Kein Eis kratzen, keine Staus, keine überfüllten Bahnen und keine langen Wartezeiten an der Bushaltestelle sind Gründe, die immer mehr Radler dazu veranlassen, auch im Winter zu fahren. Haben Sie schon einmal dran gedacht, Ihr Fahrrad nicht im Herbst in den Keller oder Schuppen zu stellen, sondern damit auch den Winter durch zum Einkaufen, in die Arbeit oder gar sportlich zu fahren? Für einen Einstieg ist es nie zu spät. Hier ein paar Tipps, wie Sie als Radfahrer sicher über den Winter kommen.
Einer, der täglich - auch im Winter - mit dem Fahrrad ins Büro fährt, ist Veit Zitzmann. Er hat zwar nur zehn Minuten einfache Strecke, doch er spart sich die Autofahrt im Stadtverkehr. Das ist auch der Beweggrund, der ihm vor allem bei der morgendlichen Fahrt ins Büro bei Dunkelheit den inneren Schweinehund überwinden lässt, um auch bei nicht idealen Witterungsverhältnissen aufs Rad zu steigen. Zur Vorsicht rät er vor allen Dingen bei widrigen Straßenverhältnissen. "Besonders die Radwege, die ich zum Teil benutze, sind nicht immer geräumt oder gestreut", gesteht er.
Wetterfeste Kleidung
Natürlich legt er Wert auf wetterfeste Kleidung. Vor allem der Windstopper unter dem Fahrradhelm bringt ihm bei Kälte und Wind einen großen Komfort und die nötige Wärme. "Das ist besser als eine herkömmliche Mütze", verrät er. Als Nebeneffekt bekommt der Radler im Winter eine gesunde Portion Fitness und Frischluft ab. Für die kalte Jahreszeit gibt es besonderes Zubehör wie Kleidung, Bereifung und sogar für den Winter gemachte Fahrräder. Selbst das E-Bike eignet sich hervorragend als Winterfahrzeug, wenn man gewisse Spielregeln einhält. Bei rutschigem Untergrund sind zum Beispiel Vorderradantriebe schwieriger zu beherrschen. Bei allen Antriebsvarianten ist es ratsam, bei Schnee- und Eisglätte eine niedrige Unterstützungsstufe zu wählen.
Im Winter ist das Fahrrad aggressiven Einflüssen wie Regen, Dreck, Schmutz- und Salzwasser, Schnee und Eis ausgesetzt. Deshalb sollte es möglichst robust und stabil sein. Beim Neukauf ist deshalb ein Aluminiumrahmen eine geschickte Wahl, da das Material auch für strenge Wetterbedingungen geeignet ist und nicht so teuer wie Räder aus Titan oder Carbon ist.
Gute Traktion
Bei leichtem Schnee oder nassen Pisten braucht der Fahrradreifen eine besonders gute Traktion. Etliche Fahrradreifenhersteller bieten deshalb einen Ganzjahresreifen mit einem robusten Allwetterprofil mit Lamellenstruktur an. Nutzt man sein Rad im Winter auch als Sportgerät, kommt man am Mountainbike oder dem angesagten Fatbike nicht vorbei. "Die Produktion von Fatbikes geht allerdings zurück", weiß Fahrradhändler Ludwig Fritsch aus Neustadt/WN. Bei entsprechender Schneedecke verspreche dieses allerdings für den Fahrer einen Riesenspaß. Fritsch steht hinter dem Radfahren im Winter, denn wenn das Tageslicht fehle und der Körper auf Sparflamme laufe, bringe Radfahren den Kreislauf und das Immunsystem in Schwung. Bei Schnee und Eis und sportlichem Fahrverhalten wird der Radler an speziellen Reifenprofilen oder gar Spikes, die im Gegensatz zum Auto beim Fahrrad erlaubt sind, nicht vorbeikommen. "Spike-Reifen gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit auf Schnee und Eis, haben jedoch einen starken Rollwiderstand und sind sehr teuer."
Der Fachmann hat hier einen ebenso kostengünstigen wie einfach durchführbaren Tipp: Kabelbinder. "Umschließt man die Lauffläche des Reifens mit mehreren Kabelbindern und lässt deren Ösen etwas überstehen, so hat das den gleichen Effekt wie ein Spike-Reifen", weiß er.
Salz ist Gift
Für das Fahrrad ist Salz das größte Gift. Deshalb gilt es auch, dem Rad die größte mögliche Pflege und Sorgfalt zukommen zu lassen. Regelmäßiges Ölen und Säubern der Kette ist Pflicht. Ebenso gehören das regelmäßige Waschen des Rahmens, Abwischen mit einem feuchten Tuch, Einsprühen mit Korrosionsschutz, das Prüfen der Bremsen und Schraubverbindungen oder das Reinigen des Schaltwerks dazu.
Das Thema Sicherheit muss im Winter natürlich besonders hoch gehängt werden. Dazu gehört ein verkehrssicheres Rad mit einer Beleuchtung mit viel Power, damit der Fahrer in der Dämmerung oder Dunkelheit von anderen Verkehrsteilnehmern gut gesehen wird. Reflektierende Elemente sind ein ebenso signifikantes Merkmal moderner Radtaschen, wie es clevere Befestigungssysteme oder wasserabweisende Materialien gibt.
Zur Sicherheit trägt auch eine funktionelle, reflektierende Kleidung bei. "Besonders wichtig ist im Winter, dass die Kleidung vor Wind schützt und atmungsaktiv ist." Auch der Schutz vor Nässe und Kälte durch Überziehhosen, wasserdichte Schuh-Überzieher, Mützen und Handschuhen gehört dazu. Geeignete Materialien sind hier Neopren, Sympatex oder Gore Tex.
LED-Rücklichter
Unverzichtbar ist natürlich auch der Fahrradhelm. Reflektierende Folien und eine auffällige Farbe machen den Helm und damit auch seinen Träger im dämmrigen oder nächtlichen Straßenverkehr deutlich besser sichtbar. Signalfarben, Reflektoren und LED-Rücklichter sorgen für bessere Sichtbarkeit im Stadtverkehr. Sehen und vor allem gesehen werden ist in der dunklen Jahreszeit oberstes Credo bei Radfahrern. Neben zuverlässigen und leistungsstarken Lichtanlagen setzen Radler daher auf ergänzende Reflexionsprodukte, um sich im Straßenverkehr sichtbarer zu machen
Vorausschauendes Fahren ist besonders im Winter unverzichtbar. Damit Radler nicht von Eisglätte und Schneetreiben überrascht werden, sollten sie rechtzeitig vor Fahrtbeginn den Wetterbericht prüfen und neben ihrer Kleidung auch die Fahrweise entsprechend anpassen. So steht einem Rad-Vergnügen auch im Winter nichts mehr entgegen. (prh)
















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