16.04.2021 - 12:49 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhr bekommt erst 1934 sauberes Wasser in die Stadt

Einen langen beschwerlichen Weg mussten die früheren Bewohner der Stadt Grafenwöhr bewältigen. Erst 1934 war der Wassernotstand endlich behoben.

Eine historische Postkarte zeigt den Brunnen am Marktplatz Grafenwöhr, der bis 1934 maßgeblich für die Wasserversorgung der Bevölkerung war.
von Externer BeitragProfil

Täglich sauberes Wasser aus der Leitung zu bekommen ist heute selbstverständlich. In früher Zeit wurde der Wasserbedarf Grafenwöhrs ausschließlich über städtische oder hauseigene Brunnen gedeckt. Mühsam mussten die Bewohner täglich Trink- und Nutzwasser aus den Schöpfbrunnen Eimer für Eimer heraufziehen und nach Hause schleppen.

Rund 570 Jahre ruhte die Wasserversorgung der Stadt auf diesen Brunnen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es sechs öffentliche Brunnen. In dieser Zeit wurden die alten Schöpf- durch modernere Pumpbrunnen ersetzt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein Umdenken für die Neuorganisation der Wasserversorgung. Der erste Anstoß kam durch das Bezirksamt Eschenbach. Als 1908 der Truppenübungsplatz gebaut wurde, bekam er von Anfang an eine moderne Anlage. Der Wasserturm ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt.

Das Bezirksamt veranlasste unter Mithilfe der Garnisonsverwaltung Grafenwöhr eine Prüfung der Wasserqualität innerhalb des Lagers und in der Stadt. Die Armee mit ihrem eigenen Tiefbrunnen hatte Wasser von bester Qualität zur Verfügung. Schlechter war die Lage bei den Pumpbrunnen in der Stadt. Nur einer lieferte eine brauchbare Qualität, die anderen fünf waren mitunter bedenklich, geht aus einem Bericht des Kultur- und Militärmuseums hervor.

Schlechte Wasserqualität

1910 wurde eine Bohrstelle im Thumbachtal einer geologischen Untersuchung unterzogen und nordöstlich von Pichlberg prüfte man drei nebeneinander liegende Quellen. Anscheinend war die Angelegenheit doch nicht so dringend. 1912 verlief alles im Sand und es wurde beschlossen, den Wasserleitungsbau vorerst nicht weiterzuverfolgen. Dem Bezirksarzt gefiel das ganz und gar nicht. Er nahm aus sechs öffentlichen und sieben privaten Brunnen Wasserproben. Trotz des beklagenswerten Befundes wurde das Wasserleitungsprojekt schließlich wegen des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Inflation hintenangestellt. Die Grafenwöhrer holten mangels anderer Möglichkeiten weiterhin ihr Wasser aus den Brunnen.

Aufgrund mehrerer Ruhrerkrankungen in Grafenwöhr meldete sich Bezirksarzt Dr. Fuchs aus Eschenbach 1930 zu Wort und unterzog die mittlerweile acht öffentlichen Brunnen nochmals einer Untersuchung. Nachdem die staatliche Untersuchungsanstalt für Nahrung und Genussmittel in Erlangen die Trinkwasserqualität in Grafenwöhr geprüft hatte, wurde an mehreren Pumpbrunnen Tafeln mit der Aufschrift "Kein Trinkwasser" angebracht. 1932 machte die Untersuchungsanstalt Erlangen Druck und gab die Prüfberichte an die Regierung der Oberpfalz weiter. Durch das Einschalten der vorgesetzten Behörden kamen schließlich Gelder und Arbeiten ins Rollen. Zudem holten sich die Stadtväter nun Rückendeckung vonseiten des Truppenübungsplatzes.

Krieg beendet Bemühungen

General Renz setzte eine einwandfreie Wasserversorgung für Grafenwöhr voraus, da man bei der Truppenbelieferung eine saubere Verarbeitung der Lebensmittel erwartete. Die Stadt konnte so einige Zuschusstöpfe anzapfen und lud die Bevölkerung zu einer Aufklärungsversammlung ein. Gut die Hälfte war mit den Plänen einverstanden.

