21.04.2020 - 11:46 Uhr
GleiritschOberpfalz

Relikte eines vergessenen Berufs

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Verlassene Orte, sogenannte „Lost places“, in Gleiritsch und Umgebung erinnern an eine Zeit, als der Beruf des Steinhauers noch weit verbreitet war. Eine Spurensuche führt zu verlassenen Steinbrüchen und verfallenen Feldschmieden.

Auch diese offenbar vergessene Kipplore beim Ringbruch in Gleiritsch kündet von einem untergegangenen Kapitel Industriegeschichte. Moos überwuchert das Arbeitsgerät, fast scheint es, als wolle die Natur sich ihr Areal zurückholen.
von Alois KöpplProfil

„Viel Steine gab’s und wenig Brot“ lautet ein Satz aus einer Zeit, die noch gar nicht so lange her ist. Doch mittlerweile kennt ihn kaum einer noch, den Beruf des Steinhauers. Eine große Zahl von Familien aus der Oberpfalz, auch Steinpfalz genannt, lebte einst von dieser Tätigkeit oder verdiente sich damit ein Zubrot. Relikte aus dieser Zeit sind aufgelassene Steinbrüche in Fuchsberg, Zeinried, Lampenricht oder Gleiritsch.

In Lampenricht gab es den Koiser(Bayerl)- und den Drumerdnbruch (Prechtl), in Gleiritsch die Simmern(Zwack)-, Balier(Zeus)-, Ring- und Danhauserbrüche, die zum Gesteinsabbau genutzt wurden. Geliefert wurden Straßenschotter, handgeschlagene Pflastersteine, Zaunsäulen sowie Fenster- und Türeinfassungen. Aus dem Steinbruch bei Zeinried kamen Teile der Rollierung für den Bau der „Ostmarkstraße“, der heutigen B22.

Im Wald verstreute Haubänke mit kleineren oder größeren Vertiefungen belegen die Steinhauertätigkeit einzelner Personen. Bis in die 1950er Jahre erfolgte die harte Arbeit mit der Hand, die Belastung durch Steinstaub war groß. Die Hauer brachen die Steinblöcke aus der Wand, um sie anschließend weiter zu verarbeiten. Diese Tätigkeit war anstrengend und gefährlich. Das „Lesen“ der Gesteinsschichten erforderte viel Erfahrung. Der „Gang“ (Kluft) des Steines und das Setzen der Spaltkeile, die in der Spaltrichtung eingeschlagen werden mussten, war eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Arbeit.

Helfer, meist Landwirte aus der Umgebung, entfernten das Geröll und den Abraum. Die noch heute im Waldgebiet in der Trift bei Lampenricht aufgerichteten Steinmauern belegen diese Tätigkeit anschaulich. Nach Erzählungen des Gleiritscher Steinhauers Karl Liebl wurden auch in Handarbeit Löcher in Steine getrieben. Eine Person hielt das Bohreisen und drehte es, während ein Zweiter mit dem Hammer auf das Eisen schlug. In die so entstandenen Löcher kam Wasser und „Väterchen Frost“ tat das seine dazu, um die Steinblöcke zu lockern und abzusprengen. Später kamen Sprengmittel zum Einsatz. Der Gleiritscher Liebl besaß eine Sprengerlaubnis und nahm Auftragssprengungen vor, die Einsatzorte steuerte er mit seinem Motorrad an.

Der letzte in der Gemeinde Gleiritsch gebrochene Straßenschotter stammte aus dem Steinbruch, den Liebl von dem Nabburger Danhauser erworben hatte. Mit der Schotterung erfolgte der Ausbau der Straße von Bernhof zur B22 zu Beginn der 1960er Jahre. Jeder Haushalt musste für den Ausbau eine Person zum „Scharwerken“ abstellen.

Noch jahrzehntelang brachte ein damals so genannter „Arbeiterbus“ Lampenrichter und Gleiritscher Steinhauer zum Steinbruch nach Roggenstein bei Vohenstrauß, wo sie ihre schwere Arbeit verrichteten. Der Steinbruch ist inzwischen geschlossen. Alfred Prechtl aus Lampenricht (Drumerdn Alfred) setzte noch im Ruhestand lange seine Keile. Er fertigte Grenzsteine für die Gemeinde und er hat eine Reihe von Grabeinfassungen auf dem Gleiritscher Friedhof geschaffen. Heute erledigen Maschinen die schweren Arbeiten der Steinhauer.

Es lohnt sich aber auf alle Fälle, beim nächsten Spaziergang oder bei der Schwammerlsuche im Sommer die Augen aufzuhalten und etwas genauer hinzuschauen. In unserer Gegend gibt es noch viel zu entdecken. Hinter manchem „Erdloch“ verbirgt sich eine kleine Geschichte, die vom Überleben in damals schweren Zeiten berichtet.

Transport mit Pferdefuhrwerk:

Das gebrochene, handverladene Material aus dem Steinbruch konnte in Kipploren auf Schienen zur Weiterverarbeitung befördert werden. In Feldschmieden, bei den Steinbrüchen errichtet, wurden die Werkzeuge geschärft. Mit Pferdefuhrwerken transportierten Bauern die schwere Fracht zu den Bahnhöfen in Pfreimd oder Nabburg, wo die Gleiritscher Pflastersteine ihre Reise nach Regensburg, Nürnberg oder München antraten. Mit beginnender Motorisierung kam der erste Bulldog vom Kroabauer (Scheuerer) und der Lastwagen vom Koiser (Bayerl) zum Einsatz. Die Verladung der Pflastersteine erfolgte von Hand, die Kinder mussten dabei als Arbeitskräfte mithelfen. (akp)

Die besondere Faszination, die von "Lost Places" ausgeht, schildert dieser Bericht

Schwandorf
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