20.01.2021 - 16:10 Uhr
HahnbachOberpfalz

Hof eines Hahnbacher Ehepaares gleicht Museum

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Gewerbegebiet 20 – die Adresse klingt nach Werkstatt oder Lager. Wer jedoch die lange Einfahrt hinaufgeht zu Doris und Werner Wendl in Hahnbach, der findet etwas ganz anderes: Eine Welt voll schöner alter Dinge.

Alles, was früher in Haus, Hof und in der Küche gebraucht wurde, haben Doris und Werner Wendl aus Hahnbach in rund 20 Jahren zusammengetragen.
von Helga KammProfil

Es ist ein Museum, das die Eheleute Wendl seit rund 20 Jahren in Hahnbach eingerichtet haben – zur eigenen Freude, aber auch für andere Menschen, die alte Dinge lieben. Zäune und Wände ihres Hofes haben sie bestückt mit tausenden alten Gebrauchs- und Ziergegenständen, vom kleinen blechernen Löffel bis hin zur großen, noch funktionsfähigen Milchzentrifuge. Die meisten ihrer Sammlerstücke sind einmal in Küche und Keller verwendet worden, bevor Kunststoff und andere Materialien da Einzug gehalten haben.

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Schwandorf

„Ich bin generell eine Sammlerin“, gesteht Doris Wendl, die aber auch mit viel Geschmack und Geschick vor allem florale Gestecke und Dekorationen anfertigt. Im Lauf der Jahre ist sie „auf die Töpfe gekommen“, hat auf Flohmärkten gestöbert und allmählich eine riesige Sammlung zusammengetragen. Es sind vor allem die in dunklem Rot gehaltenen Töpfe, Pfannen, Reinen, die Seiher, Milchhaferln und Schöpflöffel aus der Amberger Emailfabrik Baumann, die sie nach und nach erstanden hat. „Vor Jahren noch für relativ wenig Geld“, erzählt sie, „Heute aber ist durch TV-Sendungen wie ,Bares für Rares' alles recht teuer geworden.“ Es sind an die dreihundert Gefäße und dazu gehörende Deckel, die Doris Wendl in ihrem Anwesen ausgestellt hat und die sie zweimal im Jahr spült.

Haus und Hof als Museum

Aber es sind nicht nur die Emailgefäße, die Haus und Hof in ein Museum verwandeln. Die Wendls haben Hunderte von gerahmten Bildern an der Wand nebst einer Sammlung alter Sprüche. Außerdem weiß-blaue Gefäße, die früher für Zucker, Mehl und Gewürze verwendet wurden, Schnupftabakdosen in allen Formen und Farben, nicht zu reden von den Nähmaschinen, Waagen, den Kaffeekannen, Bierkrügen und den vielen von Hand zu bedienenden Mühlen. „Wenn wir einmal keinen Strom haben sollten, wären wir in mancher Hinsicht unabhängig, könnten Kaffee, Getreide, Nüsse und Fleisch mit der Hand mahlen“, schildert Doris Wendl.

Alte Sachen haben ihren Reiz, sie erzählen und haben Seele.

Doris Wendl

Neben den Alltagsgegenständen gibt es noch ganz besondere: Eine Milchzentrifuge, rund hundert Jahre alt, einen Stand-Tresor von 1860 mit dazugehörigem Schlüssel oder einen Betstuhl, der nach Umbauten im Hahnbacher Kloster nicht mehr gebraucht worden ist. Die Schüssel mit Erdäpfeln, die sich als braune, runde Ackersteine entpuppen, der Zaun, in dem man erst auf den zweiten Blick die Seitenwände eines alten Leiterwagens erkennt, die Zinkwannen, die in der Weihnachtszeit mit Föhrengrün und leuchtend roten Kugeln die Einfahrt schmücken und nicht zuletzt die große Krippe, die auf einem alten Küchenherd ihren Platz gefunden hat – tausend Dinge, tausend Hingucker entführen in diesem Hof die Besucher in eine andere Welt. „Alte Sachen haben ihren Reiz“, schwärmt Doris Wendl, „sie erzählen und sie haben Seele.“

Braukurse im Gewölbe

Was sagt ihr Mann zu dieser Leidenschaft? „Ich unterstütze sie natürlich“, erklärt Werner Wendl, „da müssen schon zwei zusammenpassen, sonst funktioniert das nicht.“ Das Ehepaar hat vor einigen Jahren sein Büromöbel-Geschäft in Hahnbach aufgegeben und genießt seitdem den Ruhestand. „Nicht ganz“, schränkt Werner Wendl ein und verweist auf seine „Teilzeitbeschäftigung“ als „Gewölbe-Bräu“. Nicht in diesem Corona-Jahr, aber zu normalen Zeiten lädt er Gäste zu Braukursen in sein Böhmisches Gewölbe ein. Vom Malzmahlen per Hand bis zur fertigen Würze im glänzenden Sudkessel stellen die Kursteilnehmer in rund sechs Stunden ihr eigenes Bier her. Acht bis zwölf Frauen und Männer können jeweils mitmachen, oft sind es Geschäftsleute oder Mitarbeiter von Firmen. „Da ist schon mal ein Zahnarzt mit seinem gesamten Praxisteam dabei“, erzählt der Freizeit-Bräu, „selbst Gäste aus Nepal hatten wir schon.“

Und natürlich belassen es diese Besucher nicht nur bei Bier und Schäuferln aus dem Holzofen. Sie machen einen Rundgang, schauen, staunen und bewundern all die Dinge, die vom Leben in früherer Zeit erzählen. So schließt sich der Kreis vom Damals zum Heute und die beiden Wendls sehen zufrieden ihre Arbeit angenommen und belohnt.

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Info:

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