18.08.2019 - 16:12 Uhr
HahnbachOberpfalz

Als auf dem Frohnberg das Wasser ausging

Das karge Leben auf dem Frohnberg prägte seine Kindheit: Hans Lobenhofer, der dieses Jahr 80 Jahre alt geworden ist, ist hier aufgewachsen. Und kann einiges erzählen aus jener Zeit.

Detailansicht des "Miets-Vertrags" zwischen Hans Lobenhofers Eltern und dem Hahnbacher Bürgermeister.
von Autor MMAProfil

Dazu präsentiert Lobenhofer den Mietvertrag, den seine Eltern am 6. Oktober 1942 mit dem Bürgermeister des Marktes Hahnbach geschlossen haben. Interessant sind die Vereinbarungen zwischen dem Stahlwerk-Arbeiter Baptist Lobenhofer und seiner Elisabeth, einer geborenen Wendl. So heißt es unter anderem: "Die erstmalige und laufende Tünchung der Wohnung sowie die Reparaturen der Öfen und sonstiger Kleinigkeiten hat der Mieter zu tragen."

Hans Lobenhofer, heute 80 Jahre alt, verbrachte seine Kindheit auf dem Frohnberg.

Blüten abreißen verboten

Doch damit nicht genug: "Er ist verpflichtet, den gemeindlichen Grund auf dem Berg und die darauf stehenden Laub- und Obstbäume zu schützen, unbefugtes Abreißen der Lindenblüten zu verhindern und die Umgebung der Klause sowie den gemeindlichen Grund stets in sauberem Zustand zu erhalten. Er hat die Auffahrt des hinteren Bergweges mit zu unterhalten und insbesondere die Wasserrinnen laufend in Schuss zu halten, die auf dem Bergweg sowohl hinten und bei den Stufenaufgang links und rechts angebracht sind."

Ein paar Zugeständnisse bekommt der Mieter aber auch: "Er hat dagegen die Begünstigung, dass er das Obst der Bäume unentgeltlich abnehmen und den Gemeindegrund zu Graszwecken benützen darf. Er kann auch sein Vieh darauf weiden lassen, soweit es keine Störungen macht. Während des Bergfestes allerdings nicht. Es ist ihm auch gestattet, die Bierschenke zu betreiben, soweit er die Genehmigung seitens des Staates erhält (...). Für Wasserentnahme und Wasserversorgung hat er selbst Sorge zu tragen. Ein Brunnen steht ihm behelfsmäßig zur Verfügung."

Die Sach' mit dem Brunnen

Der Brunnen, "des war so eine Sach'", berichtet Hans Lobenhofer. Noch heute kann man die Abdeckung an der Apsis im Osten der Wallfahrtskirche sehen. Der Brunnen hat eine Tiefe von 40 bis 50 Meter, was für ein Kind natürlich "unendlich tief" sei. Es handelte sich um einen Ziehbrunnen mit zwei sich begegnenden Eimern.

"Wir mussten zum Wasserholen immer zu zweit sein", erinnert sich Lobenhofer: Die vollen Eimer waren schwer und es brauchte viel Geschick, den vollen Behälter zum Rand zu bugsieren. Zuerst musste er gesichert werden, dann war eine Gegendrehung zu vollziehen und schließlich konnte man den Kübel herausziehen und zur Mutter bringen. "Richtig schlimm war es aber erst, als 1947 und 1948 die Sommer extrem trocken waren und der Brunnen total versiegte." Zuerst holten die Buben Wasser mit Kanistern aus dem Dürnberg im Westen des Tafelberges. "Gott sei Dank aber hatten wir die Köper-Tante", sagt Lobenhofer - "denn die hatte eine Milchsammelstelle und von ihr bekamen wir ausgediente Milchkannen."

Der alte Mietvertrag ist heute ein historisches Dokument.

