21.02.2019 - 15:26 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grasbonbons für hungrige Hirsche

Zweimal in der Woche wird im Winter das Rotwild im Truppenübungsplatz gefüttert. Dabei sehen nicht nur die Hirsche gerne vorbei. Auch Seeadler und Wolf sind auf Beobachtungsposten.

Wildfütterung im Truppenübungsplatz: Die Hirsche erhalten von den Forstleuten riesige „Gras-Bonbons“.
von Autor MORProfil

(mor) Schnee, Eis und Frost bringen die Wildtiere im Winter in Not. Auf dem Truppenübungsplatz mit seinem riesigen Rotwildbestand sorgen die Förster und Mitarbeiter des Bundesforstbetriebs für Hirsch- und Rehwild.

Die Zeit der romantischen Wildfütterung, als noch das Heu mit der Gabel aus den Scheunen geholt wurde, ist vorbei. Das Wild kennt den großen Fendt-Traktor genau. Revierförster Andreas Irle und Maschinenführer Michael Speckner sind bereits in aller Früh unterwegs. In der schießfreien Zeit beschicken sie die Fütterungen, die nahe am Offenland und zum Zielgebiet liegen.

Kein Mastfutter

Auf den Freiflächen des Übungsplatzes wurde während der Sommermonate das Gras gemäht, gepresst und zu Silageballen gewickelt. Über 300 der rund 600 Kilo schweren, riesigen "Bonbons" stehen im Revier Stegen-thumbach, einem von neun Übungsplatzrevieren, zum Verfüttern bereit. "Kein Mastfutter sondern reines, artgerechtes Erhaltungsfutter aus dem Rotwildlebensraum", wie Andreas Irle betont. Im Winter ist das Wild ein großer Energiesparer, der Stoffwechsel und Biorhythmus werden total absenkt. "Das Wild braucht jetzt Ruhe und nochmals Ruhe", so Irle. Dank des Verständnisses der US-Streitkräfte werden die Fütterungsräume effektiv ruhiggestellt. "Gut für die notleidenden Tiere, gut für den Wald. Die Kooperation mit den Verantwortlichen der US-Armee ist auch in diesem Bereich ausgezeichnet", sagt Ulrich Maushake, Leiter des Bundesforstbetriebes.

Entspanntes Rotwild

Dass das Rotwild diese Ruhe hat, zeigt die Tatsache, dass sich die Tiere nicht mal 100 Meter von der Fütterung entfernen, wenn der Forstschlepper mit den Ballen auf dem Front- und Hecklader auftaucht, um die Futtertische neu zu bestücken. Ganz aus der Nähe beäugen sie das Geschehen, das zweimal in der Woche stattfindet.

Die Hirsche und die Hirschkühe mit dem Kälbern gehen seit der Brunft wieder getrennte Wege und haben ihre eigenen Futterstellen. Zusätzlich werden Kiefern-Jungbestände in der Nähe der Fütterungen zeitgleich durchforstet. Fast rundum frisst das Rotwild die zarte Spiegelrinde von den Stämmen ab. Das geschälte Holz kann so einer guten Weiternutzung zugeführt werden. Nahezu gänzlich vermieden werden dadurch Schäden am jungen Baumbestand.

Wenig Nahrung an den Futterstellen finden die Wildsauen. Die Schwarzkittel wühlen, wie alle Schweine, gerne und brechen mit ihrer Schnauze selbst harte, gefrorene Böden auf. Ziel dieser Aktionen ist die Suche nach Wurzeln, Insektenlarven, Engerlingen oder auch Mäusenestern. Darüber hinaus fressen die Wildschweine auch tote Tiere und gehören somit zur Gesundheitspolizei auf dem Platz.

Adler mit Gefolge

Neben dem Rotwild ziehen gelegentlich auch andere Übungsplatzbewohner über die Futterstellen. Aus Neugierde nimmt auch der Seeadler mit seinem Gefolge, den Kolkraben, Platz an den Futterballen, wie die Wildbeobachtungskamera schon festhielt. Seit September 2016 gehört zum Alltag auf dem Platz auch der Wolf, der nicht nur im Winter das Geschehen auf den Futterstellen beobachtet.

Michael Speckner und Andreas Irle holen mit dem Traktor große „Gras-Bonbons“ aus dem Ballenlager.
Im Winter ist das Wild ein großer Energiesparer, Stoffwechsel und Biorhythmus werden total absenkt.
Das Wild kennt den großen Fendt-Traktor genau. Revierförster Andreas Irle und Maschinenführer Michael Speckner sind bereits in aller Früh unterwegs.
Kein Mastfutter, sondern reines, artgerechtes Erhaltungsfutter aus dem Rotwildlebensraum wird in großen Ballen an das Wild verfüttert, berichtet Revierförster Andreas Irle.
Michael Speckner beim Aufschneiden der Folien: Das gar nicht scheue Wild steht nur etwa 100 Meter entfernt.

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