Hirschau
09.10.2021 - 00:03 Uhr

Als die Neugotik wieder Einzug in die Stadtpfarrkirche hielt

Der 9. November 1986 war ein großer Tag für die Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt. Zum Abschluss der Innenrenovierung der Pfarrkirche segnete Bischof Manfred Müller den neuen Volksaltar, weihte den Kreuzweg sowie das neue Ministrantenbanner.

Mit der Renovierung im Jahr 1986 kehrte die Neugotik in die Stadtpfarrkirche zurück. Der Hochaltar erhielt wieder seine Spitze und die Seitenaltäre wurden wieder eingebaut. Zudem erhielt das Gotteshaus einen neuen Volksaltar, einen neuen Ambo und einen neuen Kreuzweg. Bischof Manfred Müller nahm am 9.November 1986 die Benediktion vor. Bild: u
Mit der Renovierung im Jahr 1986 kehrte die Neugotik in die Stadtpfarrkirche zurück. Der Hochaltar erhielt wieder seine Spitze und die Seitenaltäre wurden wieder eingebaut. Zudem erhielt das Gotteshaus einen neuen Volksaltar, einen neuen Ambo und einen neuen Kreuzweg. Bischof Manfred Müller nahm am 9.November 1986 die Benediktion vor.

Kalt, aber sonnig war es, als die Hirschauer dem Diözesanbischof einen großen Empfang bereiteten. Menschenmassen drängten sich auf dem Kirchplatz, die Häuser waren festlich geschmückt und der Musikzug bereitete dem Bischof einen musikalischen Empfang. Bürgermeister Helmut Rösch sprach in seinem Grußwort von einem Freudentag für die Pfarr- und Stadtgemeinde. Der Pfarrkirche komme als Mittelpunkt der Stadt große Bedeutung zu. Das persönliche Erscheinen des Bischofs werte die Einweihung der Kirche weiter auf. Kaum ein Durchkommen gab es für den Bischof und die Geistlichen beim Einzug in die renovierte und geschmückte Pfarrkirche. Mit dem Bischof versammelten sich neun Geistliche um den neuen Volksaltar: Stadtpfarrer Dekan Edwin Völkl, Kaplan Alfons Eder, Regionaldekan Prälat Gotthard Dimpfl, die gebürtigen Hirschauer Priester BGR Georg Bösl, Prälat Helmut Huber, Stadtpfarrer Georg Dobmeier sowie die ehemaligen Kapläne Georg Maier, Rudolf Liebl und Jürgen Hohn.

Eine Stärkung im Glauben

Von 1973 bis 1989 wirkte Stadtpfarrer Edwin Völkl in Hirschau hoch geschätzter Seelsorger. Die Renovierung der Stadtpfarrkirche war das „i-Tüpfelchen“ seiner Bautätigkeiten. In seine Amtszeit fallen der Neubau des Pfarrhofes samt Stadt- und Pfarrbücherei, die Innen- und Außenrenovierung der Vierzehnnothelferkirche, der Umbau des Jugend- und Neubau des Pfarrheimes und der Bau der Caritas-Sozialstation. Bild: u
Von 1973 bis 1989 wirkte Stadtpfarrer Edwin Völkl in Hirschau hoch geschätzter Seelsorger. Die Renovierung der Stadtpfarrkirche war das „i-Tüpfelchen“ seiner Bautätigkeiten. In seine Amtszeit fallen der Neubau des Pfarrhofes samt Stadt- und Pfarrbücherei, die Innen- und Außenrenovierung der Vierzehnnothelferkirche, der Umbau des Jugend- und Neubau des Pfarrheimes und der Bau der Caritas-Sozialstation.

