07.09.2020 - 11:13 Uhr
Garsdorf bei UrsensollenOberpfalz

Waldverein gewährt Einblicke in Natur und Geschichte

Einen interessanten und informativen Nachmittag erlebten Mitglieder und Gäste des OWV (Oberpfälzer Waldverein, Zweigverein Amberg) vor kurzem im Hirschwald. Dabei gab es auch einige Überraschungen.

Ein Höhepunkt der Wanderung war die Besichtigung des circa 30 Gräber umfassenden Grabhügelfeldes im Salleröder Tal. Links Wanderführer Josef Schmaußer mit Anna Gottschalk (Zweite von rechts), sie hatte die Tour organisiert.
von Josef SchmaußerProfil

Start für eine landeskundliche Wanderung des Oberpfälzer Waldvereins war am Rande des Hirschwaldes in Garsdorf. Organisiert wurde die abwechslungsreiche Tour von Anna Gottschalk. Josef Schmaußer, Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, führte die Gruppe.

Schon im Jahre 1310 wird Garsdorf im „Amberger Waldbahn“ erwähnt, den Herzog Ludwig IV. zur Sicherung des großen Holzbedarfs im Bergbau gewährte. Die Lage an der uralten Hohen Straße könnte die Gründung des „Dorfes eines Gozi“ veranlasst haben. Ab 1710 waren die Amberger Jesuiten nach den Zennefelsern aus Wolfsbach Besitzer der Hofmark Garsdorf. Sie ließen die heutige Filialkirche St. Franz Xaver errichten. Besonders bemerkenswert ist ein doppelseitiges Votivbild, das an eine im Jahre 1796 in der Gegend grassierende Rinderseuche erinnert. Für den Volkskundler sind besonders die verschiedenen Trachten und der Hinweis auf die damals noch praktizierte Waldweide bemerkenswert. Heimatpfleger Schmaußer konnte auf dem Urkataster von 1835 Hopfenanbau nachweisen.

Steinbeil aus der Jungsteinzeit

Großes Interesse erweckte ein vor zehn Jahren am Ortsrand gefundenes Steinbeil, das Fachleute im Spätneolithikum, ein von 3500 bis 2800 dauernden Zeitabschnitt der Jungsteinzeit, ansiedeln. Das „Hoanz’n-Marterl“ südlich von Sauheim erinnert an den tragischen Unfalltod eines 28-jährigen Bauernsohnes aus dem Ort. Am 18. November 1935 war der junge Mann von einem Leiterwagen mit einer Rechenstreuladung erdrückt worden. Das von Nachbarn errichtete Marterl hat als Ausdruck persönlicher Religiosität ein menschliches Schicksal über Jahrzehnte in Erinnerung gehalten, hat seither Vorübergehende zum Gebet für den Verunglückten aufgefordert.

Ein Höhepunkt der Wanderung war die Besichtigung des Grabhügelfeldes im Salleröder Tal. Der Heimatforscher Anton Dollacker zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 30 Hügel, von denen leider einige schon vor Jahren durch Raubgräber beschädigt wurden, erzählte Schmaußer. Die Gräber dürften aus der Hallstattzeit (rund 750 Jahre v. Chr.) stammen und sind auch heute noch ein beeindruckendes Beispiel für den Bestattungsritus der Kelten.

Anschließend machte sich die Gruppe auf den Weg zur „Öde Burgersdorf“. Zwei Höfe und eine „Waldhube“, ein Zeidlergut zur Honig- und Wachsgewinnung, sind ab 1308 urkundlich nachweisbar. 1546 war das Kloster Ensdorf Grundherr eines der Höhe. Damals dürfte auch im Tal der „Sallerach“ („Salweiden am Wasser“) der „Purgersdorfer Weiher“ angelegt worden sein, dessen Spuren noch heute am Damm der AS 2 nach Mendorferbuch sichtbar sind.

Geschichtliche Info-Tafeln

Die Gemeinde Ursensollen versucht seit einigen Jahren geschichtliche und kulturhistorische Besonderheiten durch Info-Tafeln noch besser im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, hieß es bei der Wanderung. Seit Mai dieses Jahres erinnert im Waldgebiet Sackelberg eine Tafel an den Flugzeugabsturz vom 9. April 1945.

Der Weg führte nun hinunter ins romantische Salleröder Tal und hinauf nach Hirschwald. Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz ließ im 16. Jahrhundert den Ort in das kurfürstliche Jagdschloss Hirschwald umwandeln. Ein Mauerring und ein Graben schützten das herrschaftliche Anwesen. Prominentester Gast war sicherlich Kaiser Karl V. (1500 bis 1558), der am 26. Februar 1532 auf dem Weg von Neumarkt zum Reichstag nach Regensburg in Hirschwald übernachtete. Vier Steine beim Torhaus erinnern nun an den historischen Besuch vor 488 Jahren. Ein Besuch der Kirche St. Johannes Baptist, bereits 1456 erwähnt, schloss sich an. Jagdgeschichten aus dem Hirschwald bildeten den Abschluss der sehr gut angenommenen elf Kilometer langen Tour. Die Bauern am Rande des kurfürstlichen Jagdschlosses Hirschwald hatten „unter der hohen Blüte der Jagd im Hirschwald, aber auch unter den Quälereien durch das Übermaß an Wildbestand“ zu leiden. Den Bauern wurden Jagdfrohnen, Treiberdienste, Wildbretfuhren und die Verpflichtung, die vielen Jagdhunde zu füttern, auferlegt. „Der Jäger aus Kurpfalz“, Pfalzgraf Johann Casimir (gest. 1590) ließ über seine Jagden und Jagderfolge genau Buch führen. Doch nicht nur das künstlich hoch gehaltene Wildaufkommen, sondern auch immer wieder auftretende Wolfsplagen (z. B. 1720 und 1721) und wildernde Soldaten, zum Beispiel 1745 während des Österreichischen Erbfolgekrieges, veranlassten die Bauern der umliegenden Ortschaften zu zahlreichen Bittgesuchen nach Amberg oder gar nach München, auch auf ihre Belange mehr Rücksicht zu nehmen „und vor allen der Wildplage Herr zu werden“, so Schmaußer. Eine Einkehr im Waldhaus rundete den erlebnisreichen Nachmittag ab.

Ein Unglück von ungeheurem Ausmaß

Schnaittenbach
Die Besitzerfamilie Birgit Rieger und Willi Schmid, die zurzeit das historische Torhaus renovieren lässt, erinnert mit vier Steinen beim Torhaus an den sicherlich prominentesten Gast in Hirschwald: Kaiser Karl V. (1500 bis 1558), der am 26. Februar 1532 auf dem Weg von Neumarkt zum Reichstag nach Regensburg in Hirschwald übernachtete.
Das Hoanz'n-Marterl.
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