17.10.2021 - 14:00 Uhr
HahnbachOberpfalz

Von Frohnberg-Geist bis Radlträger: Geschichten aus Hahnbach mit Marianne Moosburger

Wie kam der Hahn in den Bach? Und welcher Geist spukt auf dem Frohnberg? Heimatpflegerin Marianne Moosburger kennt viele Geschichten über Hahnbach. Eine Reise zu den besonderen Orten in dem Markt im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Heimatpflegerin Marianne Moosburger kennt viele Geschichten über den Markt Hahnbach im Landkreis Amberg-Sulzbach. Auch die vom Radlträger-Denkmal und den schlechten Straßen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Rund um den Hahnbacher Frohnberg ranken sich viele Legenden. Eine davon ist die der weißen Frau. Heimatpflegerin Marianne Moosburger weiß: "Angeblich hütet sie einen Schatz, man müsste sie nur ansprechen. Aber das traut sich natürlich keiner", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Die Hahnbacher Heimatpflegerin hat sich im Dirndl in Schale geschmissen und spaziert an diesem sonnigen Herbsttag über den Frohnberg. Schnell wird klar: Erzählungen wie die von der weißen Frau und Fakten über die Geschichte von Hahnbach kennt Marianne Moosburger einige.

25 Meter hoher Turm auf dem Frohnberg

"Der Frohnberg ist für mich ein ganz besonderer Ort. Er hat viel spirituelles und menschliches zu bieten", erklärt sie ihre Begeisterung für den höchsten Punkt des Marktes. Hahnbach selbst hat etwa 5000 Einwohner und liegt rund zehn Kilometer nordöstlich von Sulzbach-Rosenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Vor der Frohnbergkirche sprudelt es nur so aus der Heimatpflegerin heraus. "Diese große Kirche stand hier noch nicht immer. Sie wurde im 18. Jahrhundert gebaut und hat sogar drei Todesopfer gefordert als im nahe gelegenen Steinbruch drei Arbeiter ums Leben gekommen sind. Die haben Steine für den 25 Meter hohen Turm geschlagen." 2019 wird Moosburger Heimatpflegerin für den Markt. Ganz offiziell widmet sie sich seitdem einer ihrer großen Leidenschaften: Der Historie von Hahnbach.

Die Legende vom Frohnberg-Geist

Bei dem Spaziergang über den Frohnberg fällt ihr bei fast jeder Ecke eine Anekdote ein. Bei der kleinen Lourdeskapelle zeigt sie zum Beispiel auf die Sandsteinsäulen am Rand. "Das sind die ältesten erhaltenen Teile der alten Petruskapelle, die hier auf dem Frohnberg zu finden sind." Als hätte sie nie etwas anderes gemacht, gehen ihr die Geschichten über die Lippen. Auch die vom Frohnberg-Geist. Damit der erscheint, ist es an diesem sonnigen Tag aber noch etwas zu früh. "Wenn die Sonne noch weiter nach Westen sinkt, werfen die Lisenen Schatten an die Wand.

Diese sehen im Profil aus wie der Komponist Wagner. Und dieser Frohnberg-Geist zahlt einem angeblich die Zeche in der Bergwirtschaft - wenn man ihn erlöst." Die Heimatpflegerin erzählt von den berühmten Leuten, die auf dem Frohnberg beherbergt wurden, wie Kaiser Barbarossa, und wie eigentlich die Wirtschaft entstand.

Das Radlträger-Denkmal

Nächster Halt: Das Radlträger-Denkmal. Das zeigt einen Mann, der ein Rad schultert und steht am Ortsausgang Richtung Gebenbach vor dem Oberen Tor. "Dass die Hahnbacher Humor haben und sich auch selbst auf den Arm nehmen können, beweist dieses Denkmal." Den historischen Hintergrund hat Marianne Moosburger natürlich parat:

"Bis Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in Hahnbach extrem schlechte Straßen mit Feldsteinen als Pflaster. Den Hahnbachern kam das aber gerade recht, um beim Pfarrer und Bürgermeister nicht so viel bezahlen zu müssen. Schließlich müssten sie sparen aufs nächste Pflaster." Oft sei es deshalb auch zu handfesten Raufereien gekommen.

"Wie die Jungfrau zum Kinde"

Bei ihren Erklärungen strahlt Marianne Moosburger übers ganze Gesicht. Dabei kam sie zu ihrem Job als Heimatpflegerin eher "wie die Jungfrau zum Kinde", sagt sie selbst. "Ich hab mich schon immer für Geschichte interessiert, bin in Amberg auch Stadtführerin und Hahnbach mag ich einfach. Das Tolle hier ist das Dazwischen." Der Ort sei keine Stadt aber auch kein Dorf, nicht ganz flach aber auch nicht zu hügelig, man kenne sich, aber sei trotzdem noch privat. "Das ist, was mir so an Hahnbach gefällt."

2021 feiert der Markt Hahnbach zudem ein ganz besonderes Jubiläum: Wie Moosburger erklärt, wurde Hahnbach 1121 erstmals urkundlich erwähnt. Nach den ganzen Erzählungen bleibt bei einem Halt auf der Gockelwiese noch eine Frage offen: Was hat es überhaupt mit dem Ortsnamen auf sich? Hat vor vielen Jahren einmal ein Hahn in der Vils gebadet? "So ganz genau wissen wir das nicht", erklärt Marianne Moosburger, "es kann tatsächlich etwas mit einem Hahn zu tun haben. Es gibt aber auch das alte Geschlecht der Hannbecken oder es war ganz einfach ein Hanno der Begründer von dem Ort."

Suche nach Wirtshausgeschichten

Im Wappen von Hahnbach wird der Ortsname zumindest deutlich, es zeigt einen Hahn und einen Bach, darüber einen Balken mit den bayerischen Rauten. "Das ist ein sogenanntes redendes Wappen", erklärt Moosburger. "Das älteste für alle sichtbare Wappen mit einem Hahn findet sich in Kastl in der Kirche."

Viele der geschichtlichen Infos findet man in der Chronik von Hahnbach, verrät Marianne Moosburger Auch selbst begibt sie sich gern auf die Suche nach guten Geschichten. Momentan sammelt sie Wirtshausgeschichten. "Ich sprech' dazu mit vielen Leuten, fahr herum und suche alte Bilder. Ich find' das einfach total spannend."

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Hahnbach hat ein sogenanntes "redendes" Wappen.
Der Turm der Frohnbergkirche in Hahnbach ist rund 25 Meter hoch. Auch zum Frohnberg kennt Marianne Moosburger viele Geschichten.
Hintergrund:

Über Hahnbach

  • Markt im Landkreis Amberg-Sulzbach
  • Liegt etwa 65 Kilometer östlich von Nürnberg und rund zehn Kilometer nordöstlich von Sulzbach-Rosenberg
  • Circa 5000 Einwohner
  • Durch den Ort fließt die Vils
  • Hahnbach besitzt ein sogenanntes "redendes Wappen", das den Ortsnamen – einen Hahn und einen Bach – zeigt
  • 1121 wurde Hahnbach erstmals erwähnt, 2021 feiert der Markt 900-jähriges Jubiläum
Info:

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