Als am Spätnachmittag des 1. Juni der Wetterdienst vor Gewittern mit Starkregen warnte, blieb man in Hahnbach noch gelassen. Doch kurze Zeit später prasselte Starkregen gleichzeitig aus zwei Gewitterzellen und löste eine Flutwelle aus, die vom östlichen 'Teil des Hahnbacher Sattels talwärts dem Ort entgegenraste. „Als ich sah, dass die Staatsstraße und das Gelände des Schäferhundevereins überschwemmt waren, wusste ich, dass da was Größeres auf uns zukommt“, sagt Bürgermeister Bernhard Lindner im Nachhinein.
Seine Angst war berechtigt. Die Flut drückte in den Markt hinein. Am Oberen Marktgraben bildete sich ein Sturzbach, der sich in alle Hinterhöfe der Anwesen ergoss und schließlich durch das Amberger Tor in den Ortskern strömte. Die Folgen für Hahnbach und viele seiner Bürger waren gravierend: komplett unterspülte Straßen, ausgeschwemmte Schotterwege und zerstörte Bäche, zahlreiche vollgelaufene Keller und Garagen, zerstörte Einrichtung in den vor allem betroffenen Häusern an der Hauptstraße und am Oberen Marktgraben, kaputte Heizungen und ausgelaufene Öltanks. Die Ortsdurchfahrt von Hahnbach war total überflutet, die Bundesstraße 14 gesperrt.
Keine Kegelbahn mehr
Ein Vierteljahr nach der Katastrophe sind auf den ersten Blick keine Folgen mehr davon zu sehen. Bei einem Pressegespräch im Rathaus berichteten 2. Bürgermeister Georg Götz und Geschäftsstellenleiterin Sabine Wilde über abgeschlossene Ausbesserungsarbeiten an gemeindeeigenen Straßen, die durch den Einsatz von Fremdfirmen hohe Kosten verursacht hätten. Anders sieht es in vielen der geschädigten Hahnbacher Häuser aus. „Das Sportheim zum Beispiel“, so Georg Götz, „braucht neue Türen, Bodenbeläge, Fliesen und anderes mehr." Im Gasthaus Ritter (Hauptstraße 25) wurde das gesamte Kellergeschoss überflutet. Dem Wasser zum Opfer fiel dabei auch die einzige Hahnbacher Kegelbahn. Seitdem muss der Verein „Sichere Kugel“ in Amberg oder Sulzbach-Rosenberg alle Neune zu Fall bringen. „Wir haben immer noch eine Riesen-Baustelle“, sagt Gastwirt Josef Ritter, ist aber erleichtert, dass finanzielle Hilfen „peu à peu“ kommen und auch die Versicherung keine Probleme macht.
Im Friseursalon Staisch in der Hauptstraße 30 ist das Wasser „hinten rein und vorn wieder raus“, wie Chefin Carola Heindl sagt. Also vom Garten an der Nordseite aus durch das Haus und in die Hauptstraße wieder hinaus. „Im Keller ist die Heizung kaputt, die Photovoltaik, die Elektrik“, beklagt Heindl, „und das Haus ist immer noch nicht trocken." Die mit der Instandsetzung beauftragten Handwerker tun ihr Bestes, lobt sie, „aber es braucht halt seine Zeit“.
Soforthilfe gab es problemlos
Auch Askin Öztürk ist hochwassergeschädigt. Weniger sein kleines türkisches Restaurant in der Hauptstraße 23, sondern vor allem der Keller im Anbau. Er ist vollgelaufen, die dort gelagerten Vorräte wurden vernichtet. Trotz allem hat Öztürk Grund zur Freude: Die Soforthilfe des bayerischen Staats habe er schnell und problemlos erhalten. Herrmann Siegert (Hauptstraße 17) hatte bei allem Unglück auch ein positives Erlebnis. Beim Entsorgen des kaputten Inventars seines überschwemmten Hauses machten zwei fremde Frauen Halt am Gartenzaun. „Nicht zum Gaffen“, erzählt er noch immer gerührt, „sondern zum Helfen." Das Gegenteil hat er nämlich auch erlebt: Sonntäglichen Katastrophentourismus, bei dem ganze Heerscharen neugierig durch seine Straße flanierten.
Was alle Hahnbacher besonders interessiert, ist die Zukunft ihrer Apotheke. Schwer getroffen steht das Haus am Ortseingang seit der Flut leer. Die gesamte Inneneinrichtung samt EDV ist dem Hochwasser zum Opfer gefallen. Nun gibt es eine gute Nachricht: Die St. Anna-Apotheke wird wieder eröffnet, und zwar am 2. November in der Hauptstraße 12. „Nach langer Ungewissheit ist es uns endlich gelungen, geeignete Räume in guter Lage zu finden“, teilt Apothekerin Ingrid Leipold dazu mit. Sie bedankt sich für das geduldige Warten und das Vertrauen der Patienten; hofft, dass alles klappt, und freut sich, mit ihrer Apotheke bald wieder in Hahnbach vertreten zu sein.
Analyse-Gespräch geplant
Zur finanziellen Entschädigung weist Sabine Wilde auf die schnelle Hilfe des Freistaates hin. „Jeder Geschädigte kann am Landratsamt Soforthilfe beantragen“, informiert sie. "Das sind 5000 Euro für Elementar-Versicherte, die Hälfte für jene ohne diesen Schutz." Bürgermeister Götz kündigt ein Analyse-Gespräch in Sachen Unwetter an, zusammen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung, dem Wasserwirtschaftsamt, der Naturschutzbehörde und dem Landratsamt. „Im Entstehen ist auch ein Sturzflut-Risiko-Management“, berichtet er. Dieses habe den Auftrag, Vorsorgemaßnahmen für die Zukunft zu erarbeiten. „Eine einfache davon haben wir erfolgreich durchgeführt“, trägt Sabine Wilde zu diesem Thema bei. „Rund 100 Hauseigentümer haben unser kostenloses Sandsäcke-Angebot genutzt und mehr als 4000 Sandsäcke bestellt, die in Kürze geliefert werden."
Im Nachhinein hatte das Hochwasser in Hahnbach auch positive Auswirkungen. Viele Menschen trugen dazu bei, dass es bei der Flutkatastrophe keine Toten oder Verletzten gegeben hat. Bürgermeister Götz dankte erneut den vielen Helfern im Nachbarn- und Freundeskreis, vor allem aber auch den mehr als 100 Feuerwehrleuten und Rettungskräften, die in dieser langen Nacht im Einsatz waren, darunter Wasserwacht, BRK, Technisches Hilfswerk und der örtliche Bauhof.
Das können die Kommunen tun
- Erstellung von Gefährdungskarten, Notfallplänen, Maßnahmenkatalogen
- Einbindung aller relevanten Ressorts, Verbände und Grundstücksbesitzer
- Sensibilisierung für und Information über das Thema Starkregen




















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