15.06.2020 - 11:58 Uhr
Hagendorf bei WaidhausOberpfalz

Hagendorfer finden Schatz

Im christlichen Kirchenjahr ist die österliche Festzeit seit Sonntag beendet. Doch in einem Waidhauser Ortsteil rückt der Auferstandene erneut in den Mittelpunkt.

Etwa die Größe einer Fahne hat das Gemälde mit dem auferstandenen Christus, das die jetzigen Hausbesitzer, Nadine Schiller und Denis Jakob, in ihrem Anwesen in Hagendorf wiederentdecken.
von Josef ForsterProfil

Einen Schatzfund der außergewöhnlichen Art verzeichnete Ortsheimatpfleger und Marktrat Andreas Ringholz in diesen Tagen in seiner fortlaufenden Chronik. Mysteriös wurde das Ganze erst, als sich keinerlei Hinweise auf etwaige Besitzer, den Maler und die eventuelle Verwendung recherchieren ließen.

Doch zurück zum Anfang der Geschichte mit dem besonderen Gemälde. Schließlich beherbergt nicht jede ältere Scheune ein christliches Motiv in einer solchen Größe – und noch dazu verborgen, ja richtig versteckt, in einem Fehlboden im Dachgebälk. Die Entdeckung glückte den jetzigen Besitzern des Anwesens, Nadine Schiller und Denis Jakob.

Als Ringholz von dem Fund erfuhr, war er spontan gerne bereit, bei der Suche nach näheren Details zu helfen. Erste Kontakte mit den bisherigen Vorbesitzern des Anwesens brachten jedoch keinerlei Hinweise. Vielmehr zeigten sich die beiden kontaktierten Familien ebenso perplex von der Fundsache, wie die aktuellen Eigentümer. Mehr noch überraschte ihn, dass in der ganzen Ortschaft niemand von der Existenz des Bildes wusste, „geschweige denn irgend etwas Näheres dazu; nicht einmal eine Vermutung“.

Daraufhin suchte der Ortsheimatpfleger Rat bei Stadtpfarrer Pater Hans Ring in Pleystein, nachdem Hagendorf zur Pfarrei Miesbrunn gehört und diese von der Stadtpfarrei Pleystein aus seit vielen Jahren mitverwaltet wird. Doch es zeigte sich das gleiche Ergebnis, wie bereits in ganz Hagendorf. Auch eine Auskunft bei Pfarrer Georg Hartl in Waidhaus ergab nichts Anderes. Gleiches galt für das Marktarchiv, obwohl Besitzer der neuen Kapelle in Hagendorf die Marktgemeinde Waidhaus ist.

Nun fühlte Ringholz dem Gemälde näher „auf den Zahn“. Die Masse betragen rund 1,70 Meter in der Höhe und 1,20 Meter bei der Breite. Das Motiv des auferstandenen Christus ist hochwertig gemalt in Ölfarben auf echtem Leinen. Am Rand entdeckte der Ortsheimatpfleger zudem Nagellöcher, worin er Hinweise für ein Aufspannen auf einen Holzrahmen deutete. Mit guten Fotos des gefundenen Objekts wandte sich Ringholz zugleich an das Bistum Regensburg, um hier weitergehende Recherchen zu betreiben. Recht lange brauchte der versierte Heimatforscher nicht auf eine Antwort warten. Gemeldet hatte sich mit Dr. Daniel Rimsl der Referent für Inventarisierung und Pflege des kirchlichen Kunstguts von den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg.

Eines stellte der Fachmann gleich am Beginn seiner Expertise fest: „Für die Waidhauser Gegend gibt es leider keine kirchlichen Inventarlisten.“ Doch der weitere Kommentar aus Regensburg hellte die Sache für Ringholz und die derzeitigen Besitzer doch erheblich auf: „Soviel ich anhand der Fotos beurteilen kann, dürfte das Gemälde nicht früher zu datieren sein, als auf das späte 19. Jahrhundert; wahrscheinlicher noch auf das 20. Jahrhundert. Die Darstellung der Auferstehung Christi orientiert sich zwar an barocken Vorbildern, dürfte aber kaum älter als 100 Jahre sein.

Es ist schwierig, die ursprüngliche Funktion zu bestimmen: Das Thema und auch die recht flüchtige Malweise, die für keinen bedeutenden Künstler spricht, legen eine Verwendung im Zusammenhang mit Aufbauten im Zusammenhang mit dem liturgischen Festkreis nahe. Das bekannteste Beispiel dafür sind die Heiligen Gräber. Bei der Auferstehung wurden zwar bevorzugt geschnitzte Figuren eingesetzt, aber eine bemalte Leinwand wäre zumindest nicht auszuschließen. Als Altarblatt dürfte die Leinwand jedenfalls eher nicht gedient haben.“

Mit diesen ersten Informationen möchte sich Ringholz, der auch Vorsitzender des Waidhauser Heimatkundlichen Arbeitskreises ist, noch nicht zufrieden geben. Auch wenn er bereits resümierte: „Recht wertvoll scheint das Gemälde also nicht zu sein.“ Dennoch wäre nicht nur für ihn ganz interessant, wozu es einst diente und fast mehr noch, aus welchem Grund es versteckt wurde. Über etwaige Informationen jeglicher Art, die mehr Licht in die Herkunft des Bildes bringen, wäre der Ortsheimatpfleger deshalb sehr aufgeschlossen. Sollte kein ursprünglicher Besitzer gefunden werden, so wollen die Finder das Gemälde in Kürze der Pfarrgemeinde Waidhaus schenken. „Hier könnte es eventuell mit einem Vermerk für spätere Auffinder auf dem Dachboden der Pfarrkirche deponiert werden“, schlug Ringholz vor.

Neugotischer Grabstein wieder in Waidhaus

Waidhaus
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