21.01.2021 - 11:37 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Fuchsmühler Theaterfreunde im Dornröschenschlaf

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Die Jugendheim-Bühne gleicht derzeit einer Mischung aus Palmeninsel und Lost Place. Geschaffen wurde die verwaiste Bühnendekoration von den Handwerkern der Laienspielgruppe Fuchsmühl. Wann sich der Vorhang wieder heben darf, weiß niemand.

LSG-Spielleiter Wolfgang Lang (rechts) deutet auf die Palmen, die man für „Claus und der Klabauter“ eigens gebaut hatte. Wie Lang beklagt auch Vorsitzender Alexander Derwart (links) die durch die Corona-Pandemie entstandene Situation beim Theaterverein.
von Werner RoblProfil

Seit der Vereinsgründung im Jahr 1960 hat der Traditionsverein solch eine Situation noch nicht erlebt. Seit Monaten wirkt die Fuchsmühler Laienspielgruppe (LSG) wie gelähmt. Alles, auch die bevorstehende Veranstaltung zum 60. Vereinsjubiläum, liegt wegen der Corona-Pandemie derzeit auf Eis. Seit Monaten wurde nicht mehr gearbeitet. Vorsorglich wurden nach der Uraufführung des Musicals „Claus und der Klabauter“ (am 1. März 2020) sämtliche Termine, aber auch die bereits anberaumten Frühjahrsproben, um die Erwachsenen für den Bühnenstart 2020 fit zu machen, wieder abgesagt. Voller Hoffnung blickte man auf den Herbst. Aber auch hier wurden die Theaterleute eines Besseren belehrt.

„Ich hoffe, nein ich weiß, dass sich jeder längst wieder nach Live-Aufführungen sehnt.“

Spielleiter Wolfgang Lang

Spielleiter Wolfgang Lang

Die noch vorhandene, aber ungenutzte Dekoration für „Claus und der Klabauter“ ist aber auch ein Zeichen der Hoffnung: Irgendwann wird es weiter gehen. Man werde nicht mutlos. „Wir geben nicht auf“, beleuchtet Wolfgang Lang die aktuelle Lage. Durchblicken lässt der Spielleiter und Regisseur, dass man eventuell – als Alternative - zwei Freiluftveranstaltungen anbieten könnte. Konkret meint er damit eine Art kurzweiliges Kammerspiel mit nur wenigen Darstellern beziehungsweise vor einem verkleinerten Publikum. „Ich hoffe, nein ich weiß, dass sich jeder längst wieder nach Live-Aufführungen sehnt.“

Man müsse aber je nach Lage abwartend und sorgfältig handeln, betont der Fuchsmühler und sagt: „Warten und hoffen wir auf eine geänderte Situation.“ Lang verrät auch seinen primären Wunsch: „Dass die Aktiven an Bord bleiben.“ Der Motor der Aktiven sagt das nicht ohne Grund: „Leider sehe ich die Gefahr einer Distanzierung, falls weiterhin der Spielbetrieb und das Vereinsleben auf der Strecke bleiben.“

Einige Stücke „im Ärmel“

Was den Verantwortlichen persönlich bei Laune hält, ist das Pläneschmieden für die kommenden Monate. Aber kann all das, was er sich derzeit ausdenkt, zeitnah auch umgesetzt werden? Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien bleibt die Frage offen. Sollte man in den normalen "Alltag" wieder einsteigen können, will man das Kindertheater (eigentlich immer am Anfang des Jahres) diesmal auf den Herbst verlegen. Für den Fall, dass der Spielbetrieb wieder zur Normalität wird, hält Lang auch einige Stücke „im Ärmel“ bereit. „Die könnte ich bei Bedarf herausholen.“ Was aber nicht nur ihm, sondern allen Darstellern sehr am Herzen liegt, ist die Nähe zum Publikum. Erst vor wenigen Tagen äußerte sich dazu auch eine Frau aus dem Stammpublikum in den Sozialen Medien: „Ich freue mich jetzt schon, wenn in Fuchsmühl mal wieder Theater ist. Hoffentlich heuer noch.“ So wie der Frau aus der Nachbargemeinde Wiesau geht es wohl vielen.

