Hatzenreuth bei Waldsassen
18.01.2019 - 18:02 Uhr

Stolze Spende statt Geschenke

Präsente mag Martin Schneider keine zu seinem 30. Geburtstag. Lieber ist es ihm, wenn die Gäste die Integration taubblinder und hörbehinderter Menschen unterstützen. Die Resonanz auf den Aufruf ist überwältigend. 8000 Euro kommen zusammen.

Bei der Übergabe des symbolischen 8000-Euro-Schecks mit (von links) Britta Achterkamp, Sandra und Otto Schneider sowie Martin Schneider, der die Spendenaktion zu seinem 30. Geburtstag kurz vor Weihnachten arrangiert hatte. Bild: pz
Bei der Übergabe des symbolischen 8000-Euro-Schecks mit (von links) Britta Achterkamp, Sandra und Otto Schneider sowie Martin Schneider, der die Spendenaktion zu seinem 30. Geburtstag kurz vor Weihnachten arrangiert hatte.

Wie gut dieses Geld angelegt ist, weiß Martin Schneider, Inhaber des Sanitär- und Installationsbetriebs Hopf in Hatzenreuth, von den Erfahrungen in der Familie. Seine Mutter Sandra Schneider leidet am Usher-Syndrom. Es schränkt Hörfähigkeit und Sehsinn gleichzeitig stark ein.

Der Fachdienst ITM (Überregionaler Fachdienst zur Integration taubblinder und hörsehbehinderter Menschen in Bayern) in München freute sich über die stattliche Spende. "Das hatten wir noch nie", war Britta Achterkamp bei der Übergabe des symbolischen Schecks am Freitagnachmittag in Hatzenreuth schwer beeindruckt. "Normalerweise sind es Einzelpersonen, die uns etwas überweisen - 50 oder 100 Euro", so die Leiterin des Fachdienstes. Bisher seien aber niemals Spenden gezielt akquiriert worden, weshalb sie sich über die tolle Idee von Martin Schneider besonders freut.

200 Gäste in der Halle

Angehörige, Freunde und Geschäftspartner hatte der Jungunternehmer zu seinem Ehrentag eingeladen. Gefeiert wurde in der Halle des neu errichteten Betriebsgebäudes am Rande von Hatzenreuth. An die 200 Besucher waren gekommen. "Der Einladung habe ich einen Prospekt beigelegt", untermauerte Schneider sein Anliegen, dass die Gäste anstelle von Geschenken etwas für die gute Sache Spenden sollten. "Das hat sich herumgesprochen", freut sich Martin Schneider. Selbst Leute, die nicht zum Geburtstag eingeladen waren, hätten ihm Kuverts mit Bargeld übergeben. Auf diese Weise summierte sich der stattliche Betrag von 7275 Euro, das Geburtstagskind selbst rundete auf 8000 Euro auf.

Die größten Einzelspenden waren 750 und 500 Euro, daneben kamen viele kleinere Beträge zusammen. "Ich bin froh, dass es euch gibt", sagt Vater Otto Schneider über die Arbeit des Fachdienstes. "Das hat sich positiv entwickelt." Die Fachstelle, die in der überregionalen offenen Behindertenarbeit tätig ist, vermittelt Dolmetscher sowie Assistenten und Helfer für viele Dinge des täglichen Lebens.

Zweckgebunden

Außerdem organisiert der Fachdienst regelmäßige Treffen zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch und Angehörigen-Seminare, wie etwa im Herbst 2016 in Saulgrub in Oberbayern. "Da hat sich der Kontakt entwickelt", erinnert sich Britta Achterkamp an das erste Zusammentreffen mit der Familie. "Ich war so beeindruckt: Sandra kam gleich mit fünf Familienangehörigen." Außerdem traf die Hatzenreutherin dort nach langer Zeit eine ehemalige Mitschülerin aus der Gehörlosenschule wieder. Die Leiterin verweist außerdem auf eine fünftägige Fahrt nach Krakau mit fünf Taubblinden, mit Helfern zur Betreuung. Die Spende aus Hatzenreuth soll ebenfalls zweckgebunden für eine solche gemeinsame Unternehmung verwendet werden, regte Britta Achterkamp an. Sandra Schneider fand die Idee großartig: Es werde sonst nicht viel geboten; andererseits seien hörsehbehinderte Menschen darauf angewiesen.

Der Fachdienst ITM ist bayernweit zuständig, wird getragen vom Sozialministerium und dem Verband der bayerischen Bezirke und sieht sich als eine Art Kompetenzzentrum. Martins Schwester Anja Schneider bedauert, dass Hörsehbehinderte von den Krankenkassen eher im Stich gelassen werden, etwa bei der Einstufung von Pflegegraden: Hier gehe man kaum auf die besonderen Bedürfnisse ein; diese müssten erst gerichtlich durchgesetzt werden.

 
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