14.08.2021 - 00:24 Uhr
HirschauOberpfalz

Weitestgehend vergessen – die „Hirschauer Zeitung“

Erzählt man in gemütlicher Runde, dass es vor fast 100 Jahren eine eigene „Hirschauer Zeitung“ gegeben hat, erntet man in der Regel ungläubiges Staunen! Eine „Hirschauer Zeitung“?

Einen interessanten Fund machte Stadtheimatpfleger Sepp Strobl in den Archiven der Stadt Hirschau: Von Januar 1926 bis zum Februar 1928, also ca. zwei Jahre lang, erschien in der Kaolinstadt täglich (außer Sonn- und Feiertagen) eine „Hirschauer Zeitung“. Bei der Lektüre der gesammelten Ausgaben stößt man immer wieder auf interessante Begebenheiten.
von Werner SchulzProfil

Wer sonst als Stadtheimatpfleger Sepp Strobl wüsste darüber und davon Bescheid? Er hat die Belege dafür, dass vom Januar 1926 bis zum Februar 1928, also ca. zwei Jahre lang, in Hirschau täglich (außer Sonn- und Feiertag) eine eigene Zeitung mit kleiner Auflage erschien. Gedruckt wurde sie in Amberg von einem Herrn Schütz. Für die Schriftleitung zeichnete ein gewisser Georg Zimmermann aus Hirschau verantwortlich. Die Verlagsexpedition war im Hause Bösl, Hauptstraße 13a (heute Kropp) untergebracht.

Die Tageszeitung hatte in der Regel sieben bis neun Seiten, aufgebaut in Ereignisse aus dem Weltgeschehen, aus Deutschland, Bayern und der Oberpfalz. Über Hirschau selbst wurde außer einigen Beschlüssen des Stadtrats und örtliche Begebenheiten nicht allzu viel berichtet. Interessant sind schließlich noch die Werbungen auf der Schlussseite.

Offenkundig konnte das Blatt nicht mit dem „Amberger Volksblatt“ konkurrieren, das der überwiegende Teil der Hirschauer Bevölkerung bezog. Sepp Strobl vermutet darin letztlich den Grund, dass die Zeitung schon nach gut zwei Jahren wieder eingestellt wurde. Zudem gab es wohl Schwierigkeiten mit dem Druckverlag in Amberg, die mit zum Ende des Blattes beitrugen.

Eine echte Sensation waren im Mai 1926 die Vorstellungen der Seilkünstlertruppe von Leonardi Renner. Entsprechend groß waren die Ankündigung der Sensationsveranstaltung, deren Besuch und die Berichte darüber.
Wichtige Beiträge in der Hirschauer Zeitung waren immer die Meldungen über Unfälle und andere Ereignisse in der Stadt. Da wollten es z.B. Anfang Juni 1926 einige Hirschauer Burschen dem Seilkünstler Renner nachmachen, wurde im August 1926 die Innenstadt nach einem Unwetter überschwemmt und zog sich der Schuhmacher Georg Bösl (Vater des späteren Bürgermeisters Willi Bösl und von Bischof Antonio Eduardo Bösl) bei einem Sturz schwerste Verletzungen zu.

 

 

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