Feuer und Flamme

Ausführlich beleuchtet auch der Vorsitzende der LSG, Alexander Derwart, den aktuellen Stand. Oft steht der Mann an der Vereinsspitze sogar selbst auf der Bühne. Vor rund einem Dreivierteljahr war es ihm ein Anliegen, der Uraufführung des Musicals „Claus und der Klabauter“ persönlich – in der Rolle des Piratenkapitäns – zu einem Publikumserfolg zu verhelfen. Er und auch alle anderen Mitwirkenden freuten sich damals auf eine geplante Musical-Wiederholung zwei Wochen später am 15. März 2020. „Die Kinder waren Feuer und Flamme.“ Dann folgte die Absage. Derwart: „Es tat mir in der Seele weh.“ Bei der zweiten Aufführung wollte man, so Derwart wörtlich, „Jugendheim und Bühne in Stücke reißen“. Stattdessen folgte das zeitlich unbefristete Aus.

„Derzeit herrscht tote Hose.“ Derwart bedauert vor allem, dass die Kontakte zur aktiven Mannschaft, dazu zählt auch die Jugendgruppe „Theaterfüxe“, nahezu wegbrachen. „Nichts ist mehr los. Wir können uns nicht einmal mehr ordentlich austauschen“, klagt er und kommt dabei auch auf den derzeit nicht möglichen Treff „Bühnenbau-Stammtisch“ zu sprechen. Weiter führt Alexander Derwart an, dass auch keine Vorbereitungen und Proben für ein neues Frühjahrsstück stattfinden können.

Der Versuch im vergangenen Sommer, für einen Lichtblick unter den Theaterleuten zu sorgen, sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Für den damals vereinbarten und auch durchgeführten Vereinstreff der Aktiven hatte man ein Hygienekonzept ausgearbeitet und sich auf entsprechende Maßnahmen geeinigt. Das war im August, als solche Veranstaltungen noch möglich waren. „Unter strengen Sicherheitsauflagen wanderten wir ins Freie. Und weil das Wetter nicht mitspielte, saßen wir – mit Abstand - anschließend im Foyer der Fuchsmühler Mehrzweckhalle beieinander“, erinnert Derwart an das vorerst letzte gemütliche Miteinander.

Einnahmen fehlen

„Die Auflagen machten den Spielbetrieb unrentabel.“ Als Hauptgrund für die Absagen im Frühjahr (noch vor dem Lockdown) nennt Derwart die Sorgfaltspflicht, um die Ansteckungsgefahr zu bannen. „Daher gingen wir, auch wenn es weh tat, auf Abstand.“ Leicht sei das nicht, spannt Alexander Derwart einen Bogen zur Jahresbilanz 2020 der Vereinskasse. Bis auf die Teilerlöse im März fehlen die kompletten Einnahmen aus den Frühjahrs- und Herbsttheatern. Ferner musste man das Nikolaus-Gehen absagen. Alternativ stellte man eine adventliche Videobotschaft ins Netz. „Wie es im Frühjahr weitergeht, steht in den Sternen“, macht sich Alexander Derwart Sorgen und meint: „Ich denke nicht, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern wird.“

Dennoch stünden Planungen an. Man dürfe ja nicht tatenlos sein, wirft der Vorsitzende an anderer Stelle einen verhaltenen Blick auf die kommenden Monate. „Wie soll man aber planen, wenn man keinen Plan hat?“ Vieles könne man wegstecken, schiebt Derwart nach und kommt dabei auf ein Thema zu sprechen, das ihm sehr nahe geht. „Leider“, so der Vorsitzende, „beklagte die LSG auch sehr schmerzhafte Verluste." Derwart bedauert: „Wegen Corona mussten wir uns von langjährigen und beliebten Mitgliedern – und das für immer - verabschieden.“ Der Vorsitzende belässt es bei diesen Worten. Man kann deutlich spüren, dass er über dieses Thema nicht weiter sprechen möchte. „Ich kann nur hoffen, dass bald alles besser wird. Ich wünsche allen Gesundheit und eine gute Zeit. Vereinsleben hin, Vereinsleben her." Gesundheit sei durch nichts zu ersetzen, fasst der Vorsitzende zusammen.

Hier der Bericht zur Aufführung von "Claus und der Klabauter"

Fuchsmühl
Bei der Uraufführung des Musicals „Claus und der Klabauter“ schlüpfte Vorsitzender Alexander Derwart in die Rolle des Piratenkapitäns. Wenige Tage danach wurde es auf der Bühne für unbestimmte Zeit still.
Die Bühnendekoration für das bereits einmal gezeigte Musical bleibt vorerst stehen. In den Reihen der LSG hofft man auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs.
Vorsitzender Alexander Derwart, hier bei der Jahreshauptversammlung 2020, verweist auf die Sorgfaltspflicht. „Um die Ansteckungsgefahr zu bannen, haben wir den Theaterbetrieb im Frühjahr sofort eingestellt.“

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