16.01.2020 - 10:37 Uhr
Oberpfalz

Die Giraffensprache lernen

Oft sind Vorwürfe, Anklagen und Kritik Teil unserer Konversation. Lernen Sie eine neue Art der Gesprächsführung. Urteilen Sie nicht, rät die OWZ-Glücksexpertin. Lernen Sie, auf Gefühle zu achten, Bedürfnisse zu benennen und Bitten zu formulieren.

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation wird auch als „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ bezeichnet. Denn die Giraffe ist nicht nur das Tier mit dem größten Herzen, sondern auch mit dem längsten Hals. Und mit diesem lässt sich eine Situation wunderbar überblicken.
von Autor EWAProfil

"Du hast schon wieder die Milch nicht in den Kühlschrank gestellt." "Nie fragst du mal, wie es mir eigentlich geht." "Du verstehst einfach gar nichts." "Wie immer." "Du bist so dumm." Oft sind Vorwürfe, Anklagen und Kritik Teil unserer Gespräche. Wir greifen unser Gegenüber an und wundern uns dann auch noch, warum dieses nicht so reagiert, wie wir das gerne hätten. Der Streit ist vorprogrammiert, es kommt zu noch mehr verletzenden Worten, die Situation eskaliert. Wir sind traurig wütend, enttäuscht. Glücklich macht uns ein solches Gespräch sicherlich nicht.

"Willst du immer Recht haben oder glücklich sein?", sagte einmal Marshall B. Rosenberg. "Beides geht nicht." Rosenberg war ein bekannter Psychologe und Mediator und entwickelte das Konzept der gewaltfreien Kommunikation (GFK). Seine Ziele: die Auflösung unserer alten Muster von Verteidigung, Rückzug und Angriff, die Förderung der Wertschätzung und Aufmerksamkeit, die Entdeckung des Potenzials unseres Einfühlungsvermögens durch die Klärung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis - statt Diagnose und Verurteilungen.

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation wird auch gerne als "Sprache des Herzens" oder "Giraffensprache" bezeichnet. Denn die Giraffe ist nicht nur das Tier mit dem größten Herzen, sondern auch mit dem längsten Hals. Und mit diesem lässt sich eine Situation wunderbar überblicken und diese mit dem nötigen Abstand anschauen. Da sind wir auch schon beim ersten Schritt der Giraffensprache: Beobachten, nicht urteilen. Die weiteren Schritte sind: Gefühle erspüren, Bedürfnisse benennen, eine Bitte formulieren. "Bei einem Streit ist auf beiden Seiten der Wunsch gleich groß, ernst genommen zu werden", so Rosenberg. "Wenn wir wirklich gehört werden mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen, dann ändern wir uns." Anstatt also wie ein Wolf zu reagieren und die Krallen und Zähne einzusetzen, was bei unserem Gegenüber nur zu Angst oder Verteidigung führt, sollten wir es also lieber der Giraffe gleichtun. Diese hört empathisch zu, statt sofort über den anderen zu urteilen, ihn zu belohnen oder zu bestrafen. Sie macht klar, dass sie den anderen wertschätzt. Es gilt: Kooperation statt Konfrontation.

Statt das nächste Mal zum Beispiel Ihren Partner so anzuschnauzen: "Wie immer hängst du faul vor dem Fernseher rum und ich muss wieder alles alleine machen!", sollten Sie das nächste Mal besser sagen: "Es ist noch so viel zu tun. Es frustriert mich, die ganze unerledigte Arbeit zu sehen. Ich brauche deine Hilfe, weil ich das nicht alles alleine schaffe. Könnten wir die Arbeit bitte aufteilen?" Sie werden schnell merken, dass Sie mit Giraffensprache viel besser kommunizieren können. Sicher will diese auch erst einmal gelernt werden, doch es lohnt sich. Oder um es noch einmal mit ihrem Erfinder zu sagen: "Denn Worte können Fenster sein oder Mauern."

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