06.06.2021 - 09:20 Uhr
Griesbach bei MähringOberpfalz

Gute Aussichten für Restaurierung der Maurus-Fuchs-Bilder

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Die Chancen stehen gut, dass die wiederentdeckten Bilder von Maurus Fuchs und Johann Aichlmayr aus der Griesbacher Pfarrkirche restauriert werden. Kürzlich begutachtete eine Delegation von Kunstexperten die Gemälde.

Die beiden Kunsthistoriker Dr. Daniel Rimsl und Anne Wiegand (von links) begutachten auf dem Dachboden der Sakristei gemeinsam mit Pfarrer Dr. Charles Ifemeje das Bild des heiligen Martin. Maurus Fuchs, damals knapp 30 Jahre alt, hat es um 1801 für die Pfarrkirche St. Martin in Griesbach gemalt.
von tspProfil

Von Thomas Sporrer

Wer hätte das gedacht: Das Bild des heiligen Martin, vor fast genau 220 Jahren vom berühmten Tirschenreuther Kirchenmaler Maurus Fuchs erschaffen, ist auf dem besten Wege, seinen alten Platz am Hochaltar in der St.-Martin-Kirche in Griesbach wieder einzunehmen. Kürzlich erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung: Eine Kommission der Diözese Regensburg hat die Bilder geprüft und war begeistert. Der Besuch musste wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte immer wieder verschoben werden.

Gemälde erstaunlich gut erhalten

Wettermäßig war es ein für Griesbach typischer Tag: Ende Mai und knapp unter 10 Grad. Die Gäste aus dem Süden der Oberpfalz waren allesamt zu dünn angezogen und haben im strammen Nord-Oberpfälzer Wind gefroren. Warm ums Herz wurde ihnen dann, als sie im „Depot“ in der Kirche St. Martin – ein Abstellraum mit Spinnweben oberhalb der Sakristei – die Originale von Maurus Fuchs und dem Tirschenreuther Maler Johann Aichlmayr gesehen haben.

Kunsthistoriker Dr. Daniel Rimsl, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kunstsammlung der Diözese Regensburg, und seine Kollegin Anne Wiegand sind beide betraut mit der Inventarisierung der Kunstschätze in den Pfarreien. Beide waren erstaunt, dass die Bilder die Jahre in ihrem „Versteck“ so gut überstanden haben. Ungedämmt, direkt unter dem Dach waren die Gemälde enormen Temperaturschwankungen ausgesetzt, obendrein noch abgedeckt mit einer Plastikfolie. Lediglich das Marienbild vom Seitenaltar hat mehr gelitten, es stand direkt an der Wand zum Kirchenschiff und war schlecht belüftet.

Mehr Aufwand für Seitenaltäre

Das wichtigste Exponat, das Bild des heiligen Martin von Maurus Fuchs, wurde irgendwann im 20. Jahrhundert auf eine große Sperrholzplatte aufgeklebt. „Als wir das hörten, dachten wir zunächst, das Bild dürfte verloren sein“, berichtete Dr. Rimsl, „aber scheinbar war genau der richtige Kleber verwendet worden. Das Bild ist mit normalem Aufwand zu restaurieren.“ Etwas anders sieht es bei den beiden Bildern der Seitenaltäre aus. Maler Johann Aichlmayr hat diese 1892 gemalt, sie sind also gut 90 Jahre nach dem Maurus-Fuchs-Bild vom heiligen Martin entstanden. Aber auch diese Bilder können mit etwas mehr Aufwand gut restauriert werden, bilanzierten die Kunsthistoriker der Diözese. Noch im Juni soll das Anliegen dem Kunstausschuss der Diözese vorgestellt werden. Wenn das Gremium zustimmt, können bis zu 50 Prozent der anfallenden Restaurierungskosten durch die Diözese getragen werden.

Kirchenpfleger Gerhard Hecht, der das Vorhaben maßgeblich mit vorantreibt, konnte auch die Gremien der Pfarrgemeinde für das Vorhaben begeistern: Neben Pfarrer Dr. Charles Ifemeje haben alle ihre Zustimmung gegeben. Auch Heimatforscher Ludwig Gradl, der um die Kirchen- und Ortsgeschichte weiß, würde die Bilder nach der Restaurierung wieder an ihrem alten Platz am Hochaltar und den Seitenaltären sehen.

Ausstellung im Museumsquartier

Jetzt geht das Bild des heiligen Martin erst einmal auf Reisen. Das über zwei Meter hohe Kunstwerk ist bis Ende August in der Jubiläumsausstellung „250 Jahre Maurus Fuchs“ im Museumsquartier in Tirschenreuth zu bewundern. Danach dürfte das Restaurierungskonzept stehen und sich abzeichnen, wie es mit den Bildern weitergeht.

In Griesbach tauchte ein verschollen geglaubtes Maurus-Fuchs-Werk auf

Tirschenreuth
Anne Wiegand ist der Meinung, dass auch das außergewöhnlich emotionale Bild des „Guten Hirten“ von Maurus Fuchs restauriert werden muss. Es ist auf Holz gemalt und schmückt die Tür zur Kanzel. Das Bild mitsamt der Tür ist im Original in der Ausstellung im Museumsquartier zu sehen.
Die Diözese hatte den Besuch wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte lange verschoben, jetzt waren die Kunst- und Bauexperten endlich da und begeistert von dem Vorhaben der Griesbacher, den „Alten Meistern“ wieder zu ihren Plätzen in der Kirche zu verhelfen. Von links Kirchenpfleger Gerhard Hecht, Architekt Marc Hiller, Dr. Daniel Rimsl, Anne Wiegand, Pfarrer Dr. Charles Ifemeje.
Info:

Maurus-Fuchs-Ausstellung im Museumsquartier

  • Ausstellung „Maurus Fuchs – Auf den Spuren eines Grenzgängers“ von 9. Juli bis Ende August im Museumsquartier Tirschenreuth.
  • Die Ausstellung ist dem begnadeten Tirschenreuther Kirchen- und Krippenmaler Maurus Fuchs anlässlich seines 250. Geburtstages gewidmet.
  • Zahlreiche Gemälde, Altarbilder und Kreuzwege künden in Bayern und Böhmen von der Kreativität und ganz besonderen Begabung des Künstlers.

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