14.08.2019 - 17:22 Uhr
HahnbachOberpfalz

Hans Lobenhofers Kindheit auf dem Frohnberg

Manch bemerkenswerte Geschichte rankt sich um den Frohnberg. Hans Lobenhofer kann eine davon erzählen. Aus eigener Erinnerung an seine Kindheit. Darin haben auch ein Stück Wurst und eine Goaß ihren Platz.

Hans Lobenhofer verbrachte seine Kindheit auf dem Frohnberg
von Autor MMAProfil

Hans Lobenhofer wurde am 4. April 1939 geboren. Er ist als Bub auf dem Frohnberg aufgewachsen. Und erzählt davon in einem Interview.

ONETZ: Ihre Eltern haben 1942 Haus und Wirtschaft auf dem Frohnberg gepachtet. Aber Ihre Mutter führte dort das Regiment. Warum?

Hans Lobenhofer: Meine Mutter, Elisabeth Wendl, ist in Rosenberg aufgewachsen und war dann in Pickenricht, Kümmersbuch und Hahnbach in Stellung. Kurz nach der Hochzeit mit Baptist Lobenhofer kam 1935 mein ältester Bruder Josef zu Welt. Sehr schwierig wurde es für sier, als 1937 Tochter Gretl im Säuglingsalter starb, ich am 4. April 1939 zur Welt kam und ihr Mann im gleichen Jahr zum Polen-Feldzug eingezogen wurde. Dank eines kurzen Fronturlaubs kam am 6. Oktober 1941 mein Bruder Konrad zur Welt. Meine Mutter, die allerhand von Landwirtschaft und Haushalten verstand, entschied sich damals nach reiflicher Überlegung mit meinem Vater die Frohnbergwirtschaft zu pachten.

ONETZ: Aber Ihr Vater war ja die meiste Zeit gar nicht da...

Hans Lobenhofer: Ja, das stimmt. Er war sechs Jahre im Krieg und danach wussten wir lange nicht, ob er noch lebt. Wir hatten von ihm das letzte Mal von der Ostsee gehört und dass er auf dem Heimweg sei. Natürlich erfuhren wir auch vom Untergang der Gustloff und den schlimmen Zuständen in Gefangenenlagern. Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben. Wir schwankten ständig zwischen Vorstellungen von einem hungernden oder ertrunkenen Vater, als das Wunder geschah.

ONETZ: Ihr Vater kam heil zurück?

Hans Lobenhofer: Ja, und zu unserer Riesenüberraschung mit einer großen Rohwurst im Rucksack. Er war in englischer Gefangenschaft in Schleswig-Holstein gewesen. Dort hatte er ein ehemaliges deutsches Depot zu bewachen. Unter anderem gab es darin auch noch reichlich zu essen. Aber natürlich nicht für die Gefangenen.

Ja mei. Ich glaub', er hat erzählt, dass von dem Depot da halt ein paar Bretter entfernt werden mussten und schon konnte man etwas stibitzen. Entlassen aus der Gefangenschaft, war es für ihn durch ausfallende Züge und weitere Schwierigkeiten doch ein ziemliches Problem, vom hohen Norden zu uns in die Oberpfalz zu kommen.

ONETZ: Daher die Wurst?

Hans Lobenhofer: Ja mei. Ich glaub', er hat erzählt, dass von dem Depot da halt ein paar Bretter entfernt werden mussten und schon konnte man etwas stibitzen. Entlassen aus der Gefangenschaft, war es für ihn durch ausfallende Züge und weitere Schwierigkeiten doch ein ziemliches Problem, vom hohen Norden zu uns in die Oberpfalz zu kommen.

Oh nein, ganz und gar nicht. Ich war sechs Jahre alt und als ich nach Hause kam, sah ich einen fremden Mann an unserem Tisch sitzen und essen. Ich zog meine Mutter am Schürzenzipfel und fragte: Welcher Mann isst da unser Essen zamm?

ONETZ: Haben Sie Ihren Vater sofort erkannt?

Hans Lobenhofer: Oh nein, ganz und gar nicht. Ich war sechs Jahre alt und als ich nach Hause kam, sah ich einen fremden Mann an unserem Tisch sitzen und essen. Ich zog meine Mutter am Schürzenzipfel und fragte: Welcher Mann isst da unser Essen zamm?

ONETZ: Wie war denn Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater?

Hans Lobenhofer: Für damalige Umstände ganz normal. Wenn wir etwas angestellt hatten, oder vom Laib Brot, den wir in Hahnbach holen mussten, geknabbert hatten, gab's prompt a paar Schelln, saftige Ohrfeigen also. Als ich dann nach Rosenberg in die Maxhütte in die Dreher-Lehre ging, ging ich oft mit meinem Vater, der dort Stahlwerkhandwerker war, gemeinsam die Kilometer durch den Wald. Das verband uns zwangsläufig.

ONETZ: Wie viele Kinder waren Sie denn schließlich auf dem Frohnberg?

Hans Lobenhofer: Während des Kriegs waren wir dort zu dritt und nach dem Krieg kamen am 17. Mai 1946 meine Schwester Anneliese, am 7. August 1950 mein Bruder Richard und am 23. August 1954 meine Schwester Barbara dazu.

ONETZ: Ihre Mutter hatte eine Kuh, Hühner, zwei Schafe und eine Ziege. Ziegen sind ja oft recht frech. War das Ihre auch?

Hans Lobenhofer: Und wie! Für den Gottesdienst nach einer Flurprozession hatten am Vorabend die Hahnbacher Klosterschwestern den Altarraum festlich mit Blumen geschmückt. Meine Mutter hatte als Pflicht, die Kirchenglocken zu läuten, sobald die ersten Pilger zu sehen waren. Dies war, wie heute noch, händisch zu erledigen. Aber was sah sie vom Turmeingang aus? Unsere Goaß zupfte genüsslich am Kirchenschmuck und hinterließ zudem ihre "Kaffeebohnen" in der Apsis. Meine Mutter ließ in Panik gleich das Läuten sein, verscheuchte das Mistvieh, richtete die recht zerzausten Blumensträuße ein wenig zurecht und kehrte die Exkremente schnell unter den Altarteppich.

ONETZ: Wie haben die Schwestern darauf reagiert?

Hans Lobenhofer: Sie haben schon recht verwundert ihre "neue Dekoration" angeschaut. Die Popperla haben sie natürlich nicht gesehen. Und zum recht kurzen Willkommensgeläut haben sie sich, glaub' ich, gar nicht geäußert.

Kindeheitserinnerungen an das Ende des Krieges

Hahnbach
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