04.06.2020 - 10:25 Uhr
HirschauOberpfalz

Seit 45 Jahren graziöse Begleiterinnen des Hirschauer Musikzugs: die Majoretten

Drei Ereignisse machen 1975 zu einem markanten Jahr in der 68-jährigen Geschichte des Musikzugs Hirschau: Die Namensänderung von Spielmanns- in Musikzug, die Teilnahme an der Steuben-Parade in New York und die Gründung der Majorettengruppe.

von Werner SchulzProfil

Dass den Musikzug seit 45 Jahren bei vielen Anlässen junge, ihren Baton schwingende Damen begleiten, ist vor allem das Verdienst von Musikzuggründer Sepp Uschold. Es war die Französin Viviane Flaus, die ihn Ende 1974 bei einem Auftritt des Musikzugs in Saarlouis faszinierte und inspirierte. Die junge Dame verstand es perfekt, den Baton in die Luft zu werfen und ihn graziös um und durch die Finger gleiten zu lassen. Uschold war schnell klar: "So etwas fehlt noch beim Spielmannszug. So eine Majorettengruppe müssen wir schnellstmöglich auf die Beine stellen."

Daheim besprach er die Idee mit Gerlinde Strobl. Die zeigte sich sehr aufgeschlossen und nahm die Gründung der Gruppe in die Hand. Am 15. März 1975 fuhr sie mit Karin Uschold, Christine Schreiner und dem 2. Vorsitzenden Hans Bösl nach Saarbrücken, um sich bei einem Majoretten-Kurs die ersten Grundbegriffe anzueignen.

"Mohikaner" als erster Tanz

Anfang April 1975 trafen sich Erika und Marion Ackermann, Claudia und Petra Dotzler, Anita Hopfner, Ottilie Lindner, Gabriele Reil, Elke Schön, Petra Scholzen, Erika und Christine Schreiner, Ursula Schulz, Ulrike Skribelka, Heike Strobl sowie Conny und Karin Uschold zum ersten Training. Als erster Tanz wurde der „Mohikaner” eingeübt, es folgten „Like Deeler”, „Fiesta Mexikana” und „Rosamunde”. Ab Mitte April unterstützte Majorettenmutter Viktoria Böller die jungen Damen. Karin Uschold wurde Kommandeuse.

Unmittelbar vor dem ersten öffentlichen Auftritt nahmen Viktoria Böller, Gerlinde Strobl, Christine Schreiner, Heike Strobl und Ulrike Skribelka in Aschaffenburg an einem zweiten Kurs teil. Dort traten die Hirschauer als Gründungsmitglied dem Tanzsportverband Deutscher Majorettengruppen bei. In den 80er-Jahren wurde dieser in Deutscher Twirling-Sportverband (DTSV) umbenannt. Musikzug-Chef Werner Stein wurde 2005 als Beisitzer in dessen Vorstand gewählt. Von 2011 bis 2016 hatte er dort das Amt des Schriftführers inne. 2016 trat der Musikzug aus dem Verband aus, da die Kurse für die Majoretten nur mehr in zu großer Entfernung in Aschaffenburg oder Frankfurt stattfinden.

Erster öffentlicher Auftritt beim Drachenstich in Furth im Wald

Am 10. August 1975 war der große Moment gekommen: Es gab den ersten öffentlichen Auftritt. Beim Drachenstich in Furth im Wald marschierten erstmals - ihren Baton schwingend - an der Spitze des Spielmannszuges in blauer Tracht die jungen Damen des Majorettenkorps.

In Hirschau stellten sie sich drei Wochen später bei der Premiere des Marktplatzfestes vor. Mit dem „Huldigungsmarsch” kamen die Mädchen über den dicht umsäumten Marktplatz zur Grundaufstellung. Das Publikum begleitete und belohnte die Darbietungen mit tosendem Beifall. Die Zugaberufe waren so hartnäckig, dass das Programm zweimal wiederholt werden musste. Wiederum wenige Wochen später, beim dritten Jahrestag des Kaufhauses Storg, trat die Gruppe in verändertem Outfit mit hellblonden Perücken auf. Die Tracht hatte man durch weiße Blusen vervollständigt. Später tauschte man die Perücke gegen einen blauen Hut mit weißer Feder.

