Landhotel "Birkenhof" in Hofenstetten bereitet sich auf Wiedereröffnung vor

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Nur sechs Tage bleiben Gastronom Hubert Obendorfer im März, um seinen zweiten Stern zu feiern, dann kommt der Lockdown. Jetzt heißt es neu durchstarten. Das Landhotel "Birkenhof" in Hofenstetten bringt dafür mehr als ein Plus mit.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Das große Tischerücken im Landhotel "Birkenhof" hat schon begonnen. Gut eine Woche braucht der Betrieb Vorlauf, um wieder loszulegen. Überall wird geschrubbt, die Küchenlandschaft blitzt, und in den Pools blubbert das Wasser. Anstelle von Gästen parken Handwerker vor dem Eingangsbereich, denn die Zeit drängt: Am Mittwoch, 10. Juni, sollen Hotel und Restaurant wieder öffnen, nur die Gäste der Zwei-Sterne-Küche im Restaurant "Eisvogel" müssen sich noch bis 1. Juli gedulden. Hotelier Hubert Obendorfer ist die Erleichterung darüber anzusehen, dass er jetzt sein Haus wieder "aufwienern" darf.

Ich habe keine Angst vor der Zukunft aber Respekt.

Gastronom Hubert Obendorfer

Gastronom Hubert Obendorfer

Mitte März hatte die komplette Gastronomie geschlossen – nur wenige Tage nachdem Obendorfer seinen zweiten Michelin-Stern für den angegliederten "Eisvogel" bekommen hatte. Jetzt steht ein Neuanfang auf dem Programm – mit umfassendem, durch Corona bedingten Hygiene-Konzept. Gleich vor der Rezeption steht die erste Desinfektionsstation, die nur ein sichtbares Zeichen all dessen ist, was im Hintergrund läuft. "Im Moment ist nichts einfach zu kriegen, nicht einmal Gummihandschuhe", sagt der Hotelier. "Wir wollen das akkurat machen", erklärt der 55-Jährige, "in dieser Liga leben wir davon, dass uns die Gäste vertrauen. Sie müssen sich sicher fühlen, wenn sie zur Tür hereinkommen". Da ist viel Logistik gefragt, beispielsweise bei der Ausgabe von Tüchern im Liegebereich. Die gibt es jetzt zur Sicherheit eingeschweißt in Plastik.

Schutz und Verantwortung

"Aber irgendwo kommen wir auch an den Punkt der Eigenverantwortung", gibt der Gastronom zu bedenken, "denn wie soll ich überprüfen können, ob es sich in einer Gruppe um Familienmitglieder handelt?" Die Belegschaft hat sich für Mund-Nasen-Schutz statt für durchsichtige Kunststoffschilder vor dem Gesicht entschieden, und für die ersten Tage wurde das Personal deutlich aufgestockt. Trotz aller Hürden ist dem Kreisvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes bewusst, dass er mit ein paar Privilegien an den Start geht.

Da ist einmal der Platz. Gleich mehrere Terrassen bieten einen Blick über das weitläufige Gelände, da mussten dann auch nur wenige Tische weichen. Von dort lässt der Hotelier den Blick über den vergrößerten Schwimmteich und die drei Pools im Außenbereich schweifen. "Die dürfen auch jetzt schon genutzt werden", freut sich der Chef. Immerhin ein Plus in einer Zeit, in der viele Freibäder geschlossen haben. Die Pools im Innenbereich und die Sauna-Anlagen sind aber noch tabu. "In Sachsen wäre das anders", bedauert Obendorfer. Er hofft, dass auch hier bald die Hürden fallen.

