26.02.2021 - 16:21 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Zeitvertreib im Lockdown: Malen wie ein Profi – Grafenwöhrer zeigt, wie's geht

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Im Lockdown wird es schnell mal langweilig. Doch wer ein paar Pinsel, Acrylfarben, Plakatkarton und eine Spachtel zur Hand hat, der kann mit wenig Aufwand tolle Bilder malen. Der Grafenwöhrer Kunstmaler Johannes Janner zeigt, wie es geht.

Bei leisem Vogelgezwitscher entsteht im Arbeitszimmer von Johannes Janner ein Kunstwerk nach dem anderen. Der Grafenwöhrer Kunstmaler kann sich auch im Lockdown gut beschäftigen. Oberpfalz-Medien hat er dabei über die Schulter schauen lassen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Der kleine Tisch im Arbeitszimmer von Johannes Janner ist reichlich gedeckt. Acrylfarben-Tuben reihen sich aneinander, Pinsel stapeln sich im Schlitz zwischen Arbeitsplatte und Küchenrolle, daneben liegt ein alter weißer Deckel mit Farbklecksen darauf. Mit gesenktem Kopf beugt sich der 59-jährige Künstler über seine Landschaftsskizze, die er nun mit kräftiger Farbe übermalt. Zwei Bilder hat er sich heute vorgenommen, Oberpfalz-Medien darf ihm dabei über die Schulter schauen.

Künstler Johannes Janner zeigt im Video, wie sein Acryl-Bild entsteht

Die Idee, Schritt für Schritt zu zeigen, wie ein Kunstwerk entstehen kann, hatte Janner mitten im Lockdown der Coronapandemie. Die Menschen seien gezwungen, daheim zu bleiben, begründet er seinen Aufruf auf Facebook, die Langeweile doch einfach mit Kreativität zu vertreiben. Für die beiden Bilder zum Nachmalen nimmt er Material, das die meisten Menschen, die sich schon mal mit der Malerei befasst haben, daheim haben sollten, meint er. Pinsel, Spachtel, Acrylfarben und einen Plakatkarton. Von dem hat sich Janner erst vor kurzem selbst zehn Bögen ganz einfach per "click and collect" nachbestellt. Ist alles vorbereitet, kann es auch schon losgehen.

"Die Kunst darf raus": Eine Aktion des Grafenwöhrer Künstler Johannes Janner

Grafenwöhr

Von oben nach unten

Die beiden Bilder, die später zwei verschiedene Berglandschaften zeigen werden, malt der Grafenwöhrer Künstler mit denselben Materialien und derselben Technik. "Von oben nach unten, vom Hintergrund zum Vordergrund", erklärt er und beginnt mit kräftigen, breiten Borstenpinselstrichen aus rosafarbener und blauer Farbe den Himmel zu malen. Die dunklen Striche der Skizze verschwinden schnell hinter den kräftigen Acrylfarben. Während das eine Bild vor dem kleinen Heizlüfter platziert wird, um schneller zu trocknen, widmet sich Janner dem zweiten Bild – auch eine Berglandschaft, aber mit anderen Farben. Nicht immer weiß er vorher, wie seine Werke aussehen sollen, manchmal entwickelt sich das Bild auch erst, erzählt er. Viele seiner Motive entdeckt er aber bei Spaziergängen durch Eschenbach, Pressath und Grafenwöhr. Auch Porträts gehören zu seinen Auftragsarbeiten.

In der Zwischenzeit hat Janner Schwarz, Blau und Braun ein wenig ineinander gemischt und pinselt die Farben mit schnellen Bewegungen flächig dorthin, wo auf dem ersten Bild die Berge sein sollen. "Es ist langweilig und unnatürlich, wenn nur ein Farbton da ist. Reines Schwarz findet sich in der Natur selten", erklärt er. Das ist auch, was ihn an der Malerei so fasziniert: Die Art der Auseinandersetzung mit der Welt, der Umgebung. Nach dem erneuten Trocknen schnappt er sich die Spachtel, trägt ein wenig weiße Acrylfarbe auf und zieht die Spachtel von den Bergkanten aus nach unten. Immer wieder setzt er sie an, zieht mal schräg nach rechts, mal nach links die Farbe nach unten. "Die Natur ist nicht geradlinig", kommentiert er. Ein bisschen grüne Farbe bringt er noch am Fuß des Gebirges auf und vermischt sie mit dem Weiß. Zwischendurch gibt es Streicheleinheiten für Hündin "Nuca", die immer mit dabei ist, wenn Herrchen malt. Das gleiche Prozedere passiert mit einer weiteren Bergkette aus Braun- und Grüntönen im Vordergrund.

