05.06.2020 - 14:13 Uhr
HohenburgOberpfalz

Brand in Hohenburg: Familie kommt bei Nachbarn unter

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So langsam sehen die Dietls Licht am Ende des Tunnels: Nach dem Brand in Hohenburg haben sie eine neue Wohnung in Aussicht, viele Menschen haben ihre Hilfe angeboten. Enttäuscht sind sie trotzdem: von der Gemeinde und von vielen Gaffern.

Von den drei Häuser mitten im Marktkern von Hohenburg, in denen in der Nacht vom 25. auf 26. Mai die Flammen gewütet hatten, war nur eines bewohnt. Im Erdgeschoss lebte ein alleinstehender Mann, im Stockwerk darüber Familie Dietl. Sie ist einstweilen bei Nachbarn untergekommen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

„Wir hatten 1000 Schutzengel“, sagt Karl-Heinz Dietl (52), der genauso wie seine Frau Alexandra (49) und sein Sohn Dominik (23) seit der Nacht zum 26. Mai obdachlos ist. Vorläufig ist die Familie, zu der auch drei Hunde gehören, bei hilfsbereiten Nachbarn untergekommen. Diese vermittelte den Dietls ein neues Zuhause: Ein Bekannter hätte, ebenfalls in Hohenburg, eine Wohnung für sie. Problem dabei: Sie müsse erst hergerichtet werden.

Karl-Heinz Dietl (links), der in der Brandnacht wegen einer Fuß-Operation in Rummelsberg im Krankenhaus lag, und sein Sohn Dominik schildern, was die Familie durch die Flammen alles verloren hat: ihr Zuhause und den kompletten Hausrat.

Es ist der 25. Mai, ein Montag. Im Marktkern von Hohenburg bricht Feuer aus. Gegenüber dem Rathaus stehen drei Häuser in Flammen. Nur eines davon ist bewohnt. Im Erdgeschoss lebt ein alleinstehender Mann, Familie Dietl darüber. Um kurz vor 21.45 Uhr ist Dominik Dietl ins Haus zurückgekehrt. Der 23-Jährige war mit den Hunden draußen. Zehn Minuten später hört er ein Geräusch. Es klingt wie Hagel. Er blickt in den Garten. Der Sohn des Nachbarn schreit: „Es brennt.“ Dominik Dietl rettet sich ins Freie.

Die Brandnacht von Hohenburg

Hohenburg

Von all dem bekommt sein Vater nichts mit. Er liegt nach einer Fuß-OP im Krankenhaus in Rummelsberg. Er weiß nicht, dass Sohn Dominik nochmals ins Haus zurückkehrt, um die Mutter zu retten. Alexandra Dietl wird hernach ihrem Mann erzählen, dass sie ferngesehen habe und schlafen gehen wollte. Auch sie hatte eine Fuß-OP hinter sich, war aber tags zuvor aus dem Krankenhaus wieder entlassen worden. Ihr Ehemann hätte eigentlich noch bis zum 1. Juni in Rummelsberg bleiben müssen.

Als dieser am Tag nach dem verheerenden Brand erfährt, was in der Nacht geschehen war, hält ihn nach eigener Aussage nichts mehr in der Klinik. Nicht einmal die mahnenden Worte des Leitenden Oberarztes, dass er Gefahr laufe, sein operiertes Bein zu verlieren. „Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause“, erzählt er Tage später. Doch daheim ist nichts mehr, wie es war. Über Nacht sind die Dietls obdachlos geworden. Geblieben seien ihnen nur ein paar Habseligkeiten: ein Sideboard, zwei kleinere Schränke, vier Stühle, zwei Tische. Froh sind die Dietls, dass ihre Haustiere überlebt haben: drei Hunde, zwei Katzen und deren insgesamt sechs Babys. Karl-Heinz Dietl schildert, dass die Katzen inzwischen im Nachbarort sind: Die Katzenhilfe Schmidmühlen hat sie aufgenommen und will sie vermitteln.

