05.03.2020 - 14:02 Uhr
MünchenOberpfalz

Handwerk verärgert wegen Gesprächs-Absage durch Merkel

Die Internationale Handwerksmesse in München ist wegen des Coronavirus abgesagt. Die Handwerksvertreter ärgert aber eine andere Absage noch mehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich nach dem Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft am Rande der Internationalen Handwerksmesse 2019 einen kollaborationsfähigen Roboterarm zeigen. Im Hintergrund steht Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
von Jürgen UmlauftProfil

Spitzenvertreter des deutschen und des bayerischen Handwerks haben die Absage der für kommende Woche geplanten Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München wegen des Corona-Virus bedauert, aber für unerlässlich erklärt. Man sei den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sowie des Krisenstabes der Staatsregierung gefolgt, erklärte IHM-Chef Dieter Dohr. Die Auflagen für die Durchführung der Messe wären nicht realisierbar gewesen. Eine Verschiebung sei aus Termingründen nicht in Frage gekommen. Die IHM mit gut 1000 Ausstellern und mehr als 100.000 erwarteten Besuchern sollte zum 72. Mal stattfinden. Es ist die erste Absage in der IHM-Geschichte.

Dohr sprach von einem Millionen-Schaden für Veranstalter, Aussteller, Messebaufirmen sowie Hotellerie und Gastronomie. Im vergangenen Jahr hätten die Aussteller während der Messetage einen Umsatz von gut 40 Millionen Euro erzielt, die darüberhinaus getätigten Abschlüsse hätten vielen Handwerksbetrieben über Monate Aufträge beschert. Bayerns Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl schmerzten zudem die ideellen Ausfälle. Die IHM sei schließlich "Schaufenster des Handwerks" und ein wichtiger Impulsgeber für die Nachwuchsgewinnung. Neue Fachkräfte anzuwerben, werde nun noch schwerer als ohnehin.

Mit deutlichem Unverständnis reagierte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, auf die Absage des Spitzengesprächs der deutschen Wirtschaft durch das Bundeskanzleramt. Das traditionell am Rande der IHM angesetzte Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Spitzen der deutschen Wirtschaftsverbände wäre als Signal an Unternehmen und Gesellschaft wichtig gewesen. Es gelte, auch in Zeiten von Corona "ein Stück Normalität aufrecht zu erhalten", sagte Schwannecke. Peteranderl ergänzte, bei aller Sorge um die Ausbreitung des Virus müsse auch kühler Kopf bewahrt werden. Es brauche "klare Stellungnahmen" der Politik, deren Nichtstun die Hysterie nur noch weiter anheize.

Ungeachtet der globalen Konjunktureintrübung auch wegen der Corona-Ausbreitung geht das Handwerk für 2020 von einem weiteren Wachstum von etwa drei Prozent aus. Das bayerische Handwerk schloss nach Angaben Peteranderls vergangenes Jahr mit einem Plus von 4,5 Prozent und einem Gesamtumsatz in Höhe von 126,4 Milliarden Euro ab. Die Zahl der im Handwerk Beschäftigten legte dabei um 0,8 Prozent auf 954.100 zu. An die Landespolitik appellierte Peteranderl, vor allem in ländlichen Regionen Bayerns die digitale Infrastruktur schneller auszubauen. Das gelte sowohl für die Breitband- als auch die Mobilfunkversorgung. Auf beides seien Handwerksbetriebe immer mehr angewiesen.

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