14.08.2019 - 17:40 Uhr
HahnbachOberpfalz

Erinnerungen an das Kriegsende auf dem Frohnberg

Hans Lobenhofer (Jahrgang 1939), der auf dem Frohnberg aufgewachsen ist, erinnert sich noch gut an das Kriegsende 1945 und einige höchst dramatische Szenen:

Die Frohnbergkirche heute. In Hans Lobenhofers Kindheit spielte sie auch schon eine Rolle: Seine Eltern hatten damals die Wirtschaft nebenan gepachtet.
von Autor MMAProfil

"Wir waren alle auf dem Berg, als plötzlich ein Jeep mit deutschen Soldaten mit weiblicher Begleitung vor dem Haus stand. Die Soldaten zwangen meine Mutter, das ganze Inventar aus einem kleinen Schuppen zu entfernen, da sie dort ihr Fahrzeug parken wollten."

Ein Jeep voll Lebensmittel

Ergebnis: "Da flogen Matratzen, Bettzeug und manches Mobiliar heraus und der Jeep wurde unter Dach gefahren. Was wir vorher schon ahnten, sahen wir jetzt genau: Der Jeep war voller Lebensmittel, von oben bis unten! Einer der Soldaten fuhr meine Mutter frech an, sie solle sofort für ihn und seine Begleitung Kaffeewasser aufsetzen, hier wär der Kaffee dazu."

"Als im fast gleichen Augenblick zudem die Tür aufging und ein verwundeter deutscher Landser die Stube betrat, bezichtigte ihn der Soldat sofort als ausgerissenen Feigling. Die Situation spitzte sich zu und wir Kinder bekamen es immer mehr mit der Angst: Schließlich hatten die Soldaten ja ständig ihre Gewehre im Anschlag. Die Erlösung nahte, als der Verwundete und nur notdürftig Versorgte vorbildlich Meldung machte er sei der einzige Überlebende eines amerikanischen Angriffs bei Unterschwaig und die amerikanische Armee schon im Anmarsch."

Da, so erinnert sich Lobenhofer, "änderte sich blitzschnell das Mienenspiel der Soldaten, sie ergriffen panisch die Flucht und brausten davon. Es dauerte nicht lange, da kam ein Trupp deutscher Soldaten mit zwei verwundeten, gefangenen Amerikanern hungrig in die Wirtsstube und bat um Essen. Als wir ihnen von dem Jeep erzählten, wussten sie sofort, dass dies wohl ,das Kameradenschwein Hugo' gewesen sei, der ihre Verpflegung gestohlen hatte."

Unverhofftes Wiedersehen

Einmal seien vom Stammlager für Kriegsgefangene aus Sulzbach ein Belgier und ein Franzose mit deutschen Bewachern auf den Frohnberg gekommen, erinnert sich Lobenhofer. "Doch plötzlich war einer der Zwangsarbeiter verschwunden. Da bekamen es die deutschen Soldaten mit der Angst, ließen ihre Waffen liegen und lösten sich in Kleingruppen auf. Kurz darauf erreichten amerikanische Soldaten die Wirtsstube und durchsuchten das Haus. Plötzlich schlug die Stimmung um und gab es ein freudiges Hallo: Ein Amerikaner und der Franzose fielen sich um den Hals. Sie konnten kaum glauben, dass sie sich nach ihrem gemeinsamen Studium in London nach so vielen Jahre wiedergefunden hatten."

Interview mit Hans Lobenhofer

Hahnbach
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