20.05.2020 - 10:00 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Auf Pirsch mit der Kamera

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Siegfried Steinkohl ist ein leidenschaftlicher Naturfotograf. Seine Aufnahmen bestechen durch ihre Brillanz. Damit das auch Anfängern gelingt, ist nicht nur ein gutes Auge notwendig, sondern auch eine gute Ausrüstung für den Start.

von Ulla Britta BaumerProfil

Beim Fotografieren ist eine gute Ausrüstung das A und O schlechthin. Und damit beginnt auch der Ausflug in die aufregende Welt der Pirsch mit der Technik. Siegfried Steinkohls Highlights sind die Reisefotografien. Und wer reist nicht gern? Der Allgemeinmediziner a. D. hat Fotos von exotischen Ländern wie Venezuela, Ecuador, Kuba, Jemen, Pakistan, Island, Südafrika und den Alpen mitgebracht. Damit verbunden ist fraglos die Landschaftsfotografie, wie Berge, Wälder, naturbelassene Landschaften oder Moore. Auch hierzu gibt der 67-jährige Friedenfelser Tipps.

Sein Lieblingsgebiet, sagt er, sei die Natur- und Makrofotografie. "Hierbei bin ich oft stundenlang in der Natur unterwegs, um Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Amphibien, Pilze und Schleimpilze in allen möglichen Positionen und Lichtstimmungen zu verewigen", berichtet der Profi. Um ein echter Fotograf werden zu können, brauche es eine Kamera. "Damit meine ich nicht eine Digitalkompaktkamera." Mit der könne man höchstens knipsen.

Wer sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigen will, muss seinen Anspruch höher setzen, sagt Steinkohl und schlägt erschwingliche Möglichkeiten vor: Im unteren Preissegment (etwa 300 Euro) befinden sich die sogenannten Bridge-Kameras. Hier ist das Objektiv fest mit der Kamera verbunden. "Die Kameras haben meist einen großen Zoombereich. Hiermit kann ich schon recht viel anfangen", sagt Steinkohl.

Wer sich für eine Systemkamera entscheide, die preislich von 400 bis mehreren 1000 Euro liegen, könne seine Ausrüstung immer weiter ausbauen mit verschiedenen Objektiven (Super-Weitwinkel bis großem Super-Tele). Nach Steinkohls Erfahrungen werden die teuren Systemkameras auch immer häufiger im Profibereich verwendet.

Der Goldstandard der Fotografie sei aber immer noch die Spiegelreflexkamera. Hier lägen die Preise ebenfalls zwischen 400 und mehreren 1000 Euro. Das sollte niemand abschrecken. Steinkohl beteuert, dass man sich eine gute Ausrüstung mit Kamera, Allround-Objektiv, Makroobjektiv, Blitz und Stativ für unter 1500 Euro zusammenstellen lassen könne. "Die Sensorgröße und die Pixelzahl, die sich natürlich im Preis niederschlagen, sind für Einsteiger noch nicht so wichtig."

Einen PC für die Bildbearbeitung habe nahezu jeder. Bildbearbeitungsprogramme müsse man nicht einmal kaufen. Man könne sich diese probeweise herunterladen. Wer kaufen will: "Neben den bekanntesten und nicht gerade billigen, wie ,Photoshop' und ,Lightroom', gibt es viele preiswerte Programme, die sehr viel bieten." Auch ein Fotodrucker sei nicht unbedingt erforderlich, außer man wolle experimentieren. Drogeriemärkte lieferten Bilder in sehr guter Qualität und zu einem niedrigen Preis.

Wer sich mit der Fotografie etwas intensiver beschäftigen will und natürlich schöne Bilder machen will, der wird um ein bisschen Theorie nicht herumkommen. "Was nützt eine teure Kamera, wenn ich nicht weiß, was ich alles mit ihr machen kann", erklärt Steinkohl lachend. Er schlägt Bücher vor und Fotozeitschriften, wo oftmals sogar ein bestimmtes Thema ausführlich behandelt werde mit vielen Ratschlägen und Beschreibung der Fehler. Auch könne man einen VHS-Kurs machen oder einen Internet-Kurs suchen. 

