Hirschau
24.01.2025 - 12:09 Uhr
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Dagmar Kiermeier erzählt: So war das 1960 mit Elvis Presley im Goldenen Lamm in Hirschau

1960 traf Dagmar Kiermeier Elvis Presley in Hirschau. Zwölf war sie, als der Weltstar dort Autogramme auf Bierdeckel schrieb. Kiermeier hat ihres nicht mehr. Aber sie erinnert sich noch ganz genau, wie das war, am Biertisch mit Elvis.

"Elvis Presley ist in Hirschau!": Als diese Nachricht am 5. Februar 1960 die Runde in ihrer Heimatstadt machte, dachte Dagmar Kiermeier, die damals noch Lindner hieß und erst zwölf Jahre alt war, an einen Scherz. Und witzelte deshalb mit ihrer Freundin Gerlinde noch, wahrscheinlich komme auch Peter Kraus. Die Musik des deutschen Rock-'n'-Roll-Stars gefiel den beiden Teenagern nämlich besser als die von Elvis. Aber den fanden die Mädchen hübscher. Dagmar Kiermeier, heute 76, lacht. "Der war wirklich sehr hübsch. Wie gemalt." Sie muss es wissen, denn sie hat ihn an jenem 5. Februar in Hirschau getroffen.

Es gibt ein Schwarz-Weiß-Foto von dieser Begegnung mit dem King of Rock 'n' Roll im Gasthaus Goldenex Lamm 1960: Elvis, lachend, in seiner Soldatenuniform, vor ihm eine leere Colaflasche, um ihn herum gedrängt strahlende junge weiblichen Fans. Und neben ihm Dagmar und Gerlinde. Begegnungen mit US-Soldaten auf Manöver in Hirschau waren damals nichts Ungewöhnliches. Aber doch etwas Besonderes, sagt Dagmar Kiermeier: "Sie haben uns Kaugummis gegeben. Und Milchpulver." Das liebte ihr Vater. "Im Kaffee. Aber er hat es manchmal auch so vom Löffel gegessen."

Beinahe kein Durchkommen

Als viele Hirschauer an jenem 5. Februar 1960 zum Goldenen Lamm strömten, war der Zweifel der beiden Mädchen schnell verschwunden. "Elvis in Hirschau: Das war damals eine Sensation", sagt Kiermeier. Das wollten sie und ihre Freundin auf gar keinen Fall verpassen. Doch dann hätte es beinahe nicht geklappt, erzählt die 76-Jährige, die heute in Altenstadt/Waldnaab lebt. "Du, Gerlinde, da ist schon alles voll", raunte sie damals ihrer Freundin draußen vor dem Wirtshaus zu, wo es tatsächlich kein Durchkommen mehr gab.

Zum Glück kannte Gerlinde den Lokalreporter Sepp Müller Anderl, weil ihre Mutter die Zeitung austrug. Der Sepp war damals für die Amberger Zeitung ganz nah dran an Elvis in Hirschau – und verschaffte den beiden Mädchen doch noch Zutritt ins proppenvolle Goldene Lamm. "Und ich, wie ich halt so bin, bin gleich hin zu Elvis", erinnert sich Kiermeier lachend, während sie auf das Foto zeigt, das Sepp Müller Anderl damals gemacht hat.

Elvis durfte in Hirschau nicht singen

Es gibt mehrere solcher Bilder von Elvis Presley 1960 in Hirschau. "Ich habe keine", bedauert die 76-Jährige. Aber ihre Tochter hat ihr ein Buch aus dem "Buch & Kunstverlag Oberpfalz" geschenkt, in dem das von Dagmar mit Elvis und etliche weitere Fotos verewigt sind. Die Zwölfjährige war damals "voll begeistert: Der ist rausgestochen, trotz seiner Uniform. Hammer!". Nicht nur hübsch, auch sehr nett und freundlich sei er gewesen. Und "er hat mir so über die Wange gestreichelt – da war ich natürlich hin und weg." Ein bisschen ist sie das heute auch noch. "Ich hab' immer gesagt, es gibt keinen Mann, der so aussieht wie er." Sie lacht schelmisch, als sie hinzufügt: "Vor allem nicht in Hirschau!"