Räumliche und zeitliche Distanz

Immer wieder hält er das Bild auch mal hoch, betrachtet es, murmelt "da fehlt noch Struktur" und setzt Pinsel oder Spachtel erneut an. Räumliche und auch zeitliche Distanz seien manchmal entscheidend, weiß er. Deshalb lässt er seine Bilder oft auch einen Tag ruhen, bevor es weitergeht. Aus hellerem Grün, "Siena" und Schwarz malt Janner nun aber erst einmal Büsche vor das Gebirge. Während er die dunklen Farben flächig aufträgt, tupft er die helleren nur darüber, um wieder mehr Struktur zu bekommen. Fast täglich malt der Künstler, außer es gibt andere Verpflichtungen. "Für mich ist das jetzt wie eine Fingerübung eines Klavierspielers."

Die restliche weiße Fläche des Bildes bemalt Janner wieder blau-rosa. Es soll ein See werden, in dem sich der Himmel spiegelt. Dann gibt er dem Ufer mit Schwarz, "Siena" und Grün mehr Kontur und malt am unteren Bildrand einen größeren Felsen, auf dem ein Baum stehen wird. Mit einem Flachpinsel übermalt er mit Schwarz und Grün schließlich die Linien der Baum-Skizze: Erst den Stamm, dann nach links und rechts wegstehend Äste. Auf die dunkle Äste kommen noch gelbe und weiße Tupfer – der Feinschliff. Ein zweiter kleinerer Baum steht später auch auf der anderen Seite des Sees. So bekommt das Bild Tiefenwirkung, begründet der Künstler. Mit ein wenig grüner Farbe, die er mit Wasser und seinem Finger verwischt, deutet Janner im See noch die Spiegelung der Bäume an, dann ist das Bild fertig. "Wichtig ist, ein Ende zu finden, weil man ein Bild auch tot malen kann", sagt er. Zweieinhalb Stunden hat der Künstler für die beiden Bilder am Ende gebraucht. "Es wäre schön, wenn sie jemand nachmalen würde."

Acrylfarben in allerlei Farbtönen stehen schon auf dem Tisch bereit.
Mit der Spachtel bringt der Künstler weiße Farbe auf und verstreicht diese in unterschiedliche Richtungen, damit die Berge mehr Struktur bekommen.
Jetzt erst einmal kurz trocknen lassen. Dafür stellt Janner seine Bilder vor einen kleinen Heizlüfter.
Fertig sind die beiden Landschaftsgemälde, die Johannes Janner in zweieinhalb Stunden abwechselnd gemalt hat.
Auch Eschenbacher Motive gehören zum Repertoire des Kunstmalers. Die Uhr zeigt das Rathaus, das Bild daneben die Bergkirche – abgebildet in einem Buch.
Hündin "Nuca" ist gerne beim Malen dabei und passt auf, dass ihr Herrchen alles richtig macht. Hin und wieder bekommt auch sie ein bisschen Farbe ab.
Hintergrund:

Zur Person

  • Johannes Janner ist ein hauptberuflicher Oberpfälzer Kunstmaler, der in Grafenwöhr lebt und überwiegend gegenständlich und mit Acrylfarben malt.
  • Seine Ausbildung absolvierte er unter anderem in der Kunstschule von Max Fischer in Neustadt/WN und an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.
  • Janner ist Mitbegründer der Kunstereien in Grafenwöhr und Tännesberg sowie der Kulturwerkstatt "SchwOpf", die der Oberpfälzer zusammen mit seiner Frau - eine Schwäbin - aus der Taufe gehoben hat. Außerdem leitet er seit circa fünf Jahren ehrenamtlich die Gruppe "KunstGewinn".
  • Ausgestellt hat der Grafenwöhrer seine Werke bereits unter anderem in der Fachhochschule in Weiden, im Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr, in der Speinsharter Wieskapelle, in der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg sowie im Arbeitsministerium in München.

 

 

Kommentare

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Ulla Britta Baumer

Wunderschön, aber leider nichts für Anfänger. Was der Künstler im Video zeigt, gehört in die Profiklasse der bildenden Kunst. Das kann niemand schnell einmal mit den Kindern malen, um sich die Zeit bei Langeweile zu vertreiben.

26.02.2021