26.05.2020 - 13:36 Uhr
HohenburgOberpfalz

Feuer im historischen Ortskern: Für Retter und Anwohner brandgefährlich

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Am Tag nach dem Großbrand in Hohenburg wird das Ausmaß der Schäden sichtbar. Experten suchen nach der Brandursache, Bürgermeister Florian Junkes braucht ein bisschen Schlaf: Er war als Atemschutzträger im Einsatz.

Feuer im historischen Ortskern von Hohenburg: Dieses Szenario bedeutet bei der Feuerwehr höchste Alarmstufe.
von Heike Unger Kontakt Profil

Kreisbrandrat Fredi Weiß ist am Dienstagvormittag gerade wieder unterwegs nach Hohenburg: Der Feuerwehr-Chef des Landkreises Amberg-Sulzbach will sich bei Tageslicht ein Bild davon machen, was der Brand in der Ortsmitte von Hohenburg in der Nacht angerichtet hat. Allein die Feuerwehren waren mit 135 Kräften im Einsatz: Feuer in einem Ortskern mit historischer Bausubstanz wie in diesem Fall ist für sie "höchste Alarmstufe", wie Weiß sagt.

"Alles richtig gemacht"

Weiß hat sich die Situation im Nachhinein auf Luftbildern von Hohenburg angesehen: "Es ist schon Wahnsinn, wie eng das da zusammengebaut ist", sagt er mit Blick auf den historischen Ortskern. Aber es sei auch bemerkenswert, wie gut es den Einsatzkräften gelungen ist, ein weiteres Ausbreiten dieses Feuers zu verhindern. Weiß zollt hier der Hohenburger Ortsfeuerwehr ein besonderes Lob. Die habe "alles richtig gemacht" in einer im wahrsten Sinne des Wortes brenzligen Situation. "Da ist die erste Entscheidung maßgeblich, wenn du da an der falschen Stelle angreifst, hast du verloren", erklärt der Kreisbrandrat.

Kreisbrandrat Fredi Weiß.

Feuer zerstört drei historische Gebäude in Hohenburg

Hohenburg

Eine Meldung wie "Es brennt am Marktplatz in Hohenburg" versetze die Feuerwehr immer sofort in höchste Alarmstufe. "Ein ganz blödes Gefühl" sei da dabei, schließlich wissen die Einsatzkräfte, dass die oft sehr nah aneinandergebauten, teils sehr alten Gebäude einem Feuer praktisch schutzlos ausgeliefert sind: Die alte Bausubstanz liefert reichlich Brennstoff, die Flammen können sehr leicht von einem aufs nächste Haus überspringen, Brandschutzwände gibt es nicht und die Feuerwehr hat in engen Ortskernen Probleme, an die Gebäude heranzukommen.

"Schwer reinzukommen"

All das war auch in Hohenburg der Fall. Insbesondere war es laut Weiß "nicht einfach, von hinten an die Häuser heranzukommen". Von vorne, an der Giebelfront der Häuser auf der Marktplatzseite, sei dies zwar kein Problem, aber auf der stark zugebauten Rückseite sei es "ganz schwer, reinzukommen". Wobei das mit dem Reinkommen in diesem Fall auch noch aus einem anderen Grund höchst problematisch ist: Um zu verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet, müssen die Löschtrupps ganz massiv Wasser einsetzen, wodurch sich aber auch die Füllungen der Fehlböden in den Häusern extrem vollsaugen.

Brandermittler im Einsatz

Zusammen mit der vom Feuer angegriffenen und damit instabilen Bausubstanz ist das Gewicht vollgesogener Decken und Böden eine höchst brisante Situation: "Zu gefährlich, um ins Gebäude reinzugehen", betont Weiß. Die Löschtrupps, die sich sonst mit Atemschutz einen Weg ins Innere bahnen, müssen in diesem Fall also von außen agieren. Deshalb muss sich nun auch erst einmal ein Statiker ein Bild von der Lage machen, um zu klären, wie einsturzgefährdet die Brandruinen sind. Fachleute des Landeskriminalamts sollen außerdem, wie in solchen Fällen üblich, die Brandursache klären.

Glücksfall: Der Fluss im Ort

Zumindest einen Vorteil hatte die Feuerwehr in Hohenburg aber, wie Fredi Weiß sagt: Die Lauterach. Aus dem Fluss im Ort konnten die Einsatzkräfte sehr schnell massiv Löschwasser ziehen. Also eigentlich "Glück im Unglück", wie es der Kreisbrandrat formuliert, auch mit Blick auf das hervorragende Zusammenspiel vieler Feuerwehren mit weiteren Einsatzkräften von Polizei bis zum Rettungsdienst.

Letzterer organisierte schließlich auch eine Verpflegung für die, die gegen die Flammen kämpften: Eine kräftezehrende Arbeit über mehrere Stunden. Als Weiß und auch die auswärtigen Wehren gegen 2.15 Uhr abrückten, weil die Flammen gelöscht und die Lage unter Kontrolle war, blieb die Hohenburger Wehr noch da. Als Brandwache kümmerte sie sich bis zum Morgen um immer wieder auflodernde Glutnester.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.