22.01.2019 - 15:59 Uhr
HahnbachOberpfalz

Für Musik ist es nie zu spät

Ob Posaune, Schlagzeug oder Klarinette - ein Instrument zu lernen ist schwer - vor allem für Erwachsene. Seit zwei Jahren leitet Regina Rester-Achhammer dafür in Hahnbach eine besondere Musikgruppe.

Im Erwachsenenalter mit dem Erlernen eines Instruments beginnen und mit Gleichgesinnten von Anfang an in der Gruppe zusammenspielen – das wird in Hahnbach erfolgreich praktiziert.
von Doris MayerProfil

Ein Instrument zu erlernen - ein Wunsch vieler musikbegeisterter Erwachsener. Doch dann kommen Zweifel, ob das "in dem Alter" noch möglich ist. Musiklehrerin Regina Rester-Achhammer wischt alle Bedenken beiseite: "Erwachsene Musikschüler zeichnen sich durch Begeisterung und Fleiß aus. Und das ist die Grundlage für ein erfolgreiches Lernen."

Rester-Achhammer ist Initiatorin der "Spätzünder", einer Gruppe "spätberufener Musikschüler" der Hahnbacher Marktbläser. Dass Musikunterricht positive Effekte bei der Entwicklung von Kindern mit sich bringt, ist bereits bekannt. Wie aber verhält es sich, wenn Menschen im Erwachsenenalter beginnen, ein Instrument zu lernen? Die Musikprofessorin Jennifer Bugos der University of South Florida hat laut eines Berichts der National Geographic die Auswirkungen von Klavierunterricht auf Erwachsene im Alter von 60 bis 84 Jahren untersucht.

Positive Wirkung

Bereits nach sechs Monaten haben die Teilnehmer, im Vergleich mit einer Kontrollgruppe ohne Musikunterricht, Verbesserungen bei der Gedächtnisleistung, Wortfindung, Informationsverarbeitung, Planungsfähigkeit und anderen kognitiven Funktionen gezeigt.

Bugos' Fazit: "Musikunterricht scheint eine positive Wirkung zu haben, ganz egal, in welchem Alter man damit beginnt. Darin sind alle Bestandteile eines kognitiven Trainingsprogramms enthalten, die manchmal vernachlässigt werden. Genauso wie wir unseren Körper trainieren, sollten wir auch unseren Geist trainieren."

Die Musiklehrerin Regina Rester-Achhammer leitet bereits seit acht Jahren in Hahnbach Bläserklassen für Kinder. "In meiner Ausbildung in Hammelburg wurde uns auch das Konzept von Bläserklassen für reifere Jahrgänge vorgestellt", erklärt sie. "Da immer wieder Erwachsene interessiert waren, ein Instrument zu lernen, haben wir öffentlich zu einem Infoabend eingeladen. Die 16 Interessenten von damals sind nun seit Jahren regelmäßig dabei", freut sich die Dirigentin.

Erwachsene Musikschüler zeichnen sich durch Begeisterung und Fleiß aus. Und das ist die Grundlage für ein erfolgreiches Lernen.

Regina Rester-Achhammer, Dirigentin und Musiklehrerin

Die Erwachsenen ab Mitte 40 lernen bei einem ausgebildeten Lehrer ihr Wunschinstrument. Zudem treffen sie sich einmal wöchentlich zu einer gemeinsamen Ensemble-Probe im Probenraum der Hahnbacher Marktbläser. "Wir spielen mal traditionelle Musik oder umrahmen auch Gottesdienste musikalisch. Am besten aber kommen bei den Musikern die modernen Stücke an", sagt die Dirigentin.

Stolz auf Schüler

Über die Leistungen ihrer Schüler äußert sie stolz: "Inzwischen haben einige von Ihnen schon Abzeichen abgelegt und erste öffentliche Auftritte zusammen mit dem ,Nachwux', oder dem großen Orchester absolviert. Ein Glücksfall ist, dass sich alle Beteiligten sehr gut verstehen und viel Spaß zusammen haben."

Schlagzeugerin Ingrid Wankerl ist begeistert dabei. "Ich wollte immer schon Schlagzeug oder Saxofon lernen. Da kam das Angebot von Regina gerade zur rechten Zeit", sagt sie. "Da das Schlagzeug unseres Sohnes noch zu Hause stand, entschied ich mich dafür. Beim Unterricht und auch dem Spielen in der Gruppe werde ich unheimlich gefordert. Ich hatte keinerlei Vorerfahrung und musste von den Noten an alles erst lernen. Mir macht es aber unheimlich Spaß und ich habe sehr viel Ehrgeiz", erklärt sie.