Dafür ist Karl-Heinz Dietl sehr dankbar. Genauso wie für die Solidarität der Nachbarn, bei denen die Familie sofort samt der drei Hunde unterkam. Und auch deren Bekannte hätten sofort ihre Unterstützung angeboten: Sogar bis aus Augsburg und Brandenburg hätten Leute sich erkundigt, was das Ehepaar und sein Sohn jetzt brauchen könnte. Enttäuscht hingegen ist Karl-Heinz Dietl von Bürgermeister Florian Junkes. „Er brüstet sich damit, dass er uns alle schön untergebracht hat. Aber ich frage mich, wen hat er untergebracht? Uns jedenfalls nicht.“

Bürgermeister bei Einsatz dabei

Hohenburg

Unschön findet er das Verhalten einiger Hohenburger in der Brandnacht. „Sie standen am Marktplatz und gafften, Schulter an Schulter, ohne Masken und in mehreren Reihen.“ Einer habe zu Alexandra Dietl, die im Schlafanzug draußen stand, gesagt: „Endlich mal was los in Hohenburg.“ Dietl, der mit seiner Familie seit zwei Jahren im Markt wohnt, vermutet die Haustiere als Ursache, warum die Gemeinde die Familie nicht unterbringen wolle. „Aber sie schämt sich nicht, für drei Hunde 200 Euro an Hundesteuer zu verlangen“, echauffiert er sich und sagt in Richtung Rathaus: „Dieses Geld nehmen’s schon.“

Verärgert ist er zudem, weil nach dem Brand sich noch jemand im Haus rumgetrieben habe – „obwohl die Wohnung von der Polizei gesperrt wurde“. Seitdem fehlten Führerschein und Personalausweis seiner Frau. Und auch ein Regal samt Geschirr habe der Unbekannte kaputt gemacht. Karl-Heinz Dietl hat laut eigener Aussage auch schon öfters gehört, dass die Leute sich bedauernd über die abgebrannten Häuser äußerten. „Aber wie’s den Leuten geht, die da drin gewohnt haben, interessiert niemanden.“

Bis Familie Dietl ein neues Zuhause gefunden hat, kann sie bei den Nachbarn bleiben. „Die haben selbst vier Kinder, aber alle sind zusammengerückt, damit wir bei ihnen untergekommen sind“, freut sich der Familienvater über die Solidarität. Und er hofft, dass sich wohnungstechnisch das, was ihnen in Aussicht gestellt wurde, realisieren lässt. „Das wäre auch in Hohenburg, nur ein paar Häuser weiter.“ Allerdings, so schränkt er sogleich ein, werde es wohl noch etwas dauern, bis die Wohnung bezogen werden könne: „Der Vormieter muss sie furchtbar hinterlassen haben.“

Karl-Heinz Dietl ist zuversichtlich, dass der Umzug klappen wird – auch wenn es sich noch etwas zieht. Für die Familie sei das ein „bisschen Licht am Ende des Tunnels“. Dankbar ist er auch den Einsatzkräften. „Die Feuerwehr war ruckzuck da“, weiß er aus den Schilderungen all jener, die die Nacht live miterlebt hatten. Und sie habe Schlimmeres verhindert: Ein Übergreifen auf ein weiteres, nur durch eine kleine Gasse getrenntes Haus.

Vater und Sohn wollen sich gar nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn die Nachbarstochter nicht gerade das Katzenklo gereinigt und dabei aus dem Fenster geblickt hätte. So nämlich sah sie den Brand. „Wir hatten 1000 Schutzengel“, sagt Karl-Heinz Dietl leise. Dominik Dietl offenbart, dass er seit der Brandnacht unruhiger schläft. Beim jüngsten Probealarm in Hohenburg, als die Feuerwehr-Sirenen heulten, „hat es uns alle gerissen“, gesteht Karl-Heinz Dietl.

Info:

Hausrat willkommen

Freuen würde sich Familie Dietl, die bei dem Großbrand in Hohenburg ihr Hab und Gut verloren hat, über den einen oder anderen spendierten Hausrat. „Also, wenn jemand ein paar Handtücher übrig hat. Oder einen Schrank, den er nicht mehr braucht“, sagt Karl-Heinz Dietl und zählt auf, was dringend benötigt werde: Bettwäsche, Kissen und Decken. Geschirr könne noch ein bisschen zurückstehen. Einige Hilfsangebote erreichten die Familie bereits. „Das ist schon überwältigend“, freut sich der Familienvater über die Solidarität. Wer übrigen Hausrat der Familie geben will, kann sich bei Karl-Heinz Dietl per E-Mail melden: karl-heinz.dietl[at]gmx[dot]de. Eines aber betont der Familienvater: Hausrat oder Möbel nehme man gerne, Geld aber wolle man keines. „Wir wollen nicht, dass für uns Geld gesammelt wird“, stellt er klar.

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