24.04.2020 - 20:01 Uhr
HirschauOberpfalz

Bisher 14 Todesfälle nach Corona-Ausbruch in Hirschauer Seniorenheim

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Der vehemente Ausbruch der Corona-Infektion im BRK-Seniorenheim St. Barbara in Hirschau ist nach Ansicht der Verantwortlichen jetzt eingedämmt. Allerdings hat er eine hohe Anzahl an Menschenleben gefordert.

Im BRK-Seniorenheim St. Barbara Hirschau sind etwa drei Viertel der Bewohner mit dem Coronavirus infiziert.
von Markus Müller Kontakt Profil

14 Todesfälle von nachweislich infizierten Heimbewohnern sind bisher beim Gesundheitsamt gemeldet, wie dessen Leiter Dr. Roland Brey am Freitag gegenüber der AZ erläuterte. Nach Abschluss weiterer Tests könnte diese Zahl aber auch auf 16 steigen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt laut Brey bei 87 Jahren. Viele hätten Vorerkrankungen gehabt.

Der erste Todesfall im Heim war für 9. April gemeldet worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte laut BRK eine Reihentestung ergeben, dass von den 82 Bewohnern des Heims "50 mit Covid-19 infiziert" waren; dazu 30 Mitarbeiter der Einrichtung. Bis Freitag waren diese Zahlen bei den Bewohnern auf rund 60, bei den Beschäftigten auf etwa 40 gestiegen, wie Brey mitteilte. Durch mehrere Maßnahmen – Aufteilung in eine Station mit infizierten Bewohnern und eine mit nicht infizierten, strikte Abschottung der Bereiche voneinander, verschärftes Hygieneregime, Bestellung eines eigenen Heimarztes durch den Versorgungsarzt – habe man die Situation inzwischen stabilisieren können.

Der Bericht über die bis zum 9. April getroffenen Maßnahmen

Hirschau

"Wir haben jetzt wieder einen pflegerischen Betrieb, der allen Anforderungen genügt", äußerte BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller im Gespräch mit der AZ. Man gehe davon aus, dass zum Wochenende die ersten Mitarbeiter aus der Infektion ins Heim zurückkehrten – alle erst nach einem weiteren Test, ob sie noch ansteckend seien. Damit könne man hoffentlich in der nächsten Woche wieder den normalen Betrieb aufnehmen. "Bis zur Sicherheit, dass alles überstanden ist, dauert es aber bestimmt noch zwei Wochen."

Die Corona-bedingten Ausfälle in der Stammbelegschaft hatten laut Schaller dazu geführt, dass das Heim nur dank Hilfe von außen habe fortgeführt werden können. So taten dort zuletzt 8 Mitarbeiter aus anderen BRK-Heimen, 7 aus der Solitären Tagespflege Hirschau und 6 von der Wallmenich-Schwesternschaft Dienst.

"Der Infektion hinterhergelaufen"

Inzwischen trügen die Mitarbeiter bei jedem Kontakt mit den Bewohnern vollständige Schutzausrüstung, was vorher nicht Standard gewesen sei (in keinem Heim). Auch das habe die schnelle Verbreitung des einmal eingedrungenen Virus ermöglicht. "Wir sind im Grunde der Infektion hinterhergelaufen", beschreibt Schaller die Situation. "Das macht uns alle wahnsinnig betroffen, auch mich ganz persönlich." Ihm ist wichtig zu betonen, dass hier die Mitarbeiter keinen Fehler gemacht hätten, "sondern sie arbeiten hart, um Schlimmeres zu verhindern".