Kuh als Transporttier

Als die vom Vater grob gefasst Dürnbergquelle immer trüberes Wasser lieferte, fuhren die Buben mit einer Kuh und einem Wägelchen mit den großen Kannen zum Wasserholen nach Kümmersbuch. Der Bergweg dorthin war steil. Sehr steil. Lobenhofer weiß noch: "Er war doppelt so steil wie jetzt dieser sanfte Aufstieg." Dies hatte dann oft zur Folge, dass die Kübel sich selbstständig machten und den Hang hinabrollten, wo sie wieder eingesammelt werden mussten. In Kümmersbuch reinigte man sie und befüllte sie mit dem Brunnenwasser an der dortigen Mühle.

Dann hieß es für die Buben: erstmal erholsames Baden in der Vils. Mit den vollen Milchkannen auf dem Wagen aber hätte es die Kuh "nie und nimmer auf den Berg zurück geschafft". Ein ziemlicher Umweg über einen Feldweg im Süden des Frohnbergs war die einzige Lösung. "Von der Sulzbacher Seite her" erreichte die Fuhre schließlich die wartende Mutter. Dieses Wasserholen für Küche, Haushalt, Wirtschaft und Tiere hatten die Buben je nach Witterung zwei bis dreimal die Woche zu bewerkstelligen - neben all den anderen Arbeiten, die zu erledigen waren.

Was war das für eine Freude, als 1949 im Norden, am Fuß des Frohnbergs Eduard Winter einen nahen Brunnen erfolgreich grub und sich der Wasserschleppweg drastisch verkürzte. Wer heute die Treppen den Berg hinauf keucht, kann sich vielleicht vorstellen, was die Jungs damals trotz allem noch zu schleppen hatten.

Ein Zeichnung der Frohnbergkirche mit Klause von 1941.
Info:

Die Äpfel vom Frohnberg

Hans Lobenhofer (geboren am 4. April 1939) erinnert sich noch ganz genau ans erste Frohnbergfest, bei dem es neben Gottesdiensten auch Einkehrmöglichkeiten gab:

Es war 1948. Kaum dass es die erste Währung gegeben hatte, konnte man erstmals auf dem Frohnberg in der Wallfahrtswoche auch einkehren. Rund um die Kirche gab es verschiedene Bierbuden und bald auch Stände mit Rosenkränzen und Süßem. Die Auswahl beim Schöller, dem Berger oder der Laura war zwar mit Waffelbruch, Schaumwaffeln, Makronen und Bärndreck (Lakritz), recht übersichtlich: „Aber für 20 Pfennig konnte man sich da schon etwas aussuchen“, freut sich Hans Lobenhofer heute noch.

Nach dem Frohnbergfest ging auch gleich die Obstwache auf dem Berg los. Da auch in Hahnbach viele mittellose Flüchtlinge einquartiert wurden, war unbewachtes Obst sehr schnell verschwunden. Einer, der einige Obstbäume auf dem Frohnberg hatte, ließ sich zum Bewachen sogar einen dicken Sessel in seine Plantage stellen, um dort selbst mögliche Apfeldiebe abzuschrecken oder gar festzuhalten und zu bestrafen. Hans Lobenhofer erzählt, dass es vor allem die bereits im August reifen guten Grafensteiner-Äpfel waren, auf die es er und seine Geschwister abgesehen hatten.

Aber wie an sie herankommen, bei der Dauerbewachung? Zuerst hieß es einmal: abwarten, bis der Bauer eingeschlafen war. Dann schnell einen Holzprügel in den Baum werfen und sich verstecken. Als der Wächter von den Geräuschen des Holzscheits und der herabfallenden Äpfel aufwachte, und sich umsah, war da natürlich keiner zu entdecken. Also hieß es: geduldig und still warten, bis er wieder in seinem bequemen Sessel eingeschlafen war. Dann flugs so viele Äpfel wie möglich ins Hemd gestopft, fest zugehalten und nichts wie weg! Es waren die besten Äpfel des ganzen Jahres, sagt Lobenhofer schmunzelnd. Und man hat den Eindruck, dass ihm dabei noch heute das Wasser im Mund zusammenläuft.

Kindheitserinnerungen an den Frohnberg

Hahnbach

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