07.04.2020 - 18:46 Uhr
HirschauOberpfalz

Coronavirus breitet sich in Seniorenheim Hirschau aus

Vier Bewohner und neun Mitarbeiter des BRK-Seniorenheims in Hirschau haben sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Angesichts mehrerer Fälle von Fieber gab es am Montag einen Notarzt-Einsatz. Jetzt werden alle getestet.

Am Dienstag wurden alle Bewohner des BRK-Seniorenheims in Hirschau auf Covid-19 getestet, im Laufe der Woche soll noch das Personal folgen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Im BRK-Seniorenheim in Hirschau breitet sich das Coronavirus weiter aus. Nach Angaben des BRK-Kreisverbands Amberg-Sulzbach, der das Heim betreibt, sind derzeit (Stand Dienstag, 7. April, 12 Uhr) neun Mitarbeiter und vier Bewohner positiv auf Covid-19 getestet.

Wie BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller auf Nachfrage erklärte, hatten am Montag einige Bewohner des Heims gefiebert. Aus Sorge vor einer rapiden Verschlechterung sei für vier Menschen die Verlegung ins Krankenhaus angefordert worden. Deshalb sei die Sanitäts-Einsatzleitung nach Hirschau gekommen. Diese besteht aus dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) und einem Leitenden Notarzt (LNA). Alarmiert wird sie, wenn eine größere Anzahl an Verletzten oder Erkrankten zu erwarten ist. Während des Einsatzes, der laut Schaller von 11 bis 15 Uhr dauerte, sichtete der Leitende Notarzt die Personen. Ins Krankenhaus gebracht wurde schließlich ein Bewohner, die anderen drei konnten nach Auskunft des BRK-Geschäftsführers im Heim verbleiben.

Wie das Landratsamt ergänzte, sind aktuell acht der 79 Heimbewohner im Krankenhaus. Isoliert wurden bislang 36 Senioren, weil sie Kontakt zu Infizierten hatten, so BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller. Zwölf der Isolierten "zeigen Symptome einer möglichen Infektion". Von den Mitarbeitern sei ein Dutzend in häuslicher Quarantäne und warte auf das Ergebnis. Schaller spricht davon, dass das Virus nach bisherigen Erkenntnissen über "mehrere Infektionsquellen parallel" ins Heim gekommen sei.

Vergangene Woche hatten mehrere Bewohner Fieber:

Hirschau

Verbreitet habe es sich wahrscheinlich über mehrere Mitarbeiter, die sich außerhalb des Hauses angesteckt hätten, und über einen von einem Auswärts-Aufenthalt zurückgekehrten Bewohner. Mitte vergangener Woche habe es noch so ausgesehen, als hätte eine weitere Ausbreitung des Virus' verhindert werden können, "in den letzten Tagen häuften sich die positiven Corona-Tests". Alle Bewohner seien deshalb am Dienstag auf eine Covid-19-Infektion getestet worden. Dies sei unter Federführung der BRK-Chefärzte Dr. Michael Scherer und Dr. Christian Wolf erfolgt. Die Ergebnisse erwartet das BRK zum Wochenende. Noch in dieser Woche sollen außerdem jene Mitarbeiter getestet werden, die bisher keinen Kontakt zu Infizierten hatten.

In einem Seniorenheim in Windischeschenbach sind 35 Bewohner infiziert

Windischeschenbach

Schaller erwähnt in seiner Pressemitteilung weiter, dass das Rote Kreuz von Beginn an umfangreiche Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) umsetzte. Trotzdem habe man die Ausbreitung des Virus' nur verlangsamen statt aufhalten können. Für Schaller vollbringt das Personal "gerade Unglaubliches beim Versuch, die weitere Ausbreitung einzudämmen". Die Mitarbeiter arbeiteten nah an der persönlichen Belastungsgrenze.

"Wir hoffen, dass die Infektion bei den betroffenen Bewohnern und Mitarbeitern einen komplikationslosen Verlauf nimmt", so Sebastian Schaller. "Wir sind in Gedanken bei den Betroffenen."

Komplette Schutzausrüstung für Mitarbeiter:

Seit sich die Infektionsfälle von Covid-19 im BRK-Seniorenheim gehäuft haben, arbeiten die Mitarbeiter nach Angaben des BRK-Kreisverbands Amberg-Sulzbach als Betreiber der Einrichtung nur noch mit vollständiger Schutzausrüstung. Diese besteht laut Rotem Kreuz aus Schutzbrille, Maske, Schutzkittel und -handschuhen. Vorher sei das Personal – entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts – vollständig mit Mund-Nase-Schutz ausgestattet gewesen. „Wir stellen sicher, dass jeglicher Bewohnerkontakt mit vollständiger Schutzausrüstung erfolgt – egal, ob ein konkreter Infektionsverdacht vorliegt oder nicht“, so BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller laut einer Pressemitteilung.

Damit gehe man deutlich über die RKI-Empfehlungen hinaus, heißt es seitens des Roten Kreuzes. Möglich sei dies nur durch eine „massive Verschiebung von Material aus unseren anderen drei Heimen im Landkreis“.

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