06.04.2021 - 12:46 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

„Gate 1“: Markantes Wachhäuschen kehrt zurück

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Niemand hat sie je gezählt, die Soldaten und Zivilsten, die das “Gate 1“ am Lagereingang in Grafenwöhr im Laufe der Jahrzehnte passiert haben. 1990 wurde das Wachhäuschen abgebaut. Nun soll das Relikt aus alter Zeit zurückkehren.

Bis Juli 1990 stand das alte Holzhäuschen am Lagereingang, des berühmten „Gate 1“. Das Motiv mit der jungen Frau, zwei Soldaten der Wachkompanie und dem markanten Torbogen wurde in den 1950er und 60er Jahren auf Tausenden von Postkarten und Bildern in der ganzen Welt verbreitet.
von Autor MORProfil

Das Bild der Wache 1 aus den 1960er Jahren mit dem markanten Eingangsbogen und der Aufschrift „U.S. Army Training Area Grafenwöhr“ sowie dem alten Wachhäuschen aus Holz hat sich eingeprägt. Auf Bildern und Postkarten ging es sogar um die Welt. Nach dem Abbau 1990 fand das Wachhäuschen bis dato in einem zivilen Garten eine besondere Verwendung. Jetzt ist geplant, es auf den Lagergrund zurückzuholen.

In der Geschichte des Übungsplatzes haben sich die Tore und Einfahrten zum Lager wiederholt verändert. Das Wachgebäude an der Lagereinfahrt in der Alten Amberger Straße stand nicht immer an der heutigen Stelle. Die große Hauptwache mit Schreibstube, Wachlokal und Arrestzellen wurde bei der Gründung des Übungsplatzes als eingeschossiges Gebäude gegenüber dem Wasserturm gebaut. Später wurde die alte Hauptwache aufgestockt. Bei den Luftangriffen im April 1945 fiel die Hauptwache den Bomben zum Opfer. Eine Tafel erzählt an der gleichen Stelle die Geschichte der Wache.

Torbogen in den 60ern aufgestellt

Die Häuser, die im Lager bis zur Wache 1 stehen, wurden schon vor 1938 für die Bauverwaltung und als Wohnungen errichtet. Beim Fotohaus Spahn wurde ein Holzhäuschen für die Wachposten aufgestellt. Kurz vor dem Militärgasthaus war das Passbüro. In den 1960er Jahren ließ die US-Armee dann den markanten Torbogen aufstellen und so das Gate unverkennbar kennzeichnen.

Erst im Juli 1990 wurde das alte hölzerne Wachhäuschen durch ein Fertiggebäude im „Bavarian Style“ ersetzt. Nur wenige wussten, dass das Relikt aus früheren Zeiten gar nicht weit vom alten Standort heute noch existiert. Fotomeister Erich Spahn, der 2002 88-jährig verstarb, ließ das ihm vertraute Schildhaus vor seinem Schaufenster durch die Baufirma, die es entsorgen sollte, einfach in seinen Garten am Lagerzaun hieven. „Für ein paar Mark Trinkgeld“, so erzählt seine Frau Edith „hat der Erich die viel fotografierte Wache für die Nachwelt gesichert.“ Im Garten der Spahns wurde die Holzhütte idyllisch zwischen Büschen und Sträuchern als Gartenlaube und Lagerraum genutzt.

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Im November 2009 erhielt die Wache 1 ihr heutiges Aussehen. Das Staatliche Bauamt ließ im Auftrag der US-Armee ein neues Funktionsgebäude errichten. Wände, Fenster und Türen sind schusssicher. Mit der Holzschalung soll sich das Gebäude, harmonisch in die Umgebung einfügen. Mit der Postkartenromantik der 1950er und 60er Jahre hat der neue Bau zwischen dem Fotohaus Spahn und der evangelischen Michaelskirche allerdings nicht mehr viel zu tun.

Holzhäuschen kehrt zurück

Bei der Vorbereitung der neuen Ausstellung im Wasserturm berichtete der Autor des Truppenübungsplatzbuches Gerald Morgenstern von der Geschichte der Wache 1. Gleich wurde die Idee geboren, das alte Wachhäuschen zurückzuholen. Zusammen mit Command Sergeant Major Frank Velez und Barbara Buchfelder wurde bei Edith Spahn angefragt. „Die Gartenlaube ist entbehrlich und findet im Lager sicher einen schönen Platz“ erklärte die rüstige Seniorin spontan. Schon in den nächsten Wochen soll die alte Holzhütte wieder auf die andere Seite des Lagerzauns transportiert werden. Chris Irwin von der Protokollabteilung des 7th ATC will sich der Restaurierung annehmen. Der begabte Bastler fertigte bereits ein Holzmodell der alten Wache 1. Bei der Bekanntgabe, dass künftig US-Soldaten wieder in Uniform Geschäfte in der Stadt betreten dürfen, wurde es als Symbolgeschenk an Bürgermeister Edgar Knobloch übergeben.

Als Gartenlaube und Lagerraum fand das alte Wachhäuschen nur 100 Meter vom ehemaligen Standort entfernt im Garten von Familie Spahn eine neue Verwendung. Command Sergeant Major Frank Velez (rechts) und Gerald Morgenstern setzten sich dafür ein, dass das Relikt der alten Zeit auf die andere Seite des Lagerzauns zurückkehrt.
Ursprünglich stand die Wache 1 als zweigeschossiger Bau direkt auf der Höhe des Wasserturms. 1945 fiel das Gebäude den Bomben zum Opfer, eine Tafel erinnert heute an den ehemaligen Standort.
In den 1950er Jahren wurde der markante Torbogen durch die zivilen Mitarbeiter der US-Armee aufgestellt.

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