Der Gottesdienst wurde vom Kirchenchor und einer Bläsergruppe mit der Messe „Freut euch, wir sind Gottes Volk“ feierlich gestaltet. Dekan Völkl hoffte in seiner Begrüßung, dass durch den Bischofbesuch die Gemeinde eine Stärkung im Glauben erfahre. Bischof Müller betonte denn auch in seiner Predigt, dass er mit seinem Besuch den Glaubensmut der Priester wie der Gemeinde stärken wolle: „Die schönste Kirche wäre nur ein Museum, wenn nicht die Menschen darin Gott verherrlichen würden.“ Mit dem Hinweis auf Missionsbischof Bösl stellte er fest, „dass die Hirschauer Gemeinde über den eigenen Kirchturm hinausschaut.“ Bei der Weihe des Volksaltars, des Ambos und des Kreuzwegs rief der er Gottes Segen auf die Kirche herab. Dekan Völkl dankte dem Bischof, aber auch allen, die mit ihrer Arbeit oder Geldspende die Renovierung ermöglicht hatten. Es folgte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Beim Stehempfang im Pfarrheim lobte der PGR-Vorsitzende Rudolf Kederer die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Völkl und das gemeinsame Bemühen, die Pfarrei mit Leben zu erfüllen. In ihren Grußworten gratulierten der evangelische Pfarrer Helmut Seidel, Bezirkstagsvizepräsident Josef Stauber und stellv. Landrat Willi Morgenschweis zu dem gelungenen Werk.

In den 1960-er Jahren war eine Erweiterung der Kirche immer wieder diskutiert, aber aus Kostengründen verworfen worden. Unter Stadtpfarrer Heinrich Röhrl war 1968 eine umfassende Renovierung erfolgt. Mit der Abnahme der Hochaltarspitze, der Entfernung der Seitenaltäre und der Kanzel war die Neugotik verschwunden. Die Vorbauten der Oratorien, die Kommunionbank und das Kriegerdenkmal waren entfernt worden. Die Beichtstuhlfassaden waren modernisiert, ein neuer Kreuzweg mit Betonfiguren angebracht worden. Viele hatten dies als „Kahlschlag“ bedauert.

Ende der 1970-er, Anfang der 1980-er Jahre gab die Kirche eine schlechte Visitenkarte ab. Stadtpfarrer Röhrls Nachfolger Edwin Völkl war sich mit der Kirchenverwaltung einig, dass eine Renovierung dringend notwendig war. Da die der Vierzehnnothelferkirche und der Umbau des Jugendheimes mit Anbau des Pfarrheimes vordringlicher waren, musste dieses Großprojekt zunächst aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden.

Reliquienschreine der Stadtpatrone

1968 war es so weit, nachdem mehrmals Vertreter des Amtes für Denkmalpflege in Hirschau waren und die Bischöfliche Finanzkammer der Maßnahme zugestimmt hatte! Im Mai, nach dem Pfingstfest, wurde mit der Renovierung begonnen. Die Kosten wurden auf 800 000 DM veranschlagt. Es sollten 900 000 DM werden. Die Kirche sollte heller und „wärmer“, die 1968 entstandene „Leere“ beendet und die einst dominierende Neugotik wieder hergestellt werden. Deswegen erhielt der Hochaltar wieder seine Spitze mit der Gruppe der Hl. Dreifaltigkeit sowie den beiden Seitenfiguren St. Emmeram und St. Ulrich und die neugotischen Aufbauten, die teilweise noch erhalten waren. In den Volksaltar wurden auch die Reliquien der römischen Märtyrer Instinus, Vitalis und Fortunata eingelassen. Farblich dominierte beim Hochaltar wieder das freundliche Rot-Gold. Links von ihm wurde der Taufstein aufgestellt, rechts der 1585 errichtete Grabstein der Wurmrauscher. Der vordere Kirchenteil erhielt ein neues Chorgestühl mit gotischer Rückenwand. Auf der rechten Seite wurde darüber die Kreuzigungsgruppe angebracht, auf der linken mehrere Heiligenfiguren. Die vorderen Erker der Oratorien wurden zugemauert, an den beiden hinteren die Verkleidung herausgesetzt. Völlig neu waren der Volksaltar und der Ambo. Sie bilden mit ihrer neugotischen, aus dem alten Chorgestühl stammenden Verzierung einen Mittelpunkt.