Ausbruch am 22. März

Nach den Daten von Roland Brey wurde dem Gesundheitsamt am 22. März zum ersten Mal gemeldet, dass Bewohner des Heims Kontakt mit einem positiv getesteten Mitarbeiter hatten. "Es wurden sofort alle Kontaktpersonen in der Einrichtung ermittelt und diese Bewohner isoliert und überwacht, Mitarbeiter mit engem Kontakt wurden sofort zu Hause unter Quarantäne gestellt. Die Schutzmaßnahmen für das Personal wurden erhöht." Von den isolierten Bewohnern und den Mitarbeitern in der häuslichen Quarantäne habe nur ein Bewohner Symptome entwickelt, sein Corona-Test sei positiv ausgefallen. "Durch die vorsorglichen Isolierungsmaßnahmen gab es keine weiteren Kontaktpersonen. Weitere Bewohner und Mitarbeiter blieben beschwerdefrei. Der Ausbruch schien eingedämmt."

Durch Personal eingeschleppt

Doch sei es später in weiteren Bereichen der Einrichtung erneut zum Kontakt mit Corona-positivem Personal gekommen. Was man nach Ansicht von Brey den Mitarbeitern nicht anlasten kann: "Schon zwei Tage vor Auftreten von Symptomen ist eine Person ansteckend. In dieser Zeit bemerkt diese Person noch nichts von ihrer Erkrankung und geht normal ihrer Tätigkeit nach." Doch habe der Kontakt schließlich zur Erkrankung von Bewohnern in allen Bereichen der Einrichtung geführt.

Im Landkreis Neustadt/WN hatte unter anderem das AWO-Seniorenheim Windischeschenbach mit einem schweren Corona-Ausbruch zu kämpfen

Windischeschenbach

Als Ursache des Ausbruchs gilt Brey also die Infektion durch Mitarbeiter. Wobei es möglicherweise auch eine Rolle gespielt habe, dass viele Beschäftigte der Hirschauer Einrichtung aus dem vom Coronavirus besonders stark heimgesuchten Landkreis Neustadt/WN kommen. Ergänzend nennt Schaller die Ausbreitung durch einen infizierten Bewohner, der aus dem Krankenhaus kam. Eine klare Absage erteilt Brey dem in Hirschau kursierenden Gerücht, ein infizierter Metzger habe das Virus ins Heim gebracht, woraufhin das Gesundheitsamt seine Metzgerei geschlossen habe: "Nein, ein Metzger hat mit dieser Sache nichts zu tun. Und wir haben auch keine Metzgerei geschlossen."

Die Angst, das Virus könnte sich vom Seniorenheim aus über ganz Hirschau verbreiten, ist laut Bürgermeister Hermann Falk unbegründet. Die (internen) Infektionszahlen für die Stadt zeigten, dass "alles im Heim geblieben" ist.

Schlussfolgerungen für andere Heime:

Aus den Erfahrungen im Hirschauer BRK-Seniorenheim lassen sich laut Medizinaldirektor Dr. Roland Brey einige Empfehlungen für andere Einrichtungen ableiten:

  • erhöhte Hygienemaßnahmen (Basishygiene, Händehygiene, Hygieneschulungen)
  • konsequentes Tragen von Mund-Nase-Schutz bei den Mitarbeitern
  • das Personal sollte in festen voneinander unabhängigen Teams arbeiten (Reduzierung der Kontaktpersonen bei einem positiven Fall), Kompensation bei Ausfall von Personal bzw. gegebenenfalls Mehrbedarf an Personal zum Beispiel einer Ausbruchssituation (zum Beispiel Reservepool)
  • Beachten von Abstandsregeln (Bewohner, Mitarbeiter) soweit möglich, feste Kleingruppen unter Bewohnern, organisatorische Maßnahmen zur Kontaktreduzierung innerhalb der Einrichtung
  • Maßnahmen erarbeiten, wie im Verdachtsfall/Coronafall in der Einrichtung vorzugehen ist (Trennung Bereiche, Isolierung)

Als wichtige grundsätzliche Empfehlungen kann Brey geben: bei Erkrankung zu Hause bleiben, erhöhte Hygiene einhalten und die Abstandsregeln befolgen.

Die aktuelle Entwicklung der Coronazahlen in der Region Amberg-Sulzbach

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