Seit 1978 beim Rosenmontagszug in Düsseldorf dabei

In der Folgezeit aktualisierten die Mädchen ständig ihr Repertoire. Mit ihren Tanz- und Marschdarbietungen begeisterten sie ihr Publikum - egal ob sie uniformiert oder kostümiert, mit Leucht- oder Fahnenstäben auftraten. Auch als Sologruppe stellten sie ihr Können unter Beweis. Sogar in der Karnevalshochburg Düsseldorf sorgten der Musikzug und seine Majoretten für Aufsehen. Seit 1978 sind sie dort jedes Jahr beim Rosenmontagszug mit von der Partie. 1980 verabschiedeten sich Gerlinde Strobl und Karin Uschold. Erika Ackermann wurde Kommandeuse, Viktoria Böller Leiterin der Majorettengruppe.

Als Kommandeusen folgten von 1990 bis 1992 Michaela Kamm, von 1992 bis 2003 Monika Linseele, nach ihr Daniela Siegert und Manuela Tardel bis 2016. Dann übernahm Marie Giehrl bis 2019 diese Aufgabe, seither die17-jährige Lilli Pfab aus Steiningloh. Sie ist zugleich Chefin der zwölfköpfigen Nachwuchsgruppe. Deren Mitglieder sind zwischen fünf und zwölf Jahre alt.

Vertreter von Musikzug und Majoretten beim Rosenmontagszug in Düsseldorf

Hirschau

Als Viktoria Böller nach mehr als 20-jährigem Engagement ihren Abschied nahm, stand Werner Stein, der 1987 die Nachfolge von Sepp Uschold angetreten hatte, an der Spitze des Musikzugs. Er würdigte ihre großen Verdienste der „Majorettenmutter“. Den Titel habe sie sich hoch verdient, habe sie doch immer ein offenes Ohr für jeden im Verein gehabt, bei kleinen wie großen Wehwehchen.

Aufbau einer Nachwuchsgruppe

Mit dem Aufbau einer Nachwuchsgruppe begannen Kerstin Ackermann und Sonja Treutel 2003. Ihre Arbeit trug bald Früchte. 2005 konnten die Kleinen wie die Großen beachtliche Erfolge erzielen. Sie qualifizierten sich für das C-Endrundenturnier des DTSV und belegten hervorragende Plätze. Zur Vorbereitung war sogar Brigitte Steinhäuser, Trainerin der deutschen Twirling-Nationalmannschaft, angereist.

2010 glänzten das Geschwisterpaar Marie und Julia Giehrl und das Duo Theresia Schneider/Nadine Treutel mit sehr guten Leistungen. Sie belegten beim B-Sichtungsturnier des DTSV einen hervorragenden zweiten beziehungsweise dritten Platz. 2012 richtete der Musikzug in der Schulturnhalle ein Sichtungsturnier des DTSV aus, an dem 180 Akteure teilnahmen.

Jubiläumsshowtanz „New York, New York“

Ihr 40-Jähriges feierten die Majoretten 2015 im Rahmen des Musikzug-Osterkonzerts. Julia und Marie Giehrl, Olivia Neal, Lilli Pfab, Nikola und Leonie Hubmann marschierten in kurzer schwarzer Hose, weißem T-Shirt und schwarzem Hut auf und präsentierten – vom Orchester begleitet – ihren Jubiläumsshowtanz „New York, New York“, die Giehrl-Schwestern und Olivia Neal später den „Summernight Rock“. Das 45-Jährige kann zum Leidwesen der derzeit neun Majoretten im Alter zwischen 17 und 27 Jahren wegen der Coronakrise nicht entsprechend gefeiert werden.

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