20.01.2020 - 09:37 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhr: Vortrag über plastikfreies Leben

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen hatten mit Silvia Gottinger eine Referentin geladen, die in ihrem Leben so weit möglich auf Plastik verzichten möchte. Sie berichtete von Methoden, Ziele und Veränderungen.

Wo kann man im Alltag auf Plastik verzichten, wo den Konsum einschränken? Diese und weitere Fragen beantwortet Silvia Gottinger bei einem Vortrag, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen eingeladen hat. Vorsitzende Conny Spitaler (rechts) begrüßt die Referentin.
von Stefan NeidlProfil

"Acht Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer." Silvia Gottinger erklärte die Ausmasse der menschlichen Verschwendung. Seit der Geburt ihrer Tochter vor sechs Jahren hat sie beschlossen, ihr Leben zu ändern: Sie will so weit möglich auf Plastik verzichten und andere, animieren nachhaltiger zu leben. Dieser Begriff ist wichtig für die 35-Jährige: "Nachhaltig heißt: Auch nach mir sollen noch Generationen fair und sozial leben können." Über Freundinnen und Facebook-Gruppen informierte sie sich darüber und kam dann auf die Idee, ohne Plastik zu leben.

Gottingers Interesse stieg, sie legte sich Fachbücher zu und kann diese nur weiterempfehlen: "Jede Woche nehmen wir durch die Nahrung und Atmung fünf Gramm Plastik zu uns. Das ist, als würden wir jede Woche unsere Bankkarte essen." Dies führe zu hormonellen Veränderungen, Früh- und Fehlgeburten. 300 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder Deutsche pro Jahr – nur 30 Prozent würden recycelt werden, der Rest landet in Dritte-Welt-Länder. Oft stecke Plastik in Produkten, ohne dass der Verbraucher dies wisse: Cremes, Duschgels, Kaugummis und die viel diskutierten Kassenbons seien nur Beispiele. "Plastik ist nicht immer schlecht", gibt Gottinger zu. Wo Leichtbau nötig ist, beispielsweise beim Autobau, oder auch Hygiene wichtig ist – in Krankenhäusern oder bei Sicherheitsanzügen – sei Kunststoff unverzichtbar.

Gottinger nannte dann Beispiele, was sie in ihrem Alltag umgestellt hat. Sie nutzte immer die Nachhaltigkeitspyramide, bevor sie etwas Neues kaufte: Nutze, was du hast; repariere; leihe; tausche; kaufe gebraucht; mache selber; kaufe neu. Ihre Küchenhelfer hat sie durch Holz und Glas ersetzt. Alte Tupperschüsseln dienen nun als Stiftebox oder zum Anmischen von Farben. So komme Plastik nicht mehr in ihren Körper.

Statt Backpapier verwendet sie Bienenwachstücher, beim Metzger bringt sie ihre eigene Transportbox mit und Hygiene sowie Kosmetikprodukte stellt sie selbst her. Reinigungsmittel lassen sich aus den fünf Grundstoffen Kernseife, Waschsoda, Natron, Essig und Zitronensäure leicht selbst mischen. Ihre Einkäufe erledigt sie so weit möglich in Unverpackt-Läden.

Verzichten müsse Gottinger auf nichts: " Es ist eine Gewöhnungssache. Irgendwann wurde es zu einer Lebenseinstellung." Zuerst müsse der Interessierte die Bequemlichkeit überwinden.

In dem Vortrag nannte Gottinger viele weitere Ersatzmöglichkeiten für Plastik. Ihr Anliegen ist, dass möglichst viele Menschen ihrem Beispiel folgen und zumindest in Teilen ihres Lebens nachhaltiger handeln. Abschließend meinte sie: "Stellt euch vor, die Zukunft wird wundervoll und ihr seid schuld daran." Für die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Conny Spitaler, spielte sich gleich ein ganzes "Kopfkino" ab, was sie zu Hause alles umstellen könnte. Viele Methoden Gottingers seien früher selbstverständlich gewesen, müssten in der heutigen Wohlstands- und Verschwendungsgesellschaft aber erst wiederentdeckt werden.

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