01.10.2019 - 14:19 Uhr
HohenburgOberpfalz

"Krampatbierl-Schtaudn" am Wegesrand

Eine Wanderung durch das Lauterachtal bietet interessante und schöne Einblicke in die Natur und Kulturgeschichte der Region. Ein besonderes Erlebnis ist ein Aufstieg zu den Ruinen der Hohenburg.

Ein trauriges Schicksal erlebte noch in den 1970er Jahren die ehemalige Martinskirche mit Einsiedlerklause oberhalb von Hohenburg. Das jahrhundertealte Kirchlein wurde sinnlos zerstört.
von Josef SchmaußerProfil

Die Wanderung im schönen Lauterachtal bietet interessante Einblicke in Natur, Kultur und Heimatgeschichte. Die Wanderer können in der südlichen Ortsmitte von Allersburg, einem Ortsteil des Marktes Hohenburg, starten. Die St. Michaelskirche auf dem Weinberg war schon vor über 1000 Jahren Mittelpunkt einer Urpfarrei, die von Pielenhofen im jetzigen Übungsplatz Hohenfels bis Erlheim reichte. In der Zeit der Hussiten-Einfälle im 15. Jahrhundert wurde der Gottesacker zum Wehrfriedhof befestigt.

Natur pur

Wir folgen etwa 300 Meter der ST 2235 in Richtung Hohenburg. Das bestimmende Motto der Wanderung, "Natur pur", können die Naturfreunde auf einem Teilstück des beliebten Wacholderweges in Richtung Hohenburg erleben. Je nach Jahreszeit können die Wanderer zahlreiche Stöcke des Geknäuelten Enzians, (verblühte) Orchideen, Rote Lichtnelken und viele Pechnelken entdeckten. Die Beispiele zeigen den Artenreichtum dieser Region. Auch die prägenden Wacholder-Stauden mit ihren Früchten - im Dialekt so lautmalerisch "Krampatbierlschtaudn" -, der Hartriegel ("Hundsbierl"), reife Hagebutten ("Wognroifala") und Pfaffenhütchen sind mit vielen anderen Pflanzen zu entdecken. Anhand einer Frucht kann man gut sehen, dass wirklich eine Ähnlichkeit mit einem Wagenrad gegeben ist. Die Samen des Breitwegerichs dienen auch heute noch als Vogel-Samen und bieten als "Flohsamen" Hilfe bei Verdauungsproblemen.

Leonhardi-Wallfahrt

Ein trauriges Schicksal erlebte noch in den 1970er Jahren die ehemalige Martinskirche mit Einsiedlerklause oberhalb von Hohenburg. Leider wurde das jahrhundertealte Kirchlein sinnlos zerstört. Eine bedeutende Leonhardi-Wallfahrt zog bis in die 1930er Jahre eine große Zahl von Wallfahrern an. Die Lage erinnert sehr an das von dem Archäologen Dr. Mathias Hensch untersuchte Ermhof bei Neukirchen. Heimatfreunde bemühten sich bereits um eine Grabungserlaubnis bei den US-Amerikanern, denn das St.-Martins-Patrozinium verweist wie Ermhof in die Zeit der Franken.

Ein Sühnekreuz am westlichen Ortseingang von Hohenburg erinnert als rechtsgeschichtliches Denkmal aus dem späten Mittelalter (14. bis 16. Jahrhundert) an die einstmals privat ausgeübte Sühne nach einem Totschlag. Im Landkreis Amberg-Sulzbach sind noch 16 derartige Flurdenkmäler erhalten. Wie bei fast allen anderen Steinkreuzen ist der genaue Anlass der Errichtung archivalisch nicht greifbar. Bei einem Totschlag sollte nicht die damals oft übliche Blutrache zum Zuge kommen, sondern Sühneverträge sollten eine gütliche Einigung der betroffenen Parteien erzielen. Dem Täter wurden verschiedene Pflichten auferlegt, zum Beispiel Seelenmessen für den Verstorbenen, Wachs-Spenden, Kosten für die Beerdigung und eben auch die Errichtung eines steinernen Kreuzes am Tatort. Dieses sollte die Vorübergehenden zum Gebet für den Verstorbenen anhalten, war er doch unvorbereitet, das heißt ohne Empfang der Sterbesakramente verschieden. In Marterln lebt diese Tradition noch fort. Die "Halsgerichtsordnung" von Kaiser Karl V. von 1532/33 beendete nach und nach die Sippenkriege.

Selbst die Ruinen der Hohenburg geben noch ein eindrucksvolles Zeugnis der einstigen Macht des dort ansässigen Grafengeschlechtes wieder. Als Vertraute Kaiser Friedrichs II. spielten die Hohenburger Grafen eine wichtige Rolle in dessen Italienpolitik. 1256/57 starben drei Hohenburger Grafen, unter ihnen auch Berthold, ein bedeutender Minnesänger, in sizilianischen Kerkern. Damit war das Geschlecht im Mannesstamm erloschen und der Besitz fiel dem Hochstift Regensburg (bis 1810) zu.

Mit Erlaubnis des "Public Affairs Office" des US-Truppenübungsplatzes Hohenfels (Norbert Wittl, Telefon 0162/2961096) kann der Burgberg mit den sanierten Resten der imposanten Anlage erstiegen werden. Der Einstieg in den Steig befindet sich beim Feuerwehrhaus Hohenburg in der Hammermühlstraße.

Hammermühle

Eine Möglichkeit zur Einkehr nach der erlebnisreichen Wanderung bietet die "Hammermühle" der Familie Schaller (Öffnungszeiten: 11 bis 21 Uhr; April bis September von donnerstags bis montags; Oktober bis März von donnerstags bis sonntags).

Der Rückweg nach Allersburg verläuft im Tal auf dem schönen Geh- und Radweg. Die Strecke beträgt zirka fünf Kilometer. Besteigt man den Burgberg muss man etwa eine Stunde Gehzeit mehr einplanen.

Diese Postkarte aus den 1960er Jahren zeigt die einst imposante Burganlage der Hohenburger Grafen, die in enger Beziehung mit den deutschen Kaisern standen.
„Welche Ortschaft ist nun die da drüben?“ Die Besucher genießen die schöne Rundsicht, die sich von der Hohenburg aus bietet.

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