aus dem Belebungsbecken. "Die Funktion ähnelt einem Kühlschrank, nur in umgekehrter Arbeitsweise."

Insgesamt sind für die Sanierung der Kläranlage rund 4,5 Millionen Euro an Kosten angefallen. "Wir bekommen hier eine Förderung von 250 Euro pro angeschlossenem Einwohner", erklärt Bürgermeister Märkl. "Das heißt: Im Vergleich zu den Baukosten ist die Förderung relativ niedrig." Sowohl bei der Wasserversorgung als auch bei der Abwasserbeseitigung müssen die entstehenden Kosten von den angeschlossenen Bürgern getragen werden. Deswegen wird die Gemeinde Beiträge erheben und wenn nötig auch Gebühren erhöhen.

"Der getrocknete Schlamm wird momentan als zusätzlicher Energieträger in der Zementindustrie mit verbrannt."

Andreas Bodensteiner, Technischer Angestellter der Gemeinde Freudenberg

 
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