27.05.2020 - 18:35 Uhr
HohenburgOberpfalz

Großbrand in Hohenburg – und der Bürgermeister löscht mit

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Auf dem Weg zum Feuerwehrhaus in Hohenburg sah Florian Junkes schon den Feuerschein. Da wusste er: "Es brennt im Markt" – für den Bürgermeister, der auch aktiver Feuerwehrmann ist, war das "ziemlich emotional".

Hohenburgs Bürgermeister Florian Junkes erzählt im Hof hinter den abgebrannten Häusern am Marktplatz von seinen Eindrücken jener Nacht: Er war als Feuerwehrmann bei diesem Großbrand im Einsatz.
von Heike Unger Kontakt Profil

Als Florian Junkes, in diesem Fall nicht als Hohenburger Bürgermeister, sondern als Atemschutzträger der Ortsfeuerwehr, am Montag kurz vor 22 Uhr ausrückte, weil ihn die Sirene alarmiert hatte, wusste er nicht, um welchen Einsatz es ging. Und dass das eine lange Schicht werden würde. Eine sehr lange. Sie dauerte bis Dienstagnachmittag. Dann aber ging nichts mehr, Junkes musste erst mal ein bisschen Schlaf nachholen.

Brandursache noch nicht geklärt

Am Mittwoch, bei einem Ortstermin mit der Redaktion, ist noch nicht klar, was den Großbrand ausgelöst hatte: Am Vormittag waren die Brandfahnder da, um nach der Ursache zu suchen, berichtet Junkes vor den drei Häusern am Marktplatz, die die Flammen erfasst hatten. Ein Ergebnis der Brandursachen-Forschung soll frühestens am Donnerstag vorliegen, teilt das Polizeipräsidium in Regensburg auf Nachfrage mit.

Auch wenn der Auslöser noch unklar ist: Bei Tageslicht wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Wenn auch nur zum Teil. "Am Dienstagmittag war der Statiker da", berichtet Junkes: Er hat den Zutritt zu den drei Gebäuden untersagt, da hier teilweise Einsturzgefahr besteht. Rot-weißes Absperrband hält Neugierige fern, von denen auch jetzt noch einige vorbei kommen. Sie sehen die verkohlten Dachbalken, die tiefschwarz in den strahlend blauen Himmel ragen. Auf der Straße vor den Häusern liegen zersprungene, angekokelte Dachziegel, es riecht verbrannt.

Noch zweimal aufgeflackert

Eine Umleitung regelt den Verkehr, auch er muss Abstand vom Brandort halten. Nicht nur die Statik ist hier ein Thema. Noch zweimal, am Dienstagnachmittag gegen 15.30 Uhr, und auch am Mittwochmorgen um 7 Uhr, ist das Feuer wieder aufgeflackert. Die Feuerwehr wurde deshalb zweimal nachalarmiert. Der Laie staunt, der Bürgermeister im Feuerwehrdienst winkt ab: Das sei bei solchen Großbränden nicht ungewöhnlich. "Da sind sicher jetzt auch noch Glutnester drin", meint er – und fügt scherzhaft hinzu: "Aber wir haben das schon gut durchflutet." 15000 Kubikmeter Löschwasser waren es, meint der Bürgermeister. Noch am Tag danach stand hinter einer Tür im ersten Stock eines der Häuser das Wasser 30 Zentimeter hoch, erzählt er.

Weil die Einsatzkräfte in der Brandnacht Unmengen von Löschwasser in die drei Häuser gespritzt haben, haben sie Schlimmeres verhindert: Die Flammen sind nicht auf weitere, im Ortskern dicht beieinander stehenden Gebäude, übergesprungen. Die drei Häuser, in denen sie gewütet haben, direkt gegenüber des Rathauses, seien jetzt nicht mehr bewohnbar, bilanziert Junkes. Zuvor hatten in einem davon noch zwei Parteien, insgesamt vier Personen, gelebt. Zwei von ihnen sind bei Nachbarn untergekommen, für die beiden anderen hat der Bürgermeister gerade ein Ausweichquartier organisiert.