Wie geht es weiter? "Um gute Bilder zu machen, sollte ich etwas über Blende, Zeit, Motiv-Gestaltung, Lichteinsatz und Goldenen Schnitt wissen", sagt Steinkohl. Wie gestalte ich den Vorder- oder Hintergrund, zu welcher Uhrzeit bekomme ich die schönste Lichtstimmung? Das sind nur Beispiele. "Bilder in der Mittagssonne wirken oft flau, während Morgen- oder Abendlicht einen ganz besonderen Reiz hat." Für ganz wichtig hält Steinkohl das Betrachten von Beispielen anderen Fotografen als Anregung für Motive und die Motiv-Gestaltung. Auch hier gebe es Literatur wie Themenbuchbände über Architektur-, Wald-, Hochzeit-, Länder- und Tierfotografie.

Mit Abstand das Wichtigste für den Laien: "Learning by doing", als fotografieren, fotografieren und fotografieren. "Am einfachsten sind statische Motive, Landschaft, Bäume, Blumen", rät Steinkohl. Bewegte Motive wie Menschen, Tiere und Sport würden Erfahrung brauchen. Der "Goldene Schnitt" hilft, die Bildgestaltung so zu optimieren, dass man ein harmonisches Bild erhält. So erfordere zum Beispiel die Tierfotografie viel Geduld und Erfahrung. "Manchmal sitze ich eine halbe Stunde, bis der Frosch wieder auftaucht. Und ich bin bereits einige Stunden im Tarnzelt gesessen, um einen Vogel zu erwischen. Oder auch nicht", erzählt der Profi aus seiner Arbeit. Damit dabei die Kräfte nicht sinken, rät er, immer ein Stativ mitzubringen.  

Vita:

Siegfried Steinkohl

Siegfried Steinkohl ist 67 Jahre alt und ein sehr naturverbundener Mensch. Geboren im Steinwald hatte er von Kindesbeinen an die beste Gelegenheit, der Natur zu frönen. Die Leidenschaft zum Rumkraxeln und Kriechen, sowie Sammeln von Steinen, Schmetterlingen und Käfern hat er sich über seine Kindheit hinweg bis heute erhalten.

Nun sammelt er mit der Kamera. Mit dem Fotografieren begann er im Alter von 16 Jahren und einer Praktika-Spiegelreflexkamera. Nach 31 Jahren als Landarzt in Friedenfels hat er jetzt Zeit, sein Hobby intensiv auszuüben. Siegfried Steinkohl ist stundenlang im Wald unterwegs, kriecht auf allen Vieren auf dem Waldboden umher, um winzige Schleimpilze zu suchen, sitzt im Tarnzelt und wartet – oftmals auch umsonst – auf interessante Vögel. Die Geduld, sagt er, werde aber oft mit bezaubernden Motiven belohnt. (ubb)

Tipps & Co.:

Equipment-Beispiele für Anfänger

Nikon Z6-Systemkamera, Nikon D 700 und die D750-Spiegelreflexkameras.

Objektive dazu: Nikkor S 24-70mm/4, Nikkor AF 24-120mm/4, Nikkor 16-35mm/4, Nikkor Mikro 105mm/2.8, Nikkor 70-200mm/2,8, Sigma 150-600mm Supertele, LAOWA 25mm/2,8 Ultra Makro.

Der Blitz: Nikon Speedlight SB800 oder Nikon Makroblitz-Set.

Zutaten: Fernauslöser, diverse Filter und ein Stativ.

Hintergrund:

Der Goldene Schnitt

Seit der Antike ist der Goldene Schnitt bekannt. Er findet sich in Kunst und Architektur, aber auch im menschlichen Körper und der Natur. Vom Betrachter wird er als besonders harmonisch und ausgewogen empfunden, er macht aber Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Bauwerke auch spannend. Vereinfacht gesagt, bezeichnet der Goldene Schnitt ein bestimmtes Teilungsverhältnis zweier Größen zueinander. (dt)

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