Der Einstieg fiel Wolfgang Rauch schon leichter. Früher lernte er Geige und spielte viele Jahre lang Gitarre. Ein anderes Instrument zu lernen reizte ihn, gerade ein Blasinstrument. "Als ich den Aufruf zu der Bläserklasse der Erwachsenen las, war ich sofort dabei. Die Möglichkeit mit anderen Menschen reiferen Alters gemeinsam zu beginnen und von Anfang an zusammen zu spielen, ist sehr motivierend", betont der begeisterte Musiker.

Von Familie animiert

Doris Hofmann erklärt: "Alle meine Familienmitglieder spielen ein Instrument und sind bei den Hahnbacher Marktbläsern." Ehemann und Kinder bewegten sie schließlich auch, sich bei der Bläserklasse anzumelden. Seitdem lernt sie Querflöte. "Vorher habe ich die Kinder immer zum Üben angehalten, inzwischen haben sie den Spieß umgedreht", sagt sie augenzwinkernd.

Martin Merkl hört seit zehn Jahren moderne Blasmusik. Der Klang der Tuba hat es ihm besonders angetan. "Vor etwa fünf Jahren schenkten meine Kinder mir eine Unterrichtsstunde in Tuba. Als ich später von Reginas Projekt mit der Erwachsenen-Bläserklasse erfahren habe, war ich sofort dabei." Er findet, wie auch die anderen, die gemeinsamen Proben besonders wertvoll.

Ebenso enthusiastisch zeigt sich Bernhard Rösch, der sich dafür entschieden hat, Klarinette zu lernen. "Einige Freunde von mir spielen bei den Hahnbachern im Orchester. Ursprünglich wollte ich Trompete lernen, habe mich aber zur Klarinette überreden lassen", erzählt er. "Inzwischen konnte ich schon erste Leistungsabzeichen ablegen, und zusammen mit anderen Mitstreitern im ,Nachwux'-Orchester mitspielen. Die Stückauswahl ist auch klasse. Wir spielen viele moderne bis rockige Stücke."

Wer sich für das Angebot der "Spätzünder" interessiert und sich als Quereinsteiger einbringen möchte, kann mit Dirigentin Regina Rester-Achhammer per E-Mail an r.achhammer[at]gmx[dot]de Kontakt aufnehmen.

Bernhard Rösch hat bereits erste Leistungsabzeichen mit seiner Klarinette abgelegt.
Keine Zukunftsmusik mehr:

Schon heute gibt es doppelt so viele erwachsene Musikschüler, die ihr Instrument nicht bereits im Kindesalter erlernt haben, als noch vor zehn Jahren. Laut Aussage des Verbandes Deutscher Musikschulen beträgt der Anteil derzeit etwa zehn Prozent (2008: etwa fünf Prozent).

Das bestätigt auch Benno Englhardt, Musiklehrer aus Grafenwöhr: „Immer häufiger fragen Erwachsene nach Instrumentalunterricht. Manche wollen nur für sich zu Hause musizieren, andere wollen sich einer Gruppe anschließen. Sehr beliebt ist Unterricht in Gitarre und E-Gitarre. Aber auch Blasinstrumente, wie Trompete, Bariton oder Tuba, neben Klavier, Holzblasinstumenten oder Schlaginstumenten. Die erwachsenen Schüler sind sehr motiviert und haben eine klare Vorstellung, von dem, was sie erlernen möchten.“ (myd)

Ob Schlagzeug, Congas oder Glockenspiel – mit Blick auf die Noten und höchster Konzentration geben die Schlagwerker den Takt vor.
Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen an der Klarinette hat Doris Hofmann (rechts) mit dem Instrumentalunterricht in Querflöte begonnen. Besonders motivierend findet sie die Ensembleproben, die viel Konzentration abverlangen, aber viel Spaß machen.
Saxophon spielen lernen, das wollen noch viele Erwachsene. Diese zwei Damen der "Spätzünder" wagen sich daran, Noten, Rhythmus, Griffe, Pausen und Dynamik zu lernen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.