31.10.2019 - 18:22 Uhr
Grünau bei Luhe-WildenauOberpfalz

Halber Bauernhof in Schutt und Asche

Das Wohnhaus am Brandort in Grünau bei Luhe ist gerettet. Dafür kämpfen gut 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW. Die Polizei forscht nach der Brandursache und sucht nach dem Brandstifter, der bereits fünf Scheunen anzündete.

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Knöchelhoch steht das Löschwasser im Erdgeschoss des Bauernhofes am Ortsende von Grünau. Kann er je wieder bewohnt werden? Anna M., die Eigentümerin, hat noch keine Antwort. Und so schnell wird es die auch nicht geben. Am Tag nach dem Brand wartet sie noch auf die Ermittler der Kripo. Sie darf nicht zurück auf ihren Hof, damit sie keine Spuren verwischt, die zum Brandstifter führen könnten. "Ich glaub', ich steh' unter Schock", sagt sie und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Vor Ort ist BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Winter. Er versucht, die verzweifelte Bäuerin zu trösten: "Mein Hof ist 1991 abgebrannt. Wir wissen, wie man sich fühlt."

Anna M. lebt seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2004 allein auf der Hofstelle, die sie lange mit der Schwiegermutter betrieben hatte. Ihre Gebäude stammen aus dem Jahr 1949. Aus dem breiten U-förmigen Komplex ist der Verbindungsbau gänzlich herausgerissen: Die mittlere Scheune ist total niedergebrannt, ebenso der Aufbau über dem Stall, aus dem fünf Kälbchen gerettet werden konnten, die ein Nachbar eingestellt hatte.

Ausgebrannt sind der Traktor, das einzige Gefährt der 64-Jährigen, sowie die untergestellten Fahrzeuge eines Schraubers, ein VW Bulli und VW-Passat, aus denen schon vor Jahren die Batterien ausgebaut wurden und die deshalb als Brandursache ausscheiden. Ebenfalls auf dem Hof gelagert waren 120 Stroh-Quadratballen - "die Große". Sie werden hinaus auf die freie Flur gebracht, glimmen dort noch am Nachmittag vor sich hin.

Nach dieser verheerenden Brandnacht hat Anna M. zunächst Unterschlupf bei einem Nachbarn gefunden. Für dessen Zwillinge ist die Alleinstehende längst eine Art ErsatzOmi. Jessika und Benjamin sind seit jeher gern bei der 64-Jährigen. "Ich bin ihr Helferling", meint der 13-Jährige nicht ohne Stolz. Seine Schwester versucht derweil "die Anne" zu trösten, die - wie sie nachts gekommen ist - noch im roten Anorak auf dem letzten Zipfel der Leder-Coach kauert und mit starrem Blick hinüberschaut auf das, was von ihrem Hof übrig geblieben ist. "Wir kümmern uns, dass die Anne jetzt nicht so allein ist", verspricht die 13-Jährige. "Sie gehört doch zu uns."

Hier der Bericht über die letzten vier Brände

Weiden in der Oberpfalz
Kommentar:

Albtraum

Feuerwehren und Bauern durchleben derzeit einen Albtraum. Fünf Wochen, fünf Brände an landwirtschaftlichen Gebäuden. Die Polizei fahndet nach einem Feuerteufel, der seit 27. September seine Brände zwischen Weiden und Luhe legt. Wo und wann schlägt er wieder zu? Der Schaden nähert sich der Millionengrenze. Der Täter hat es auf Scheunen mit Erntevorräten in Allein- oder Ortsrandlage abgesehen. Er löst Großeinsätze aus: Am Donnerstag waren über ein Dutzend Wehren sowie das THW aus Weiden und Schwandorf, mit BRK und Polizei über 150 Personen, in Grünau. Teilweise schufteten die Wehrmänner bei allen fünf Bränden – eine unglaubliche Belastung, die die ehrenamtlichen Helfer von Tirschenreuth bis Pfreimd und Schnaittenbach zu tragen haben.
Zugleich stürzt der Brandstifter Familien ins Unglück, deren Existenzen von jetzt auf gleich bedroht sind. So weiß die Brandleiderin von Grünau nicht, wie es mit ihrem Hof und mit ihr selbst weitergehen wird. Kann die alleinstehende 64-Jährige je in ihr Wohnhaus zurückkehren? Wer bringt das Wasser aus dem Gebäude, wer repariert das Dach? Sie hofft auf den Beistand ihrer Nachbarn. Nicht nur die Kinder vom „Stoindlbauern“ haben bereits gezeigt, dass die Grünauer zusammenhalten.

Josef Johann Wieder

In der Nacht auf Mittwoch hat ein Brand in Rothenstadt einen Jahresvorrat an Stroh und Heu zerstört

Rothenstadt bei Weiden in der Oberpfalz
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Kommentare

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Johannes Lux

Langsam wird es echt brenzlich. Ich habe das Gefühl, dass die Polizei nicht an dem Fall dran ist. Es wird immer nur behauptet man gehe von Brandstiftung aus. Das ist einer von vielen Fällen. Mann muss sich ja fast um die eigene Scheune Sorgen machen. Mittlerweile waren das Fünf Scheunen, die im Raum Neustadt/WN angezündet wurden. Das ist ziemlich beunruhigend.

31.10.2019