19.12.2018 - 16:42 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Wölfe sind zurück

Deutschland wird wieder zum Wolfsland. Vermehrte Meldungen über Zwischenfälle mit den Tieren zeugen davon und sorgen für große Diskussionen zwischen Naturschützern und Weidetierhaltern - auch in Grafenwöhr.

Aufnahmen von Fotofallen zeigen den stattlichen Wolfsrüden und die etwas kleinere Fähe im Inneren des Übungsplatzes. Welpen konnten durch die Forstleute bislang nicht festgestellt werden.
von Autor MORProfil

Zahlreiche Aufnahmen von Fotofallen, augenscheinliche Beobachtungen und das Wolfsmonitoring belegen dies. Experten des Bundesforstbetriebs sehen die Rückkehr des streng geschützten Wolfes nach Grafenwöhr entspannt. Für sie sei es "Freude über die Kräfte der Natur, aber große Herausforderung zugleich", lässt Forstdirektor Ulrich Maushake wissen.

Eine Gefahr für Soldaten im Übungsplatz besteht ihrer Auffassung nach aber nicht, denn der Wolf - auch bekannt als Meister Isegrim - ist ein sensibles und scheues Tier. "Wenn der Mensch Abstand zu ihm hält, ihn nicht füttert oder zähmt, kann ein entspanntes Nebeneinander auch zukünftig bestehen bleiben", ist sich Anton Hubert sicher. Als Leiter des Fachbereichs Naturschutz beim Forstbetrieb ist er in Grafenwöhr für das Wolfsmonitoring zuständig, das in die EU-weiten Auswertungen eingeht. Funde von frischer Losung oder von Experten sichergestellte Speichelabstriche an gerissener Beute sind Voraussetzung für Gen-Tests, die Auskunft über Geschlecht und Herkunft geben. Demzufolge ist ein Wolfspaar auf dem Übungsplatz unterwegs.

Ein weiterer Rüde war dem Monitoring nach im Februar 2017 auf dem Platz unterwegs, danach hielt er sich im Sommer und Herbst in Hohenfels auf. Im Januar 2018 hat er sich einer Fähe im Veldensteiner Forst angeschlossen, im Sommer wurden im benachbarten Waldgebiet erste Welpen nachgewiesen. Weitere durchwandernde Tiere seien laut den Forstleuten nicht auszuschließen. Das Grafenwöhrer Wolfspaar zog 2018 ohne Nachwuchs durch das militärische Sperrgebiet. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Wolfspopulation im Übungsplatz entwickelt.

Der Wolf auf Pirschgang im Übungsplatz, ob das Klicken der Fotofalle seine Aufmerksamkeit forderte. Repro mor
Auerbach

Altüberlieferte Flur- und Ortsbezeichnungen wie "Wolfsrangen", "Wolfsgrube", "Wolfslegel", "Wolframs" und auch die Wolfsschützenkapelle belegen, dass der Wolf im Übungsplatz und in der Region über Jahrhunderte hinweg weit verbreitet war. Erzählungen, Schriftwechsel und Berichte erläutern zudem, dass Menschen seit dem 18. Jahrhundert Angst vor den Tieren haben. Wölfe wurden gejagt und zum Ende des 19. Jahrhunderts in unserer Gegend schließlich ausgerottet. Heute ist für den Wolf der Tisch im Übungsplatz mit dem Rotwildbestand reich gedeckt. So hat er im Sperrgebiet schon alte und schwache Hirsche sowie Kälber, aber auch den geschützten Biber gerissen. Dennoch hat das Raubtier Respekt vor kapitalen Hirschen und vor Schafen, die am Westrand des Übungsplatzes weiden. Der Grund: Schafe und Ziegen genießen Schutzvorrichtungen, die dem "bayerischen Aktionsplan Wolf" entsprechen. "Man muss damit leben und Eigentum schützen", meint Schäfer Markus Schreiner dazu.

Der aus Niederbayern bei Straubing stammende Schäfer ist seit Sommer 2016 mit rund 200 Tieren am Übungsplatz, um seine Tiere zu weiden. Er betreibt hier vertraglichen Landschaftsschutz im westlichen Bereich des Übungsareals. Seit der Wolf zurück ist, hat sich Schreiner 2017 zu zwei Hüte- noch zwei Herdenschutzhunde angeschafft. Nun sichern ein Kangal und ein Owtscharka zusätzlich zum Deutschen Schäferhund und Altdeutschen Hütehund seine Herde aus Schafen und Ziegen. "Die Hunde waren noch jung und nicht ausgebildet. Bis zu 1000 Euro kosten die mittelasiatischen Schutzhunde."

Auch der Zaun für die Pferche wurde erhöht. Nachts wird ein Doppelzaun um die Herde gesteckt, wo die Hunde patrouillieren. Die Hunde schlagen regelmäßig an. Ob es wegen des Wolfes ist, kann Schreiner nicht bestätigen. Bislang ist aber keines seiner Tiere zu Schaden gekommen. Anders in den neuen Bundesländern: Hier sind Wölfe besonders verbreitet und es kommt immer wieder zu Schafsrissen.

Markus Schreiner ist Schäfer mit Leidenschaft. Zwei Herdenschutzhunde, (vorne) ein Deutscher Schäferhund und ein Altdeutscher Hütehund halten Schafe und Ziegen in Schach und schützen auch vor dem Wolf. Bild: mor

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