Auch die Lage des Hotels fernab der großen Zentren ist jetzt ein Vorteil. "Ein Nachteil war das noch nie", meint Obendorfer. "Heute bedeutet eine gute Lage auch die Ruhe und nicht unbedingt Frequentierung." Auch die Natur zählt jetzt verstärkt auf dem Haben-Konto, und Obendorfer hat die Zwangspause für einen größeren Umbau genutzt. "Ein Teil war schon vor Corona geplant", berichtet der 55-Jährige, der dann deutlich mehr anpackte, weil man so richtig viel Lärm machen konnte. "Ein blaues Auge weniger", kommentiert er scherzhaft die Zeit mit null Umsatz, aber dafür ohne Konflikt mit Gästen. So ersetzen im Nebengebäude neun nagelneue Suiten zehn Einzelzimmer, es gibt neue Balkone, einen umgebauten Barbereich und eine ganze Reihe weiterer Neuerungen im Wellness- und Restaurant-Areal. Bis Ende Juli soll alles fertig sein, solange sind von den insgesamt 150 nur 84 Betten buchbar. Ohnehin rechnet der Hotelier für heuer wegen der Abstandregelung nur mit 120 Betten.

Brutale Leere

Es sind vor allem Stammgäste, die sich als erstes wieder in das Wellness-Hotel wagen, berichtet Obendorfer, viele würden noch zögern. "Dieses Jahr werden wir uns sicher noch durchkämpfen müssen", schätzt der Gastronom, der für die verbleibenden Monate heuer mit 30 Prozent weniger Umsatz rechnet. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft aber Respekt", erklärt er angesichts der nach wie vor nicht zu unterschätzenden Pandemie. Nur zu gut erinnert er sich an die bedrückenden Tage, nachdem im März die letzten Gäste abgereist waren. "Wir gehören zu den wenigen Branchen, die einfach auf unbestimmte Zeit geschlossen worden sind", verdeutlicht er den Einschnitt. "Das war brutal, als hier alles leer stand, eine völlig surreale Stimmung", beschreibt er die ersten Tage nach dem Lockdown. "Ich dachte, das packe ich nicht."

Inzwischen stuft der Koch und Hotelier die Situation als "für unsere Verhältnisse zufrieden" ein. "Ich glaube, dass uns der Sommer hilft", zeigt er sich optimistisch im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Außerdem sei man jetzt vorbereitet. Und das Kochen hat er im Übrigen während der Zwangspause auch nicht verlernt. Er hat die Zeit genutzt, um hin und wieder Kollegen zu besuchen – und "jeden Tag für meine Frau und meine Mutter gekocht".

Im Blickpunkt:

Klopapier und Überlebenskampf

Für die Hotels und Gaststätten im Landkreis rechnet Hubert Obendorfer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands damit, dass als Folge der Corona-Pandemie drei bis vier Betriebe auf der Strecke bleiben könnten. "Viele sind selbst Besitzer ihrer Häuser, und auf dem Land ist auch die Pacht oft nicht so hoch, in den Städten sieht das anders aus", gibt er zu bedenken. Auch ob sich Vermieter erweichen lassen, auf Teile der Miete zu verzichten, werde da eine Rolle spielen. Für den Hotelier war auf jeden Fall die Kurzarbeit von Vorteil, um sein Personal zu halten - auch wenn er vielen Mitarbeitern aus dem Ausland oft in Einzelgesprächen erklären musste, was das bedeutet. Wie viele seiner Kollegen hat auch ihn der erste Weg zur Bank geführt, um Finanzielles abzuklären. "Manche haben dort nicht einmal einen Termin gekriegt", weiß er. Auch jetzt habe das Gastgewerbe noch gewaltig zu kämpfen. "Viele Biergärten machen wieder zu", gibt er zu bedenken. "Ich weiß von Hotels im Bayerischen Wald, denen fehlen Gäste, weil die einfach keine Lust zum Konsumieren haben." Einen Vorteil allerdings hatten die Hotel-und Restaurant-Besitzer im Lockdown: Sie hatten einen schier unerschöpflichen Vorrat an Toilettenpapier. "Bei 80 Zimmern sind das so 500 bis 1000 Rollen", rechnet Obendorfer hoch. Da habe man auch notleidenden Mitarbeitern was abgeben können. "Vielleicht", überlegt der 55-Jährige, kann man irgendwann über diese Zeit auch wieder lachen".

Mehr über "Birkenhof" und "Eisvogel":

Neunburg vorm Wald

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