Hirschau
24.09.2019 - 10:39 Uhr

Mit dem Kanu in ganz Europa zuhause

„Wenn Jemand ein Reise thut, so kann er was verzählen“, schrieb Matthias Claudius 1774 in seinem Gedicht „Urians Reise um die Welt“. Einer der ganz viel reist und daher ganz viel zu erzählen hat, ist Dr. Leif Zimmermann.

Seit seinem elften Lebensjahr frönt Dr. Leif Zimmermann seinem Hobby, dem Paddeln. Über 100 Gewässer in knapp 30 Ländern hat er paddelnd durch- bzw. erwandert. Bis dato war er ca. 53 000 Kilometer mit einem seiner Kajaks unterwegs. Als er 2015 die 40 000-Kilometer-Marke überschritt, zeichnete ihn der Deutsche Kanuverband mit dem Globus-Abzeichen aus. Repro: u
Seit seinem elften Lebensjahr frönt Dr. Leif Zimmermann seinem Hobby, dem Paddeln. Über 100 Gewässer in knapp 30 Ländern hat er paddelnd durch- bzw. erwandert. Bis dato war er ca. 53 000 Kilometer mit einem seiner Kajaks unterwegs. Als er 2015 die 40 000-Kilometer-Marke überschritt, zeichnete ihn der Deutsche Kanuverband mit dem Globus-Abzeichen aus.

Sein Verkehrsmittel ist ein außergewöhnliches – sein Kanu. Heuer hat er auf den verschiedensten Gewässern Mittel- und Osteuropas rund 2 700 Kilometer zurückgelegt. Damit ist er einmal mehr Oberpfalzmeister im Wanderfahren. Seit 2006 wohnt der Mathematik- und Physiklehrer, der sich beim Kanu-Weiden e.V. als Familien- und Jugendwart engagiert, in Hirschau. Geboren in Osterrode im Harz, wuchs er am Niederrhein auf. Im Alter von sechs Jahren fuhr er bereits im Canadier seiner Eltern mit. Als Elfjähriger begann er, ein Fahrtenbuch zu führen, paddelte also überwiegend alleine im Boot. Animiert von seinem Vater, wurde er sehr früh Mitglied beim SSF Bonn.

15 Kajak-Boote

Seit Jahren verbringt Zimmermann den Großteil seiner Freizeit in einem seiner 15 Kajak-Boote. Es gibt kaum ein EU-Land, in dem er noch nicht paddelnd unterwegs war – auf Flüssen, Seen oder auch im Meer, wie beim Umrunden von Mallorca oder Istriens. Mehr als 100 Gewässer in knapp 30 Ländern hat er durch- bzw. erwandert. Immer hat er bei seinen Touren sein Fahrtenbuch geführt, Kilometer um Kilometer akribisch notiert.

2015 war sein Rekord-Paddeljahr. 4503 Kilometer legte der Kanute damals per Boot zurück. Kein Bayer paddelte weiter als er. Im selben Jahr zeichnete ihn der Deutsche Kanuverband (DKV) mit dem Globus-Abzeichen aus. Um es zu erhalten, muss man nachweislich 40 000 Kilometer zurückgelegt haben - eine Strecke, die dem Umfang der Erde entspricht. Nur ca. 300 Kanuten haben die Auszeichnung bisher erhalten. Zwischenzeitlich hat Zimmermann seine Leistung auf über 53 000 Kilometer gesteigert. Im Durchschnitt sitzt er jährlich 70 bis 80 Tage in seinem Boot und bringt es auf eine reine Paddelzeit von 300 bis 400 Stunden. Tagelang ist er alleine unterwegs, im Gepäck nur das Nötigste. „Ein Gaskocher, Wasser, ein paar Fertiggerichte, Müsli und Milch – damit bin ich eine Woche autark!“ Sein Zelt baut er oft erst spät abends an einem einsamen Ufer auf. Bei Sonnenaufgang startet er wieder. Ihn reizt es, sich sportlich zu bewegen und mit seinem einfachen „Verkehrsmittel“ aus eigener Kraft wo hinzukommen, wo nur wenige hinkommen. Angst hat er wegen des Alleinseins nicht. „Kurzfristige Anspannung, vielleicht auch Sorge, verspüre ich wegen des Wetters, in schwierigen Flussabschnitten oder auch wegen behördlicher Vorgaben.“

Tagelang ist Dr. Leif Zimmermann bei seinen Paddelreisen alleine unterwegs, im Gepäck nur das Nötigste – ein Gaskocher, Wasser, Fertiggerichte, Müsli und Milch. Sein Zelt baut er oft erst spät abends an einem einsamen Ufer auf, wie hier an der Memel. Heuer ist er auf ihr die 900 Kilometer lange Strecke durch Weißrussland und Litauen bis zum Kurischen Haff gepaddelt. Repro: u
Tagelang ist Dr. Leif Zimmermann bei seinen Paddelreisen alleine unterwegs, im Gepäck nur das Nötigste – ein Gaskocher, Wasser, Fertiggerichte, Müsli und Milch. Sein Zelt baut er oft erst spät abends an einem einsamen Ufer auf, wie hier an der Memel. Heuer ist er auf ihr die 900 Kilometer lange Strecke durch Weißrussland und Litauen bis zum Kurischen Haff gepaddelt.
Die Elbe von der deutsch-tschechischen Grenze bis zu ihrer Mündung zu paddeln, ist für Dr. Leif Zimmermann fast schon Routine. Hier durchquert er einmal mehr Dresden. Repro: u
Die Elbe von der deutsch-tschechischen Grenze bis zu ihrer Mündung zu paddeln, ist für Dr. Leif Zimmermann fast schon Routine. Hier durchquert er einmal mehr Dresden.