Zu einem besonderen Blickfang wurden die neu aufgestellten Seitenaltäre: Der rechte mit dem hl. Josef, flankiert vom hl. Georg und hl. Sebastian, darüber Herz Jesu – der linke mit dem hl. Antonius, flankiert von der hl. Katharina und hl. Margareta, darüber Herz Mariä. In den Altarnischen wurden wieder die Reliquienschreine der Hirschauer Stadtpatrone St. Placidus (rechts) und St. Pius (l.) untergebracht. Diese Reliquien kamen schon ca. 1730 bzw. 1760 in die Stadtpfarrkirche. Im Kirchenschiff wurden die alten Bänke mit ihren geschnitzten barocken Stuhlwangen wieder aufgestellt. In die Bänke wurden Induktionsschleifen für Hörgeräte eingebaut. Die Verkleidung der Beichtstühle wurde gotisiert, im hinteren Teil der Kirche ein neuer Beichtstuhl eingebaut, zudem ein Beichtzimmer geschaffen. Einen besonderen Akzent setzte der neue Reliefkreuzweg, der aus der Franziskanerkirche in Neunburg vorm Wald stammt. Nicht mehr erstellt wurden die Kanzel und das Kriegerdenkmal. Nicht geändert wurde die Kirchenheizung. Man baute nur neue Filter ein. Die Decke im Kirchenschiff wurde restauriert und die Beleuchtung vergrößert. Eine böse Überraschung gab es zu Beginn der Renovierungsarbeiten. Der Fuß des Dachstuhls war teilweise angefault, der Dachboden undicht. Daher wurde eine neue Isolierung eingebaut. Auch die Orgel wurde gereinigt und überholt.

Bei der Renovierung 1968 unter Stadtpfarrer Heinrich Röhrl war mit der Abnahme der Spitze des Hochaltars sowie der Entfernung der Seitenaltäre und der Kanzel die Neugotik aus der Stadtpfarrkirche verschwunden. Bild: u
Bei der Renovierung 1968 unter Stadtpfarrer Heinrich Röhrl war mit der Abnahme der Spitze des Hochaltars sowie der Entfernung der Seitenaltäre und der Kanzel die Neugotik aus der Stadtpfarrkirche verschwunden.
Von Pfingsten bis November 1986 war die Stadtpfarrkirche eine Großbaustelle. Durch die Renovierung sollte die Neugotik wieder in das Gotteshaus einkehren. Bild: u
Von Pfingsten bis November 1986 war die Stadtpfarrkirche eine Großbaustelle. Durch die Renovierung sollte die Neugotik wieder in das Gotteshaus einkehren.
Beim Pontifikalamt scharten sich neun Konzelebranten um den neuen Volksaltar. V. l.: Stadtpfarrer Georg Dobmeier, BGR Georg Bösl, Prälat Gotthard Dimpfl, Dekan Edwin Völkl, Bischof Manfred Müller, Prälat Helmut Huber, Ex-Kaplan Rudolf Liebl, Ex-Kaplan Georg Maier und Kaplan Alfons Eder. Nicht im Bild: Ex-Kaplan Jürgen Hohn. Bild: u
Beim Pontifikalamt scharten sich neun Konzelebranten um den neuen Volksaltar. V. l.: Stadtpfarrer Georg Dobmeier, BGR Georg Bösl, Prälat Gotthard Dimpfl, Dekan Edwin Völkl, Bischof Manfred Müller, Prälat Helmut Huber, Ex-Kaplan Rudolf Liebl, Ex-Kaplan Georg Maier und Kaplan Alfons Eder. Nicht im Bild: Ex-Kaplan Jürgen Hohn.
 
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