05.11.2021 - 14:36 Uhr
HahnbachOberpfalz

Fast 1000 Seiten pralle Geschichte aus 900 Jahren Hahnbach

Sogar ein handfester Politkrimi ist in diesem Werk zu finden: Zur Erstnennung von Hahnbach vor 900 Jahren hat der Historiker Dr. Josef Weiß-Cemus jetzt sein „Quellen- und Geschichtenbuch“ präsentiert

von Autor MMAProfil

Nach sieben Jahren Arbeit ist sein Buch fertig – natürlich nicht ganz zufällig zum Jubiläum "900 Jahre Erstnennung von Hahnbach" am 6. November. Der gebürtige Dürnsrichter Dr. Josef Weiß-Cemus hat dem Hahnbacher Bürgermeister Bernhard Lindner und Heimatpflegerin Marianne Moosburger jetzt sein „Quellen- und Geschichtenbuch“ vorgestellt. Das in jeder Hinsicht gewichtige Ergebnis jahrzehntelangen Forschens des promovierten Historikers in Archiven und Bibliotheken. Das gebundene Buch ist ein unerschöpfliches Reservoir von Schicksalen, Dramen, prall gefülltem Leben und sicher auch Zuneigung, Empathie und Liebe. Originale Quellenausschnitte, historische Schlaglichter mit beispielhaften Ereignissen aus dem Markt lassen Geschichte lebendig werden.

Weiß-Cemus sieht seine Chronik als Nachschlagewerk, als Pool oder Puzzle zum selbstständigen Zusammensetzen, aber auch als Anregung, selber Spuren zu suchen. Hilfreich und übersichtlich sind dabei das elfseitige Glossar mit Erklärungen zu Fachausdrücken und das weiterführende Literaturverzeichnis. Einwohnerlisten, Steuer-, Musterung-, Huldigungs- und Schadenslisten – das alles betrifft Menschen. Einfache Menschen, deren Namen und Existenz sonst keinen Niederschlag in den Akten fanden.

Tragische Schicksale

Es fehlt auch nicht an Anekdoten, plastischen Schilderungen über das Leben der damaligen Bürger und Inwohner (Mietleute) im Markt, deren Konflikte untereinander und mit der Obrigkeit. Schicksale der Menschen werden so deutlich und lebendig. Zum Beispiel als die Fleischhacker untereinander stritten, oder wie ihre Arbeit und ihre Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung mit frischen Fleisch aussahen. Oder ihr Zwist mit den Fleischbeschauern und dem abschließenden Vergleich.

Da tauchen aus der Geschichte auch tragische Schicksale auf, wie ein schlimmer Streit mit Nachkommen oder den der brauenden Bürger. Immer wichtig war für den Markt auch die Brücke über die Vils, auf der sich unter anderem heftigste Schlägereien abspielten. Auch „unbotmäßiges Verhalten“, die Probleme des Gerichtsdieners und sogar ein handfester Politkrimi mit hohen Bestechungssummen ist geboten. Historische Kuriositäten wie die Verhaftung des Bürgermeistersohns 1637 wegen Gelddiebstahls finden sich – oder die Episode, als 1639 Bürgermeister Martin Gleich Opfer eines Überfalls von Soldaten wurde.

Schwer Lesbares aufbereitet

Viele Originalunterschriften entdeckt man in bester Druckqualität, auch eine ausgiebige Beschreibung der Fluren um den Frohnberg und den Markt gibt es. Schwer zu entziffernde Rott- und Musterungsregister zu Beginn des 17. Jahrhundert, auch für umliegende Vogteiorte, hat der Historiker transkribiert und bietet so bestens aufbereitete Vorlagen, nicht nur für Familienforscher.

Interessant ist die Quellendedition für alle Hahnbacher, die Interesse an ihrer persönlichen Geschichte und/oder der Vergangenheit ihres Hauses und Hofes haben. Aber auch für ehemalige Hahnbacher, die sich für ihre Herkunft und das Schicksal ihrer Vorfahren interessieren. Und natürlich auch für alle, die Interesse an der näheren und weiteren Heimat- und Regionalgeschichte haben, oder heimatgeschichtlich oder wissenschaftlich über die Region Amberg arbeiten – zum Beispiel wegen der nun gut lesbaren Steuer-, Musterungs- oder Gilt-, sprich Steuerlisten.

Interview mit Autor Dr. Josef Weiß-Cemus zu seiner Hahnbach-Chronik

Hahnbach

 

 

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