18.12.2020 - 13:49 Uhr
HahnbachOberpfalz

Michaela Maluche: Goldschmiedin aus Hahnbach

Was wollen junge Mädchen heute in Deutschland werden? Die meisten streben traditionelle Berufe an: Lehrerin, Ärztin, Erzieherin oder Psychologin. Nicht so Michaela Maluche – sie ist Goldschmiedin.

von Helga KammProfil

Eine kleine Werkstatt in der Pandurengasse in Hahnbach ist Michaela Maluches Arbeitsplatz. Da gibt es einen Emaille-Ofen, eine Poliermaschine, ein Ultraschallgerät, eine Walze zum Kurbeln und eine Menge verschiedener Werkzeuge. Da gibt es aber auch kleine, feine Dinge aus Gold, Silber und Edelsteinen. Schmuckstücke, kreiert und angefertigt von Michaela, denn sie ist Goldschmiedin. "Das ist mein Traumberuf", sagt die 24-jährige Hahnbacherin. "Ich würde nie etwas anderes machen wollen." Dreieinhalb Jahre hat ihre Ausbildung gedauert, seit ein paar Jahren arbeitet sie selbstständig, hat sich im Haus ihrer Eltern einrichten können.

Bei Goldschmiedin in Neumarkt

Ihr Berufswunsch war Michaela Maluche schon ganz früh klar. "Mit den Händen gestalten, kreativ sein", das war ihr Ziel. Zum Geburtstag ein Schnupperkurs bei der Goldschmiedin Helen Werner in Edelsfeld und eine Fortsetzung in der Volkshochschule gaben ihr Gewissheit: "Das will ich erlernen". Ihre Eltern waren an ihrer Seite, unterstützten sie finanziell bei der Ausbildung und bei der Einrichtung ihrer Werkstatt mit den recht kostspieligen Maschinen und Geräten.

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Hahnbach

Einen Ausbildungsplatz zu finden war nicht einfach. "Viele Goldschmiede wollen nicht mehr ausbilden, der Beruf stirbt einfach aus", schildert Michaela ihre zahlreichen Bewerbungen und Vorstellungsgespräche. Dann aber der "Glücksgriff": Die Hahnbacherin wurde von der Goldschmiedin Jutta Rother in Neumarkt genommen. Sie machte eine duale Ausbildung abwechselnd in der Goldschmiede und in der Berufsschule in Würzburg, einer von nur zwei in ganz Bayern. Der Unterricht mit fast nur weiblichen Auszubildenden hat ihr Spaß gemacht, "der Zusammenhalt war riesig, die Freude über gute Erfolge haben uns richtig gepuscht". Ihr Gesellenstück aus Silber, eine Brosche, die auch als Anhänger getragen werden kann, brachte ihr das gewünschte Ausbildungsziel. Drei Jahre arbeitete Michaela als Gesellin bei einem Schwandorfer Juwelier und sammelte Erfahrungen. Ihr Wunsch nach mehr kreativer Tätigkeit führte dann zu ihrem Schritt in die Selbständigkeit.

In ihrer Hahnbacher Werkstatt verbindet sie seitdem das erlernte Wissen und Können mit ihren eigenen Ideen und den Wünschen ihrer Kunden. Sie fertigt Verlobungs- und Trauringe an, repariert defekten Schmuckverschluss, lötet Kettchen. Sie gibt alten Schmuckstücken ein neues, modernes Aussehen, schmilzt dafür Preziosen aus Gold und Silber ein, um daraus neue Stücke anzufertigen. Ihre besondere Leidenschaft aber gilt den eigenen Kreationen. Sie zeichnet Entwürfe, fertigt Muster an und geht dann an die praktische Arbeit an ihrem Werktisch mit dem Feilnagel sowie ihren anderen Geräten und Maschinen.

Sie kennt die Beschaffenheit von Metallen und wie man sie schonend bearbeitet, weiß um Stilepochen und ihre Ausdrucksformen und fügt auch Edelsteine in ihre Kreationen ein. "Ich habe schon einen Stein bekommen, und der Kunde sagte: mach' was draus", erinnert sich die Goldschmiedin an diesen "Traumauftrag". Einige ihrer eigenen Kreationen, alles Unikate, wie sie betont, glänzen und funkeln in einer Ausstellungsvitrine: Die Kette aus Edelsteinen, Ohrstecker mit farbigen Steinchen, Makramee-Armbänder und Ringe aus Gold und Silber, schlicht oder aufwendig gefertigt. "Was zählt, ist der Wunsch des Kunden, seine Zufriedenheit", erklärt Michaela und fügt an: "Und meine natürlich auch, denn auch ich muss mit meiner Arbeit zufrieden sein".

Weniger Umsatz

Die Hahnbacher Goldschmiedin hat ihren Berufstraum verwirklicht, auch wenn sie bisher noch nicht ganz davon leben kann. "Er wächst, wenn auch langsam", beschreibt sie ihren kleinen Betrieb. Dass Handwerker- und Weihnachtsmärkte in diesem Winter ausfallen müssen, bedeutet auch für sie als Ausstellerin weniger Umsatz. Vielleicht aber, so hofft sie, könnte der eine oder andere Weihnachtswunsch auch in ihrer Werkstatt erfüllt werden.

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