31.07.2020 - 13:52 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Deutsch-Amerikanisches Volksfest: Seit 1957 der Höhepunkt der Freundschaft

Das Deutsch-Amerikanische Volksfest muss 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Das Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr blickt stattdessen zurück auf die Geschichte des Festes.

von Externer BeitragProfil

Das Deutsch-Amerikanische Volksfest in Grafenwöhr ist das Aushängeschild der deutsch-amerikanischen Freundschaft in der Region. In der Rubrik „Grafenwöhrer G’schichterler“ im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr erinnern zahlreiche Fotos an die lange Historie.

Das Volksfest ist weit über die Grenzen von Grafenwöhr hinaus bekannt. Jährlich strömen am ersten Augustwochenende über 100.000 Besucher aus Nah und Fern zu diesem Ereignis und tauchen für kurze Zeit in die Mischung der bayerischen und amerikanischen Welt ein.

Einnahmen für soziale Zwecke

Nur einmal ist das Volksfest bisher ausgefallen: 2013 – wegen der angespannten Haushaltslage in den USA. Viele wissen auch gar nicht, dass die gesamten Erlöse des Festes einem sozialen Zweck dienen. An Weihnachten beschenkt der Veranstalter, der Deutsch-Amerikanische Gemeinsame Ausschuss (DAGA), bedürftige Kinder, Kranke und Familien. Gefördert werden auch Jugend- und Studentenaustausche, karitative Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Kinderspielplätze und Seniorenheime.

Seit 1957 wird mit dem Volksfest in großem Stil gefeiert. Ab 1952 gab es bereits die deutsch-amerikanische Freundschaftswoche. Organisator und Veranstalter ist der DAGA. Zu seinen Aufgaben zählen kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten, Wohltätigkeit und die Förderung von Kontakten zwischen Deutschen und Amerikanern. Und dazu gibt es am Volksfest genügend Möglichkeiten.

In den ersten Jahren fand das Volksfest im Juni rund um Pfingsten statt, da der Schützenverein Grafenwöhr sein traditionelles Volksfest im August feierte. Seit 1968 ist das erste Augustwochenende der feste Termin. Von Anfang an stellte sich guter Besucherandrang und hoher Reinerlös ein. Die Organisatoren wollten den Besuchern etwas bieten und kündigten im Mai 1960 an: „Es soll mit seinen Darbietungen das vorjährige Volksfest noch übertreffen“. Das Dreitagesfest wartete in den 60er Jahren daher mit Auto-Shows, Boxkämpfen, Sportvorführungen und auch Prominenz auf.

Grafenwöhr: Zwangspause für Deutsch-Amerikanisches Volksfest

Grafenwöhr

Promis zu Besuch in Grafenwöhr

So kam 1962 das damalige Box-Idol Max Schmeling nach Grafenwöhr. Action-Fans kamen bei einem Rodeo auf ihre Kosten. Ein Jahr später wurde Christl Söllner zur ersten „Miss Volksfest“ gekürt. Eine große Attraktion war und ist bis heute die Waffenschau der US-Armee und der Bundeswehr. Eine Honest-John-Rakete (1960er), Hubschrauber oder Panzer aus der Nähe zu betrachten, zieht auch heute noch viele Interessenten an.

1966 zogen die Diensthunde vom Zollamt Waidhaus, die Reit-, Spring- und Voltigierübungen des Reiterclubs Weiden sowie Auftritte der Hirschauer Volkssänger und Waldnaabtaler Trachtengruppe die Leute in ihren Bann. Auch für amerikanische Musik war stets gesorgt. Als bundesweit prominente Gäste waren Marianne Koch und Hans Sachs, bekannt aus der Rateshow „Wer bin ich?“ dabei.

1972 gewannen die Organisatoren Schlagerstar Peggy March als Gast, die sich vor Autogrammjägern kaum retten konnte. Musikalisch war immer etwas geboten: So traten verschiedene kulturelle Tanzgruppen, der Chor der 7. Armee und kanadische Dudelsackpfeifer auf.

Kunstflug und Boxkämpfe

Spektakulär waren die Rodeo-Reitershows und vor allem die Auto-Shows und Slalomrennen des Automobil-Racing-Club Grafenwöhr. Weiterhin konnten Besucher in den 70ern Fallschirmspringen und sich aus Hubschraubern abseilen lassen. Waren es drei Jahre vorher noch Modell-Flugzeug-Vorführungen, so beeindruckte Weltmeister Manfred Strössenreuther 1977 mit schwindelerregenden Spiralen und Loopings bei einer Kunstflug-Schau. Nicht fehlen durfte zum Abschluss des Festes ein Feuerwerk. Mit den gelösten Eintrittskarten konnten Besucher an einer großen Lotterie teilnehmen. Ein Auto, ein Motorrad und viele weitere wertvolle Sachpreise nahmen die Besucher mit nach Hause. Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er gab es zudem wieder Boxkämpfe und Bodybuilding-Wettbewerbe.

Im Hintergrund arbeiteten jedes Jahr fleißig die Helfer des DAGA. Großes Herzblut steckte „Mr. Volksfest“, Andrew Claddas, in das Fest. Er erhielt diverse Orden und wurde mit großem Bedauern 1973, nach 18 Jahren Wirken in Deutschland, in die USA verabschiedet. 1967 wurde beim Reingewinn des Volksfestes für den sozialen Zweck erstmals ein Rekord von 120 000 Mark aufgestellt. In den 70er und 80er Jahren meldete der Veranstalter immer wieder neue Rekorde an Besuchern, Verzehrmengen und Reinerlösen. Autos der Gäste stauten sich teilweise bis zur Bahnhofstraße und bis nach Hütten.

Region weiter geschockt wegen US-Abzugsplänen

Vilseck

Seit 2003 im Camp Kasserine

Mehrmals wechselte der Festplatz seinen Standort. Es waren immer Zeltcamps, die gut erreichbar waren. Bis 1998 war das Camp Tunesia der Standort, danach noch bis 2002 das Camp Cheb. Seit 2003 ist das Camp Kasserine der Austragungsort und bietet Platz für 130 Stände und zwei Bierzelte. Die Besucherzahl pendelte sich in den 80er, 90er und auch 2000er Jahren bei rund 50 000 Personen ein. Seit 2008 stiegen sie von 80 000 auf etwa 100 000 Besucher in drei Tagen. Um die Massen zum Festplatz zu bringen, werden seit vielen Jahren Busse eingesetzt. Trotz gestiegener Sicherheitsvorkehrungen wollen nach wie vor jährlich Tausende Besucher das Volksfest genießen.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.