19.07.2019 - 16:46 Uhr
GleiritschOberpfalz

Mit Gänsehaut und Weltrekord zurück

Ramona Häßler ist noch Tage nach ihrem Auftritt mit der größten Rockband der Welt geflasht. Die E-Bassistin aus Gleiritsch war eine von 1002 Musikern beim "Rockin'1000" in der Frankfurter Commerzbank-Arena.

Bassistin Ramona Häßler aus Gleiritsch (Mitte) war Teil der Weltrekord-Band. Die 1002 Musiker aus vielen Nationen rockten die Frankfurter Commerzbank-Arena.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Leute, lebt euren Traum!", appelliert Ramona Häßler an Freunde und Bekannte. Und die 35-Jährige ergänzt: "Es war das Erlebnis meines Lebens." Die Gesundheits- und Krankenpflegerin hat ihren ersten Arbeitstag hinter sich, doch beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien sind die Eindrücke von den fünf Tagen in Frankfurt am Main noch nicht verarbeitet: "Das Feeling vom Stadion ist bei jedem Gedanken daran wieder da. Und es macht sich Gänsehaut breit." Beim Projekt "Ein Stadion - 18 Songs - 1000 Musiker - Ein Konzert" hat sie viele tolle Leute kennengelernt und ins Herz geschlossen. "Es war wirklich schwer zurück in den Alltag aus diesem wunderschönen Traum zu gehen."

Mit Verstärker und Bass

Ramona Häßler spielt seit vier Jahren E-Bass und hatte sich für das Festival "Rockin'1000" als Musikerin beworben (siehe Artikel vom 29./30. Juni). Mit Gitarre, Amp (Verstärker), den Noten und einem Koffer mit Klamotten fuhr sie alleine mit dem Auto nach Frankfurt. "Ich platzte fast vor Aufregung auf die große Stadt", sagt Ramona. Schon am späten Nachmittag stand das "Check in" der Musiker an, wobei sich schon Menschentrauben vor der Commerzbank-Arena gebildet hatten. Doch durch Kontakte in sozialen Medien waren sich nicht mehr alle fremd. Jeder bekam ein kleines Willkommens-Geschenk und sein Armband, das freien Zugang gewährleistete. Die Musiker im Alter von 8 bis 60 Jahren kamen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien, den Vereinigten Staaten, Marokko, Russland, Mexiko, Japan, Kolumbien und dem Libanon.

Am nächsten Tag musste jeder sein komplettes Equipment ins "Outfield" bringen. Denn das Stadion war am Freitagabend durch die Band "Freiwild" besetzt. Als alle Bassisten ihren Platz eingenommen hatten, stellte sich der Dirigent, Echo-Preisträger Wolf Kerschek vor. Ramona erhielt ein Headphone, um ihn und die Klick-Tracks (Metronom für Einsätze) auf dem Ohr zu haben.

Die erste gemeinsame Probe begann. "Das Gefühl hat alle Erwartungen übertroffen", erzählt sie mit leuchtenden Augen. Der Boden vibrierte und man habe den Druck der Amps im Rücken gespürt. "Gänsehaut pur!" Anschließend probten Schlagzeuger und Gitarristen: "Man konnte nicht anders, als sich davor zu setzen und zuzuhören, weil man so von seinen Gefühlen überwältigt war." Am Abend erlebte die Gleiritscher Rock-Lady bei der Gesamtprobe mit 18 Klassikern der Rockgeschichte, von Deep Purple und Queen bis Nirvana den zweiten "Wow-Effekt". Und auch beim Flashmob vor dem Frankfurter Rathaus war Ramona dabei.

Der Samstag war dann der Tag des Transfers: "Das Stadion als Bühne. Wir waren total geflashed". Jeder Musiker hatte ein Quadrat für sich um seine Ausrüstung zu positionieren. "Man kam sich vor wie in einer anderen Welt. Diese Dimensionen und die steigende Anspannung." Ein Problem bei der Tontechnik ließ nur Zeit für die schwierigen Songs. Alles andere wurde bei der Generalprobe am Sonntagmorgen durchgespielt. Hier war dann Gänsehaut und Dauergrinsen angesagt. "Wir standen alle hochkonzentriert auf unserer Show-Bühne. Die Zeit verging so schnell, obwohl es dennoch zweieinhalb Stunden waren." Ab 17 Uhr kamen schon die ersten Besucher auf das Gelände. Nun hieß es warten. Ab 19 Uhr mussten sich Drummer, Bassisten, Gitarristen, Sänger, Keyboarder, Bläser und Streicher jeweils in ihrem Tunnel aufstellen. "Ich ging schon etwas eher ans Tor vier und starrte in die Menschenmenge. Da merkte ich, wie mein Herz langsam schneller schlug und das Adrenalin anfing, in den Körper zu steigen", berichtet Ramona Häßler. "Das war der Moment, in dem man komplett gedankenfrei ist."

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15 000 Zuschauer

Plötzlich hieß es "Headphones on" und die 1002 Musiker marschierten vorbei an der Laola-Welle von rund 15 000 Zuschauern. Vier Harleys fuhren ein und das erste Stück "Highway to Hell" donnerte die Ränge empor. Zwischen den Stücken trat "Urvater" Fabio Zaffagnini, der das Festival 2015 ins Leben gerufen hatte, ans Mikrofon und sprach davon, dass Musik verbindet, egal welcher Nation man angehört. "Uns Musikern wurde warm ums Herz und der Stolz wuchs und wuchs. Denn wir waren jetzt ein Teil dieses unbeschreiblichen Spektakels." Kurz vor Ende vermeldete Olaf Kuchenbecker vom Rekord-Institut für Deutschland, dass mit 1002 Musikern, die zusammen in einer Band spielen, der Weltrekord geknackt wurde. "Und ich bin ein Teil davon. Das kann man nicht in Worte fassen", sprudelt Ramona heraus.

Als Zugabe folgte ein Hendrix-Zeppelin-Medley. Das Publikum tobte und die Bass-Sektion fiel sich in die Arme. Es flossen Tränen und sofort machte sich Wehmut auf. "Schon vorbei? Wir hätten noch Stunden weiterspielen können." Ramona Häßler ist sich sicher: "Die Müdigkeit und Strapazen der fünf Tage haben sich in diesen Stunden ausgezahlt!" Sie verschweigt auch nicht den Kommentar ihres Mannes, der mit einigen Groupies zum Auftritt nach Frankfurt nachreiste: "Das war geil und scheiße laut! Überwältigend!"

Die rund 180 Bassisten (Ramona Häßler steht rechts vorne) probten zunächst im Außenfeld. Ins Stadion ging es erst zur Generalprobe und natürlich beim Auftritt vor 15 000 begeisterten Zuschauern.
Die Tage in Frankfurt waren ein Erlebnis inmitten einer großen Musikfamilie.
Ein Blick in die Commerzbank-Arena bei der Generalprobe der Bassisten.
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