14.07.2021 - 00:58 Uhr
HirschauOberpfalz

Einem erfolgreichen Unternehmer gewidmet – die Kommerzienrat-Dorfner-Straße

Elf Straßen sind in Hirschau nach einer Persönlichkeit benannt, die sich um die Stadt verdient gemacht hat. Eine trägt seit 1930 den Namen des Unternehmers Hermann Heinrich Dorfner – die Kommerzienrat-Dorfner-Straße.

Am Ortsausgang Hirschaus in Richtung Großschönbrunn verläuft nördlich der Staatsstraße 2123 parallel zu ihr die Kommerzienrat-Dorfner-Straße. Benannt ist sie seit 1930 nach dem Unternehmer Hermann Heinrich Dorfner. Im Bild: Bürgermeister Hermann Falk (l.) und Stadtheimatpfleger Sepp Strobl (r.).
von Werner SchulzProfil

Hermann Heinrich Dorfner gilt neben Carl Martin Dorfner, Eduard Kick und Georg Schiffer als Pionier in der Geschichte des Kaolinbergbaus. Er wurde am 4. September 1863 als zweites Kind des Steingutfabrikanten Josef Dorfner und dessen Ehefrau Fanny geboren. Nach vier Klassen Volksschule trat er in das Humanistische Gymnasium in Amberg ein, wechselte nach sieben Jahren in das Humanistische Gymnasium in Regensburg und machte dort sein Abitur. Danach studierte er Chemie an der Technischen Hochschule München.

Sein Vorhaben, in die 1825 gegründete Steingutfabrik Dorfner & Co einzutreten, realisierte sich nicht, da sein Vater 1890 aus dem Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter ausschied. Dieser veranlasste seine Söhne Hermann und Florian, ein eigenes Unternehmen gleicher Branche zu gründen. So wurde 1894/1895 die Gebrüder Dorfner OHG Steingutfabrik und Kaolinwerk gegründet. Durch Erwerb des ca. 130 Tagwerk großen Bauernhofs Scharhof, wie das Kaolinwerk noch heute im Volksmund heißt, wurde für Jahrzehnte eine Rohstoffbasis für beide Werke geschaffen. Ihre Leitung lag von der Gründung bis zu seinem Tod in den Händen von Kommerzienrat Dorfner. Am 1. Juli 1894 wurde mit dem Bau der Steingutfabrik begonnen. Bereits am 4. Januar 1895 kam der erste Brand aus den Brennöfen. Sie hatten Dimensionen, wie sie bis dahin in Steingutfabriken Bayerns noch nicht in Betrieb waren.

Konzentration auf Kaolin

1849 erwarb Joseph Constantin Forster die Villa in der Nürnberger Straße 5 (damals Hausnummer 223). In diesem Haus wohnte bis 1971 die Familie Dorfner, Kommerzienrat Hermann Heinrich Dorfner von 1863 bis 1943. Von hier aus wurden bis 1927 die Betriebe geleitet.

Dorfner richtete die Entwicklung der Gebr. Dorfner OHG im ersten Vierteljahrhundert primär auf die Steinguterzeugung aus. 1913 wurde die alte Steingutfabrik von ihr erworben. Bis zum Verkauf an die Steingutfabriken Carstens 1918 wurden beide Fabriken gemeinsam betrieben.

Kommerzienrat Dorfner förderte die Entwicklung des Unternehmens auch auf dem Gebiet der Kaolingewinnung und -aufbereitung. Zum Werk Scharhof wurde 1909 das Werk Haidmühle erworben und gemeinsam mit ihm betrieben. Nach dem Verkauf der Steingutfabriken richtete sich die Entwicklung des Unternehmens ausschließlich auf die Gewinnung und Aufbereitung von Kaolin, Feldspat und Quarz. Die 1913 erworbene Kaolingrube und Schlämmanlage auf der Göttisch-Wiese in Schnaittenbach wurde stillgelegt, jedoch nochmals von 1926 bis 1931 in Betrieb genommen.

Kommerzienrat Dorfners Erfahrungen und Kenntnisse in Sachen Steingut- und Porzellanherstellung machten es möglich, die Rohstoffe hauptsächlich an die nordbayerische Porzellan- und die keramische Industrie Österreichs und Italiens zu liefern. Dadurch konnten die Krisenjahre 1929 und 1930 gut gemeistert werden. Neben dem Ausbau der Gruben- und Aufbereitungsanlagen war ihm die Arrondierung des kaolinhöffigen Gebietes um das Werk Scharhof und Haidmühle ein Hauptanliegen. So wurde ein Kaolinvorratsgelände geschaffen, das für mehrere Generationen die Versorgung mit Kaolinerde sicherte.

Organisches Wachstum

Die expansive Wirtschaftspolitik ab 1933 veranlasste Kommerzienrat Dorfner nicht, von seinem Grundprinzip einer organischen Unternehmensentwicklung abzuweichen. Ihm lag mehr an guter Rohstoffqualität als an der Produktionssteigerung. Der Krieg von 1939 bis 1945 brachte für Unternehmensleitung wie Belegschaft größte Anstrengungen, die Produktion zu erfüllen. Trotz seines hohen Alters stand Kommerzienrat Dorfner dem Betrieb in dieser schweren Zeit mit aller Energie vor. Am 16. Dezember 1943 setzte der Tod seinem Leben ein Ende. Nahezu 50 Jahre stand die Gebr. Dorfner OHG unter seiner technischen und kaufmännischen Leitung. Der Freistaat Bayern hatte ihm 1930 wegen seiner Verdienste um die Wirtschaft den Titel Kommerzienrat verliehen.

 

 

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