20.09.2021 - 12:35 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Mit "grünem Strom" gegen die Klimakrise: Neue Energien West Grafenwöhr expandieren weiter

Erderwärmung, Wetterextreme, Artensterben: Die Klimakrise ist derzeit in aller Munde. In Grafenwöhr hat sich schon 2009 eine Genossenschaft formiert, die mit "grünem Strom" dem Wandel entgegentreten will. Die Nachfrage wird immer größer.

Auf Sonnenstrom und auch ein bisschen Windenergie aus der Region setzt die Neue Energien West eG aus Grafenwöhr. Sie will damit die Klimakrise bekämpfen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Wo kommt mein Strom eigentlich genau her? Viele Menschen wissen das oft gar nicht. Sie schalten ihre Kaffeemaschine, den Laptop oder das Licht an, ohne sich darüber Gedanken zu machen – Hauptsache alles funktioniert. Seit aber die Klimakrise immer stärker zum Thema wird, kommen auch immer öfter Fragen zu Alternativen zum Braunkohleabbau auf. Erneuerbare Energien aus der Region statt der fossilen Brennstoffe, um Strom zu erzeugen, könnte die Lösung lauten – zumindest ist das für die Neue Energien West eG (NEW) mit Sitz in Grafenwöhr ein erklärtes Ziel.

Die interkommunale Genossenschaft hat bereits 2009 damit begonnen, vereinzelt Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Rathäusern, Schulen und Kläranlagen zu installieren, um so Strom zu erzeugen. Doch das reichte nicht. Schnell kamen auch große Freiflächen-Photovoltaikanlagen dazu, wie 2010 zunächst in Döllnitz, später in Riggau, am Barbaraberg, in Speichersdorf, Martinsheim in Unterfranken, in Thüringen und zuletzt nun in Cadolzburg bei Fürth, berichtet der Vorsitzende der NEW, Helmuth Wächter.

In Cadolzburg beteiligt

Im fränkischen Cadolzburg sei die NEW mit circa 49 Prozent an dem neuen Solarpark beteiligt. Das Besondere an dem Projekt: Dass der Strom direkt bei der "Infra Fürth", dem Versorgungs- und Netz-Dienstleister der Stadt Fürth, eingespeist werde. Der Cadolzburger Solarpark wird in Zukunft aber nicht das einzig neue Projekt sein. In Unterbruck bei Kastl soll ebenfalls expandiert werden, und in Neustadt/WN ein neuer Park entstehen, verrät Wächter. Auf der Suche nach geeigneten Flächen sei die Genossenschaft immer. Dabei müsse ein Grundstück vor allem diese Kriterien aufweisen: nach Süden ausgerichtet, leichte Hanglage und nicht von Wald umgeben sein, um Schattenwurf zu vermeiden. "Überschwemmungsbereiche scheiden natürlich aus."

60 Millionen Euro investiert

Insgesamt habe die NEW schon rund 60 Millionen Euro in ihre Solarparks investiert, 20 Millionen davon seien von Bürgern gekommen, die sich bei der Genossenschaft beteiligen. "Von dem Geld wird ein Solarpark erweitert, oder neue Grundstücke gekauft", berichtet Wächter. Und was hat der Bürger davon? Laut Wächter bekämen die Mitglieder bei einer Ausschüttung der Genossenschaft Geld, sie können aber auch als Stromkunde den vor der Haustür produzierten Strom selbst nutzen. Über 700 Stromkunden hat die NEW bereits, schätzt Wächter. "Das ist wirklich grüner Strom."

"Wir freuen uns über jeden, der sich beteiligen will", stimmt Geschäftsführer Bernhard Schmidt Wächter zu. "Wir müssen schauen, dass wir rauskommen aus der Klimakrise. Wir dürfen nicht nachlassen." Zum Glück gebe es jetzt auch schon große Nachfrage. "Ein gewisses Umdenken ist in der Bevölkerung da", meint auch Wächter, auch wenn manchmal Kritik am Flächenfraß durch Photovoltaikanlagen laut werde.

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Pressath
Hintergrund:

Die Neue Energien West eG

  • interkommunale Genossenschaft von 17 Städten und Gemeinden aus den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach
  • Beteiligte Kommunen: unter anderem Trabitz, Vorbach, Pressath, Schwarzenbach, Kirchenthumbach, Speinshart, Schlammersdorf, Grafenwöhr, Parkstein, Auerbach, Weiherhammer, Kastl, Floß, Altenstadt, Kemnath, Eschenbach
  • Ziel: regenerative Energieerzeugung mittels Photovoltaikanlagen und Windrädern in der Region (Quelle Homepage www.neue-energien-west.de)

"Wir müssen schauen, dass wir rauskommen aus der Klimakrise. Wir dürfen nicht nachlassen."

Bernhard Schmidt, Geschäftsführer Neue Energien West

 

 

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