Grenzen problematisch

Im Jahr 2000 hat er die Neiße und Oder bis zum Stettiner Haff befahren, 2017 ist er von Belgrad durch Rumänien und Bulgarien bis zum Schwarzen Meer gepaddelt. Die Elbe ab der deutsch-tschechischen Grenze zu fahren, ist für ihn schon Routine. Die mit ca. 900 Kilometer längste 2019-er Tour führte Zimmermann auf der Memel durch Weißrussland und Litauen bis zum Kurischen Haff. Häufig kommt er bei seinen Fahrten durch mehrere Länder. Die Grenzüberquerungen gestalten sich bisweilen problematisch. Eine ist ihm in besonderer Erinnerung: „Im August 2014 paddelte ich auf der Sava. Nachdem ich in Slowenien vom Wildwasserboot auf das Seekajak gewechselt hatte, musste ich einige Staustufen mit dem Bootswagen überwinden. Deren Überläufe wurden von immer mehr Wasser überflossen. Von mir zunächst unbemerkt war in den Staustrecken die Wassermenge zu einem ausgewachsenen Hochwasser angestiegen. Bei einer Staustufe warnten mich die Mitarbeiter vor der Weiterfahrt, was ich in Verkennung der Lage ignorierte. Sie meinten, es würde eine Baustelle für ein Kernkraftwerk am Fluss folgen. Ich sah keine Relevanz für mein Paddeln. Allerdings wurde da das Wasser durch Schütze geleitet - eine absolut tödliche Falle. Als ich das erkannte und ausstieg, kamen Polizisten in Zivil angefahren. Mitarbeiter der Staustufe hatten sie alarmiert. Sie sahen, dass ich die Gefahr gemeistert hatte und hatten nichts gegen eine Weiterfahrt. Ein Problem sahen sie in meinem für den nächsten Tag geplanten Grenzübertritt auf dem Fluss nach Kroatien. Ich hatte wegen der EU-Zugehörigkeit beider Länder keine Schwierigkeiten erwartet. Die Polizisten gaben mir eine Telefonnummer und Verfahrenshinweise mit. Tags darauf erreichte ich das grenznahe Dorf Jesenice. Dort rief ich die angegebene Nummer an. Kurz darauf erschienen zwei Polizisten und fuhren mich zum nahen Autobahngrenzübergang. Dort hatte ich im Neoprenanzug neben den Autos zu warten. Zum Glück kannte mich keiner. Mein Personalausweis wurde kopiert, ein Stempel kam auf die Kopie und mein Grenzübertritt war offiziell. Die Polizisten fuhren mich zu meinem Boot zurück und ich paddelte auf dem inzwischen leicht zurück gegangenen Hochwasser nach Kroatien hinein.“

Protest gegen Motorboote

Die diesjährige Saison ist für ihn bis auf ein paar Tagesfahrten und das Silvesterpaddeln des Vereins so gut wie gelaufen. Sein Blick richtet sich schon auf 2020, insbesondere auf den ca. 680 Kilometer langen Großpolen-Ring. 2017 konnte er ihn wegen einer Schleimbeutelentzündung nicht fahren. Heuer zwang ihn eine Verletzung nach 220 Kilometern zum Abbruch. Für nächstes Jahr hat er sich die restlichen 460 Kilometer von Naklo nad Notecia nach Skwierzyna fest vorgenommen. Im Visier hat er zudem die DVK-Sonderauszeichnung „30 Jahre Deutsche Einheit“. Um sie zu bekommen, muss man zwischen dem 3. Oktober 1990 und 2. Oktober 2020 in jedem Bundesland mindestens 30 Kilometer paddelnd zurücklegen. In 13 Ländern hat Zimmermann die Bedingung mehr als erfüllt. Thüringen, Berlin und das Saarland sind 2020 fällig. Ein Fixtermin ist für ihn am 31. Mai die Teilnahme an der „Vogalonga“ in Venedig. Mit dem Wasserspektakel protestieren alljährlich ca. 6 000 Ruderer und Paddler friedlich gegen die von den Motorbooten erzeugten Wellenbewegungen, die für die Stadt und seine Lagunen gefährlich sind.

Seit neun Jahren ist Dr. Leif Zimmermann bei der „Vogalonga“ in Venedig mit dabei. Zusammen mit 6 000 Ruderern und Paddlern protestiert er gegen die von Motorbooten erzeugten hohen Wellenbewegungen, die für die Stadt und seine Lagunen gefährlich sind. Repro: u
Seit neun Jahren ist Dr. Leif Zimmermann bei der „Vogalonga“ in Venedig mit dabei. Zusammen mit 6 000 Ruderern und Paddlern protestiert er gegen die von Motorbooten erzeugten hohen Wellenbewegungen, die für die Stadt und seine Lagunen gefährlich sind.
 
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