Schließlich wurde 1933 die Bohrstelle am Nordrand des Thumbachtales am Fuß der Hangleite als Standort für den ersten Tiefbrunnen gewählt. Die Verlegung der Rohre für die Wasserleitungen wurde noch im selben Jahr gestartet. 1934 gingen auch die Arbeiten am Hochbehälter "am Galgen" voran. Im Dezember 1934 war der Wassernotstand behoben.

Durch die Erweiterung des Truppenübungsplatzes 1938/39 und die Umsiedlung der dortigen Bewohner stieg die Einwohnerzahl im Jahr 1939 von 2300 auf insgesamt 4300. Das war für die Stadt eine neue Herausforderung, auch bei der Wasserversorgung. Ein neuer Tiefbrunnen entstand bei der Thumbachleite. Die Stadt wuchs nach den Kriegsjahren rasch an und bis 1960 zählte sie bereits 5 700 Einwohner. 1963 war ein dritter Brunnen bei der Thumbachleite nötig. Da der Ausbau der Stadt rasant weiterging und auch die Neubaugebiete an das Wassernetz angeschlossen wurden, kam es zur Errichtung des Tiefbrunnens IV.

Die Eingemeindung von Hütten, Gmünd und die zentrale Wasserversorgung des Gemeindeteils Gößenreuth erforderte zwei weitere Tiefbrunnen V und VI im Gebiet "Kollermühle". Mit der Inbetriebnahme einer modernen Wasserversorgungsanlage und der Gründung des Kommunalunternehmens "Stadtwerke Grafenwöhr" zum 1. April 2000 schien die Wasserversorgung Grafenwöhrs auf lange Sicht als gesichert. Die US-Armee hatte 2003 eine Überraschung parat. Sie planten die Verlegung einer kompletten Brigade mit rund 3 900 Soldaten nach Grafenwöhr. Nun wurde ein weiterer Trinkwasserbrunnen (VII) erforderlich.

Ein Höhepunkt war der Vertragsabschluss mit der US-Armee, der den Stadtwerken einen Großauftrag zur Erschließung der neuen Kaserne (BCT-Area) rund um den Heidweiher im Lager bescherte. Das Herzstück der neuen Trinkwasserversorgung liegt oberhalb des Annabergs "am Galgen" und besteht aus einem neu errichteten Hochbehälter mit zwei Trinkwasserkammern zu je 1 000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Die "Grafenwöhrer Gschichterler" beleuchten historische Ereignisse und Zusammenhänge in Grafenwöhr. Mehr "Geschichterler" gibt es beim Militär- und Heimatmuseum unter www.museum-grafenwoehr.de

Sauberes Wasser fürs Militär

Stetig steigender Bedarf

Am Brunnen vor dem Rathaus holten die Grafenwöhrer bis 1934 ihr Wasser.

Erinnerung an Kriegsgefangene aufgetaucht

Kaltenbrunn bei Weiherhammer
Hintergrund:

Stetige Zunahme der Bevölkerung

■ 1908 steigt Bevölkerungszahl von 961 auf 1841 Bürger■ 1933 Anstieg von 2300 auf 4300 Einwohner.■ 1960 gibt es bereits 5700 Grafenwöhrer.■ 2019 wohnen 6383 Einwohner in der Stadt.

Quelle: Kultur- und Militärmuseum/Stadt Grafenwöhr

  • 1908 steigt Bevölkerungszahl von 961 auf 1841 Bürger
  • 1933 Anstieg von 2300 auf 4300 Einwohner.
  • 1960 gibt es bereits 5700 Grafenwöhrer.
  • 2019 wohnen 6383 Einwohner in der Stadt.

Quelle: Kultur- und Militärmuseum/Stadt Grafenwöhr

Auf dem Rücken trägt die Frau in der Unteren Torstraße das Wasser nach Hause

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