Unter Denkmalschutz

Die beiden anderen Häuser waren praktisch nicht mehr in Benutzung. Alle drei Gebäude gehören zu den ersten, die hier einst den "ersten Schwung" am Marktplatz bildeten. Sie stammen aus dem 15./16. Jahrhundert, sagt der Bürgermeister – zwei von ihnen stehen unter Einzeldenkmalschutz: Gewölbe, Stuckdecken. In einem logierte einst "der Boder", also der Friseur des Marktes. Eins der Häuser hätte demnächst versteigert werden sollen – dieser Termin wurde nun abgesagt. Jetzt haben Gutachter und Versicherungen das Wort.

Junkes ist seit seinem 16. Lebensjahr aktiv bei der Feuerwehr und seit über 20 Jahren Atemschutzträger. Er hat sogar den Führerschein fürs große Einsatzfahrzeug. Seit 2001 ist er zudem Vorsitzender des Feuerwehr-Vereins. Für ihn selbstverständlich. "Die aktive Feuerwehr ist der einzige Verein, der dir hilft", betont er – die Retter seien in allen möglichen Situationen zur Stelle, egal, ob bei einem Verkehrsunfall, wenn es brennt, wenn die Katze nicht vom Baum kommt oder der Keller voll Wasser läuft. Dass Junkes mit der Wahl zum Bürgermeister den aktiven Feuerwehrdienst aufgeben würde, stand nicht zur Debatte. Ganz im Gegenteil, es hilft, die andernorts längst problematischen "Tagesalarmsicherheit" in Hohenburg zu erhalten: "Ich bin ja tagsüber eh da", meint Junkes mit Blick auf seinen Arbeitsplatz im Rathaus.

Feuerschein über dem Marktplatz

Trotz aller Routine im Feuerwehr-Dienst: Dieser Einsatz war kein alltäglicher. "Das war schon ziemlich emotional", gesteht der Bürgermeister. Er wohnt droben am Berg. Als die Sirene Montagnacht heulte, dachte Junkes an einen "normalen" Einsatz. Worum es ging, wusste er auf dem Weg zum Feuerwehrhaus noch nicht. Bis er von der Schule aus den Feuerschein sah. Da, sagt er, wurde ihm klar: "Das brennt ja im Markt!" Junkes war in der Truppe, die von einem Hinterhof aus eines der benachbarten Gebäude schützen sollte. Eine weitere verhinderte vom Dach einer großen Garage aus ein Übergreifen der Flammen auf den Musikstadel des Marktes. Der konnte ebenso verschont gehalten werden wie das alte Postgebäude. Junkes, der Feuerwehrmann, spricht von drei erfolgreichen "Widerstandslinien" und lobt seine Kameraden. 135 von ihnen, aus verschiedenen Feuerwehren, waren im Einsatz. "Des hamma scho sauber hinbracht", bilanziert Junkes.

Er war der Letzte, der den Brandort verlassen hat. Nach der Brandwache "seiner" Feuerwehr, die bis Dienstagvormittag da war, kam mittags der Statiker. "Das war schon gut, dass er da war", meint Junkes: Die drei Häuser sind zumindest teilweise einsturzgefährdet. Der Rundgang des Experten half der Feuerwehr, als sie noch zweimal nachalarmiert wurde. Aufgrund seiner Feststellungen wussten sie, wo sie in die Gebäude hinein konnten und wo nicht – so konnten sie die Glutnester diesmal auch von innen löschen, was nachts nicht möglich gewesen war.

Bilanz: "Glück gehabt"

Und nun? "Ich warte jetzt auf die Freigabe der Staatsanwaltschaft", sagt Junkes. "Und dann ist das Erste, die Staatsstraße wieder befahrbar zu kriegen." Die Hohenburger Ortsdurchfahrt ist seit dem Brand teilweise gesperrt. Was aus den verbrannten Gebäuden wird, weiß Junkes noch nicht. Bewohnbar seien sie jedenfalls nicht mehr. Dabei könnte Hohenburg Wohnraum gut gebrauchen, die Nachfrage ist groß, wie Junkes berichtet.

Für ihn gilt die Devise "positiv nach vorne schauen". Der Schaden halte sich ja trotz allem in Grenzen. "Man kann's wirklich nicht anders sagen: Glück gehabt!" Hätte sich das Feuer ausgebreitet, wäre es womöglich sogar um die Kirche gegangen. So aber bilanziert der Bürgermeister: "Keine Toten, keine Verletzten. Alles andere kriegen wir schon hin."

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