65 Jahre ist das jetzt her. Aber Dagmar Kiermeier kann sich noch genau an alles erinnern. "Das hat sich einfach eingeprägt bei mir: Da denkst du, das war gerade erst." Sogar auf Elvis' Schoß sitzen durfte sie. "Ich saß lang da. Ich wollte gar nicht mehr weggehen." Dann tauchte plötzlich ihre Mutter im Wirtshaus auf: Die hatte beim Metzger von der Sensation erfahren. "Die Bedienung des Lokals hatte Elvis erkannt. Sein Namensschild war ja an der Uniform. Das hat sich rumgesprochen wie noch was." Auch bis in die Metzgerei.

Das Bierdeckel-Autogramm

Dagmars Mutter "konnte ein bisschen Englisch", im Gegensatz zu ihrer Tochter, und fragte Presley im Goldenen Lamm, ob er nicht etwas singen könnte. "Aber er durfte nicht singen. Nicht bei der Übung", erzählt Kiermeier. Und es war ja eine Militärübung, die den damals auch in Grafenwöhr stationierten Soldaten Elvis Presley und seine Kameraden nach Hirschau führte – und zu einem Päuschen ins Goldene Lamm. Dort verteilte der King auch die berühmten Autogramme auf Bierdeckeln. Dagmar hatte auch so einen. Bis ihn Jahre später ein eifersüchtiger Freund wegwarf.

Als Elvis damals das Goldene Lamm verließ und mit dem Jeep wegfuhr, "war ich traurig" – auch daran erinnert sich die 76-Jährige noch genau. So traurig, dass sie, kaum zurück daheim, ihre Mutter überredete, mit ihr nochmal in die Stadt zu gehen: Die Zwölfjährige hoffte, dabei noch einmal Elvis zu begegnen, weil noch immer ein paar Soldaten mit ihren Jeeps und Panzern in Hirschau standen. Von ihnen bekam das Mädchen immerhin noch ein bisschen Milchpulver für den Vater. Aber Elvis war nicht mehr dabei. Die Begegnung mit dem King im Goldenen Lamm blieb die einzige.

Es gab noch einen Schwarm

Allerdings hätte es etwa zwei Jahre später beinahe noch eine ähnliche gegeben. Und zwar mit Peter Kraus, damals in Deutschland "der" Rock-'n'-Roll-Star. Kiermeier hat ja schon verraten, dass ihr dessen Musik besser gefiel als die von Presley. Gerlinde schlug vor, die beiden könnten ja einfach mal Peter Kraus einen Brief schreiben. "Dem haben wir dann tatsächlich geschrieben", amüsiert sich die 76-Jährige immer noch über den jugendlichen Wagemut.

Kiermeier hat schon als Kind gern gesungen, auch in einer Familienband, mit ihren Brüdern und ihrem Vater. "Dagmar & the Racoons" waren einst eine gefragte Tanzkapelle. Und Dagmar sang sogar auf Englisch, obwohl sie die Sprache nie gelernt hat: Ein Bruder schrieb ihr die Texte einfach so auf, wie sie ausgesprochen werden. "So konnte ich auf Englisch singen. Aber ich wusste nicht, was es heißt."

Post von Peter Kraus

Das mit dem Singen führt Dagmar Kiermeier zurück zu ihrem Brief an Peter Kraus. Der hat den beiden Teenager-Fans aus Hirschau, die ihm geschrieben hatten, weil sie unbedingt mit ihm singen wollten, damals tatsächlich geantwortet. "Mit einem handgeschriebenen Brief", sagt Kiermeier. Und mit der Einladung, die Mädchen könnten ihn gerne in München besuchen, um mit ihm zu singen. "Aber ich durfte nicht. Ich war einfach zu jung." Kiermeiers Vater erlaubte diesen Ausflug nicht.

Der Brief von Peter Kraus existiert nicht mehr. Und die Hirschauerin hat ihr Musik-Idol auch bis heute nie persönlich getroffen. Aber Elvis Presley. Das, sagt sie, "war wirklich was ganz Besonderes". Deshalb will sie auch am Samstag, 25. Januar, dabei sein, wenn am Goldenen Lamm in Hirschau feierlich eine Plakette angebracht wird – in Erinnerung an dieses bemerkenswerte Stück Stadtgeschichte. Es gehört schließlich auch zu Dagmar Kiermeiers Lebensgeschichte.

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