20.07.2020 - 11:03 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Windkraft im Raum Amberg-Sulzbach: Drehen am großen Rad

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Die beiden Bürgerwindräder in der Gemeinde Freudenberg laufen richtig gut. Der wind bläst stärker als gedacht, die Schulden sind abbezahlt, die Erträge stimmen. Für die Zukunft gibt es neue Perspektiven.

Seit nunmehr achteinhalb Jahren sind die beiden Bürgerwindräder in Witzlricht in Betrieb. Bisher haben die Kraftwerke ihr Soll übererfüllt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Den 207 Anteilseignern der Freudenberger Bürgerwind-Gesellschaft steht eine Überweisung bevor. Sie dürfen sich über die Ausschüttung eines der besten Windjahre seit Bestehen freuen. "2019 war ein sehr gutes Jahr für uns", bilanziert Geschäftsführer Andreas Wilczek. Die 2010 gegründete Gesellschaft kennt eigentlich nur gute Jahre. In allen bisherigen Jahresbilanzen waren die Erträge höher als ursprünglich prognostiziert. Was dazu geführt hat, dass die beiden sieben Millionen Euro teuren Enercon-Anlagen mittlerweile abbezahlt sind und die Gesellschaft schuldenfrei ist.

2009 wurde die Gesellschaft im Einvernehmen mit Anwohnern, der Gemeinde und einer starken regionalen Beteiligung gegründet. Zwei Jahre später gingen die beiden Kolosse mit einer Nabenhöhe von 138 Metern ans Netz. Die Stromvergütung ist über das Erneuerbare-Energien-Gesetz für 20 Jahre gesichert, so dass hier schon bald die Halbzeit erreicht ist. Die östlich von Freudenberg gelegenen Berghöhen scheinen mit zu den besten Windkraft-Standorten Bayerns zu gehören. Bei der Frage, ob sich Windräder rentieren, sei die Standortwahl entscheidend, erklärt Wilczek. "Unsere beiden Anlagen stehen auf einer Höhe von über 630 Metern über dem Meeresspiegel. Der Wind kann die Anlagen ungehindert anströmen", sagt er und unterstreicht, dass sich jeder Höhenmeter zusätzlich in der Bilanz bemerkbar mache.

Bis zum Jahr 2032 profitiert die Bürgerwind-Gesellschaft von der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung. Aber was passiert danach? Wilczek skizziert mehrere Szenarien. Wenn die Standfestigkeit der Türme weiter gewährleistet und die Rotorblätter sowie Generatoren nach wie vor funktionieren, könnten die Anlagen weiterbetrieben werden. Der produzierte Strom werde dann zu den geltenden Marktpreisen ins Netz eingespeist. Es könnte sich aber auch herausstellen, dass die Anlagen repariert werden müssen. Dann stelle sich die Frage, ob nicht auch ein Neuaufbau mit deutlich verbesserter Technik infrage komme. Auch ein vollständiger Rückbau der Windräder sei eine Option, für diesen Fall hat die Bürgerwind-Gesellschaft bereits extra eine Rücklage gebildet. Derzeit sieht es aber nicht nach Abriss aus. Die Anlagen seien in einem einwandfreien technischen Zustand, erklärt Wilczek. Auch das Windjahr 2020 habe sich sehr gut angelassen. "Der Februar war der beste Wind-Monat der vergangenen Jahre."

Es gibt neue Entwicklungen. "Die Zeit ist nicht stehengeblieben. Die technische Entwicklung ist in den vergangenen zehn Jahren gut vorangeschritten", erklärt Wilczek. Mit einer einzigen neuen Anlage könne man im Vergleich zu den bestehenden Windrädern mittlerweile das drei- bis vierfache an Windstrom erzeugen. Hier sieht der Windkraft-Pionier eine Perspektive für die Bürgerwind-Gesellschaft. "Wir haben einen weiteren Standort im Auge, der gerade untersucht wird. Das wäre dann ein drittes Bürgerwindrad unter Bürgerbeteiligung. Dazu laufen Gespräche mit der Kommune und man wird sehen, inwieweit das für alle Beteiligten tragfähig wird. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang."

Für Wilczek und seine Mitstreiter ist die Sache klar. "Wenn man die Energiewende wirklich ernst nimmt, dann führt an der Windenergie kein Weg vorbei." Sonst drohe Bayern mittel- bis langfristig eine Stromlücke. "Dieses Potenzial Wind in Bayern nicht zu nutzen, das wäre grob fahrlässig." Deswegen sei es höchste Zeit, sich von der 10-H-Regelung (Abstand zur Wohnbebauung: zehnfache Höhe) zu verabschieden. Wilczek räumt auch mit einem Mythos auf, der immer wieder verbreitet ist: Kein einziges Mal seit Inbetriebnahme ist eines der beiden wegen Überlastung des Stromnetzes stillgestanden. "Wenn Windräder stillstehen, dann meistens wegen Flaute." Oft seien auch Wartungsarbeiten die Ursache - aber nicht die angebliche Überlastung des Netzes. Und auf noch ein wichtiges Detail weist Wilczek hin: Seit 2012 hat die Bürgerwind-Gesellschaft etwa eine Viertel Million Euro an Gewerbesteuer bezahlt: "Tendenz steigend." Geld, das der Gemeinde zugute kommt.

Andreas Wilczek ist einer der beiden Geschäftsführer der Freudenberger Bürgerwind-Gesellschaft

In der Kritik steht die Energiepolitik der bayerischen Staatsregierung

Witzlricht bei Freudenberg
Info:

Bürgerwind in Freudenberg

Zwei Anlagen Enercon E82

Nabenhöhe: 138 Meter

Nennleistung: je 2.300 Kilowatt

Inbetriebnahme: Dezember 2011

207 Gesellschafter mit 786 Anteilen zu je 5000 Euro

Gestehungskosten für Strom: 10 Cent pro Kilowattstunde. Damit sind alle Baukosten, Unterhalt, Gewinn und der Rückbau abgedeckt.

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